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Vereine:Bewegliches Vermögen

Was vom aufgelösten Estinger Verein für Gartenbau und Landespflege übrig geblieben ist, kommt unter den Hammer. Geräte, Maschinen und Einrichtungsgegenstände gehen für ein paar Euro weg

Von Selina Deger, Esting

111 Jahre nach der Gründung hat sich der Verein für Gartenbau und Landespflege Esting aufgelöst. Doch es ist noch etwas übrig aus all den Jahren. Und deshalb wird alles, was sich verwerten lässt, in einer Auktion versteigert. Vor einem kleinen weißen Schuppen mit brauner Holztüre, dem Gerätelager des Vereins, sind auf der kleinen Wiese Rasenmäher, Baumschneidemaschinen, Rechen, Mistgabeln und andere Utensilien ordentlich aufgereiht. Einige der Dinge sehen etwas in die Jahre gekommen aus, andere wiederum fast neu. Der kleine Vorgarten ist voll Menschen, die das ein oder andere Gartengerät ergattern wollen. Rasenmäher gibt es auch, selbst Schnupftabakflaschen werden versteigert.

Sonja Keischar hat eine Vase und eine Schnupftabakdose mit Esting-Motiven ersteigert.

(Foto: Günther Reger)

Der Verein musste sich auflösen, da sich niemand mehr gefunden habe, der den Platz im Vorstand übernehmen wollte, erklärt Tomas Bauer. "Außerdem sind unsere Dienste nicht mehr so gefragt", sagt er. Heutzutage gebe es viele Hobbygärtner, die sich die nötigen Geräte einfach im Baumarkt kaufen und die Gartenarbeit selbst erledigen, damit sei der Vereinszweck nicht mehr gegeben.

Der 1909 gegründete Verein sollte für Probleme und Arbeiten in der Siedlung zuständig sein. Er richtete sich nach den Interessen der Einwohner Neu-Estings. So bauten die Mitglieder des Vereins vor allem Stege und Wege, die über die Amper nach Olching führten, unterstützten die Anwohner bei der Gartenarbeit und boten Kurse für die richtige Gartenpflege an.

Vor allem haben es die Bieter der Auktion auf moderne und motorbetriebene Maschinen abgesehen.

(Foto: Günther Reger)

Zu Beginn der Auktion klärt Bauer die Besucher noch darüber auf, was mit dem an diesem Tag eingenommenen Geld passiert. Der Erlös der Auktion soll an die Stadt Olching gehen, diese verwende das Geld dann für die landschaftliche Pflege der Stadt, erklärt Bauer. Die nicht verkauften Dinge würden anschließend entsorgt werden. Damit sei die Auktion "das endgültige Ende" des Vereins, sagt Bauer.

Felix Klein leitet die Auktion an. "Wir gehen einfach systemlos von links nach rechts", sagt er. So kommen zunächst weiße Vasen mit Vereinsbild unter den sinnbildlichen Auktionshammer und auch der Schnupftabak in runden Flaschen ist beliebt. Klein hebt eine der Vasen in die Luft, die schließlich für einen Euro weggeht, die Schnupftabak-Fläschchen jeweils für 50 Cent. Eine der Mitbietenden hat sogar Vase und Schnupftabak im Partnerlook ersteigert. Die ganz neue Filterkaffeemaschine aus dunkelblauem Kunststoff will niemand, sie wird zurück in den Schuppen getragen, um anschließend vom Verein entsorgt zu werden. Für einen kaum benutzte Gläserspüler bietet ein Mann zehn Euro. "Der kostet 140 Euro", weiß er. Damit liegt er zwar nicht ganz richtig, denn im Internet gibt es ähnliche Reinigungsmaschienen schon für 80 Euro, dennoch hat er ein Schnäppchen gemacht. Außerdem hat der Verein Rechen in allen möglichen Ausführungen im Angebot. Einer von ihnen sieht aus, als wäre er aus dem Mittelalter übrig geblieben. Zwischen den hölzernen Zinken haben sich Spinnenweben und Staub angesammelt, doch auch er findet einen neuen Besitzer.

Auch Spaten, Schaufeln und andere Gartengeräte finden ihre Abnehmer.

(Foto: Günther Reger)

Spannend wird es bei einem Rasentrimmer, einem Markengerät. Von zehn Euro an bieten sich die Anwesenden gegenseitig aufwärts, bis er schließlich für 80 Euro verkauft wird. Auch das ein oder andere weitere Schnäppchen können die Besucher an diesem Tag ergattern. So wird eine Bierbankgarnitur in gutem Zustand für zehn Euro abgegeben, ein ähnliches Modell kostet neu etwa 70 Euro.

Langsam leert sich die kleine Wiese. Ein Teil nach dem anderen wechselt den Besitzer. Auch ein kleiner Wagen, er sieht aus, als stamme er noch aus dem Gründungsjahr des Vereins, findet einen neuen Besitzer. Zunächst meldet sich niemand für die kleine, alte Schubkarre. Ein Mann greift schließlich doch zu und nimmt sie für drei Euro mit nach Hause.

Es sind nicht die alten, rustikalen Dinge, auf die die Besucher es abgesehen haben, vielmehr scheinen sie moderne und gut erhaltene Geräte zu einem günstigen Preis kaufen zu wollen. Besonders beliebt sind Rasenmäher, Baumschneidegeräte und Pavillons. Nicht nur die Anzahl der Geräte verringert sich nach und nach, auch die Besucher sind weniger geworden. Einige haben ihre Wunschgeräte bekommen und sich bereits mit ihren neuen Errungenschaften auf den Nachhauseweg gemacht. Mit der Auktion haben die Mitglieder, dem Verein einen Dienst erwiesen und auch die letzen Besitztümer "anständig aufgelöst", wie Bauer sagt.

© SZ vom 09.09.2020

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