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Tourismus im Landkreis:Hotels im Landkreis öffnen wieder

Ab sofort dürfen wieder Touristen beherbergt werden. Die meisten Inhaber im Landkreis freuen sich nur bedingt. Sie bezweifeln, dass sich das auszahlen wird

Von Samstag an dürfen Hotels in ganz Bayern wieder touristische Übernachtungen anbieten, Wellness- und Saunabereich bleiben allerdings auch weiterhin geschlossen. Seit Ausbruch der Corona-Krise waren Übernachtungen nur im Rahmen von Geschäftsreisen erlaubt, einige Hotels stellten ihre frei gewordenen Zimmer aber auch als Home-Office-Alternative zur Verfügung. Jetzt bereiten sich die Hotels auch im Landkreis auf ihre Wiedereröffnung vor.

"In Zukunft schicken wir unseren Gästen Meldescheine für ihre Buchung zu, die sie schon vorab ausfüllen und an uns zurückschicken müssen", sagt Uschi Kohlfürst, Inhaberin des Hotels Fürstenfelder. "Daraufhin bekommen sie auch schon die Schlüsselkarten für die Zimmer von uns zugesendet." So wolle man versuchen, den Kontakt zwischen Mitarbeitern und Hotelgästen möglichst gering zu halten. Das Hygienekonzept, das Inhaberin Kohlfürst für ihr Hotel anwendet, orientiert sich - wie bei vielen anderen Hotels - an den Empfehlungen des Deutschen Hotel und Gaststättenverbandes (Dehoga). Über die genauen Hygienevorschriften will das Fürstenfelder seine Gäste künftig schon vor ihrer Ankunft per Mail informieren. Auch vor Ort werde man die Besucher dazu anhalten, den empfohlenen Mindestabstand von anderthalb Metern einzuhalten und Masken zu tragen - etwa mit Aufstellern im Eingangsbereich. Das Frühstück, das bisher immer als Buffet serviert wurde, soll von den Hotelmitarbeitern künftig direkt zu Tisch gebracht werden: "Wir könnten es nur dann als Buffet anbieten, wenn die Menschen sich regelmäßig ihre Hände desinfizieren. Das im Blick zu behalten, ist aber relativ schwierig, und so haben wir uns dazu entschieden, die Gäste stattdessen zu platzieren und ihnen das Frühstück zu bringen." Am Tisch selbst sollen künftig auch keine Gegenstände wie Salzstreuer oder Zuckerdosen mehr stehen.

Im Hotel Fürstenfelder müssen die Abstandsregeln beachtet werden.

(Foto: Günther Reger)

Trotz oder gerade wegen der vielen Sicherheitsvorkehrungen seien bisher aber nur "ganz, ganz wenige" Buchungen eingegangen: "Das ist natürlich eine besonders traurige Situation. Im Hotel arbeiten im Moment ein bisschen über 20 Mitarbeiter, aber mehr als drei sind nie im Einsatz. Wann sie wieder arbeiten können, kann ich nicht sagen."

Harald Schöffler, Geschäftsführer und Inhaber des Hotels Schiller in Olching, glaubt nicht daran, dass die Öffnung seines Hotels für den Tourismus etwas an der Zahl der Buchungen und somit auch an der Situation seiner Mitarbeiter verändern wird: "Schließlich sind wir ohnehin kein Urlaubsziel wie der Chiemsee oder das Allgäu. Zu uns kommen die Leute meist nur dann, wenn in der Nähe ein Konzert oder ein Fußballspiel stattfindet, aber das fällt ja jetzt alles wegen Corona weg." In den vergangenen Wochen hätten vor allem Geschäftsreisende im Hotel Schiller übernachtet, aber auch hier waren es laut Schöffler im Schnitt nur zwei bis drei Gäste pro Woche. Aufgrund des Umsatzeinbruches will der Inhaber nun einen Kredit aufnehmen, um das Überleben seines Hotels zu sichern. Und damit ist er nicht alleine.

Vorigen Dienstag veröffentlichte der Dehoga Bayern eine Pressemitteilung, in der die anstehende Öffnung der Hotellerie kritisch betrachtet wird. So sei es in etwa 70 Prozent aller Beherbergungsbetriebe allein deswegen zu Gästeabsagen gekommen, weil eine Anreise am Freitagabend nicht möglich ist: "Mir kann kein Mensch glaubhaft erklären, dass eine Anreise am Vorabend gegenüber Samstagmorgen das Infektionsrisiko in irgendeiner Art und Weise erhöht hätte", schreibt Dehoga Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer. "Der wirtschaftliche Schaden, der daraus entstanden ist, ist hingegen enorm." Auch die geschlossenen Wellnessbereiche würden laut Bayerischem Gaststättenverband zu Umsatzeinbußen in der Hotellerie führen, ebenso wie das Verbot von Tagungen. So ist es für Dehoga-Präsidentin Inselkammer "in keinster Weise nachvollziehbar, dass nach wie vor keine Tagungen in Hotels stattfinden dürfen", zumal diese in Bildungseinrichtungen schon erlaubt seien: "Warum soll es dann Tagungshotels mit speziellen Hygienekonzepten und unter Einhaltung von Mindestabständen weiterhin verwehrt werden, wieder an den Start zu gehen?", heißt es in der Pressemitteilung.

Geschäftsführerin Uschi Kohlfürst legt letzte Hand an.

(Foto: Günther Reger)

Das Hotel Schiller in Olching ist zwar kein reines Tagungshotel, "trotzdem" sagt Inhaber Schöffler, "nimmt es uns sehr viel Luft, dass wir keine Veranstaltungen und Tagungen mehr machen können." In der Zwischenzeit möchte er - so wie Kohlfürst - jedenfalls dafür sorgen, dass die Hygienevorschriften für die wenigen Hotelgäste eingehalten werden. So soll auch im Schiller künftig kein Frühstück mehr als Buffet, sondern nur à la carte serviert oder von einer Mitarbeiterin unter Einhaltung von Hygienevorschriften ausgegeben werden. Außerdem wolle man "alles, was in den Zimmern an Griffen da ist" mehrmals am Tag desinfizieren, so etwa Türklinken, Fernbedienungen, Nacht- und Schreibtische oder Lichtschalter. Auch auf die Einhaltung des Mindestabstands will Schöffler aufmerksam machen.

Etwas schwieriger gestaltet sich die Situation für besonders kleine Hotels, in welchen die Einhaltung eines Mindestabstands kaum möglich ist. "Unser Frühstücksraum ist gleichzeitig auch unsere Rezeption und so sind wir relativ schnell voll", sagt Theresa Hartmann, Inhaberin des gleichnamigen Hotels in Fürstenfeldbruck. Sie will im Gegensatz zu den anderen beiden Inhabern künftig gar kein Frühstück mehr anbieten und dieses stattdessen als "Päckchen to go" für die Gäste bereitstellen. So wie Schöffler befürchtet auch Hartmann, dass die Öffnung der Hotels keinen großen Einfluss auf ihren Umsatz haben wird: "Solange keine Veranstaltungen, keine Messen, keine Feste abgehalten werden können, wird die Besucherzahl nicht stark ansteigen, wir sind eben kein Urlaubsziel Nummer eins."

Trotz der vielen Sicherheitsvorkehrungen kamen bislang nur wenige Buchungen.

(Foto: Günther Reger)

Dass sie im vergangenen Monat nur drei Gäste beherbergen konnte, mache ihr schon Sorgen. "Aber wir sind ein Traditionshaus und haben schon Vieles überstanden und geschafft. Wir freuen uns jetzt erstmal, dass Gäste kommen können und versuchen, ihren Aufenthalt so nett wie möglich zu gestalten."

© SZ vom 30.05.2020

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