bedeckt München

Verschiedene Faktoren:Milde Grippe-Saison

Eine hohe Impfbereitschaft macht sich im Landkreis bemerkbar

Von Ariane Lindenbach, Fürstenfeldbruck

Die Grippe-Saison scheint in diesem Winter milder zu verlaufen als in den vergangenen Jahren. Das liegt vor allem an zwei Faktoren, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen: Die sogenannten AHA-Regeln - also Abstand, Händewaschen, Atemschutz -, helfen auch dabei, das Risiko für eine Ansteckung mit dem Grippevirus zu minimieren. Und die Appelle von Politikern und Virologen an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen, sind offenbar auch nicht ohne Wirkung geblieben. Sowohl im Landkreis Fürstenfeldbruck als auch in ganz Bayern, das sich noch einmal 550000 Extradosen des Jahr für Jahr neu gemixten Grippeimpfstoffs bestellt hatte, haben sich deutlich mehr Menschen impfen lassen als in anderen Jahren zuvor. Das Vakzin scheint in ausreichender Menge vorhanden zu sein, nachdem es im Oktober und November noch einen Engpass gegeben hatte, Ärzte mussten sogar Wartelisten für Impfwillige anlegen.

Schon früh im vergangenen Jahr hatte es verstärkt Aufrufe von Politikern und Ärzten gegeben, dass sich möglichst viele Menschen gegen Influenza impfen lassen sollen. Dahinter steht zum einen der Gedanke, dass ein durch Grippe geschwächter Organismus anfälliger für eine Infektion mit Covid-19 ist. Zum anderen bedeutet eine höhere Zahl Grippegeimpfter, dass sich weniger Menschen damit anstecken. Und in der Folge müssen auch weniger Erkrankte in Krankenhäusern behandelt werden, was wiederum eine Entlastung für das durch die Pandemie arg strapazierte Gesundheitssystem darstellt.

Viele Menschen scheinen diesem Aufruf gefolgt zu sein. Laut Thomas Benkert, Apotheker in Mammendorf und Präsident der der Bundesapothekerkammer, lag die Zahl der bestellten Impfdosen für die ganze Bundesrepublik deutlich über der von anderen Jahren. Üblicherweise werden demnach rund 14 bis 16 Millionen Einzeldosen für ein Jahr bestellt, nun seien es rund 25 Millionen gewesen, also etwa 60 Prozent mehr.

Das deckt sich mit den Erfahrungen, die Angelika Barthelheimer in ihrer Allgemeinarztpraxis in Fürstenfeldbruck gemacht hat. Normalerweise bestelle sie für die Grippe-Saison - jeder Mediziner muss bis März eines Jahres seine Bestellung für den Grippeimpfstoff der nächsten Saison bei der kassenärztlichen Vereinigung abgeben - etwa hundert Dosen. Da die Nachfrage in den letzten Jahren schon gestiegen sei, hatte sie für 2020 die Hälfte mehr, rund 150 Dosen, geordert. Laut der Stellvertreterin im Brucker Ärzte-Netz wurde sie "relativ frühzeitig" beliefert, nämlich in der ersten Septemberhälfte; sonst komme der Grippeimpfstoff erst gegen Ende September. Auch bei ihren Patienten registrierte Barthelheimer großes Interesse: "Manche Patienten hatten schon nachgefragt und dementsprechend war die Nachfrage am Anfang sehr hoch an." Innerhalb weniger Wochen war ihre großzügig bemessene Bestellung bereits verimpft. "Die waren Anfang Oktober schon weg." Mit dieser Erfahrung ist die gut vernetzte Medizinerin offenbar nicht allein. Eine Kinderärztin habe ihr von ähnlich großer Nachfrage berichtet. Die Kollegin impfte innerhalb kürzester Zeit 700 Patienten gegen die Influenza.

Zu dieser Zeit begann es Bartelheimer zufolge etwas eng zu werden. "Anfang Oktober war der Grippeimpfstoff nicht mehr nachbestellbar", die Apotheken hätten keine im Reserven mehr gehabt, berichtet sie. "Die Patienten kamen und wir konnten sie nicht impfen", deshalb habe sie eine Warteliste angelegt. Mit rund 160 Impfwilligen. Die Phase dauerte nach Einschätzung von de Medizinerin etwa vier Wochen. "Kurzzeitig gab's mal Wartelisten", bestätigt Benkert. Auch Thomas Forster, Sprecher der Ärzte im Landkreis, bekam von dem Problem zu hören. Und selbst im Fürstenfeldbrucker Gesundheitsamt gab es zu dieser Zeit vereinzelte Nachfragen, sagt dessen Chef Lorenz Weigl. Doch dann kamen die ersten Nachlieferungen. Und im Dezember wurden dann auch die 550 000 Extradosen, die die Staatsregierung geordert hatte, verteilt.

© SZ vom 07.01.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema