Telekom-Ärger:Um keine Ausrede verlegen

Kein Anschluss

Rudi Kolanos Telefonanlage steht still und das Internet funktioniert ebenso wenig wie das Fernsehen.

(Foto: Günther Reger)

Der Althegnenberger Unternehmer Rudi Kolano würde gerne beruflich wie privat das schnelle Internet nutzen. Doch der Anschluss kommt erst gar nicht zustande, seine Beschwerden scheinen ungehört zu verhallen und die Terminzusagen bleiben vage

Von Manfred Amann, Althegnenberg

Die Deutsche Telekom versorgt Millionen Haushalte mit Telefon- und Internetanschlüssen. Bei der Menge scheint man auf den einzelnen Abnehmer nicht allzu viel Rücksicht zu nehmen, beklagt Unternehmer Rudi Kolano. Er betreibt in Althegnenberg eine feinmechanische Werkstätte mit Reparaturservice für Zweirad- und Kraftfahrzeuge und muss seit mehr zwei Monaten ohne Festnetztelefonie und Internetanschluss auskommen. Weil sich trotz häufiger Reklamationen an der Situation nichts ändert, hat der Unternehmer nun direkt bei der Telekom Deutschland GmbH Beschwerde eingelegt. Kurioserweise stammt der Rat, sich direkt bei der Firmenleitung zu beschweren, vom Verbraucherservice Telekommunikation der Bundesnetzagentur mit dem Hinweis, sich auf den gesetzlich geregelten Anspruch auf Grundversorgung zu berufen.

Der Ärger begann laut Kolano am 19. Dezembervorigen Jahres, als der Hausanschluss auf Glasfasertechnik umgestellt werden sollte. "Ab dem Zeitpunkt ging nichts mehr, und es begann ein Nervenkrieg, der sich nun schon fast drei Monate hinzieht. Nur Ausreden und Vertröstungen gibt es, aber keine Lösung", ärgert sich Kolano. Erst sei der Wiederanschluss mit neuer Technik auf Januar verschoben, dann aber doch nicht realisiert worden. Dutzende Male habe er bei den zuständigen Stellen angerufen, und immer wieder sei eine andere Begründung für die Verzögerung geliefert worden. "Wie oft ich bei der Störungsstelle in der Warteschleife gehangen habe, weiß ich nicht zu sagen, und wenn ich jemanden erreicht hatte, gab es stets nur Zusagen, die dann aber nicht eingehalten wurden", schildert der Unternehmer. Mal habe der Verteilerkasten herhalten müssen, ein anderes Mal habe der Techniker angeblich das richtige Ersatzteil nicht dabei gehabt oder den Fehler nicht gefunden.

Damit die Familie wenigstens Fernsehen kann, hat sich Kolano mittlerweile eine Satellitenschüssel aufs Hausdach montieren lassen, "aber hinsichtlich Internet tut sich gar nichts". Aufhorchen ließ ihn die Mitteilung, dass das Kupferkabel im Haus nicht in Ordnung sei und erst recht, als später kommuniziert wurde, dass das für einen Anschluss notwendige Kabel im Haus gar nicht vorhanden sei. Trotz mehrfacher Versprechen von Mitarbeitern der Beschwerdestelle, den Kupferkabelanschluss wenigstens wieder herzustellen, sei jedoch nichts passiert. Anfang Februar habe er dann erfahren, dass noch technische Voraussetzungen seitens der Telekom fehlten, der Auftrag beim Bautrupp liege und "in den nächsten Wochen" die Arbeiten vergeben würden. Seitdem sei aber wiederum nichts geschehen. Schließlich reichte Kolano bei der Bundesnetzagentur Beschwerde ein, dass er trotz der vielen Versprechungen immer noch auf den zugesagten schnellen Internetzugang warten müsse und er dies nicht weiter hinnehmen werde, "auch wenn ich nur einen kleinen Handwerksbetrieb habe".

Dem Rat der Bundesnetzagentur folgend, bei der Telekom auf die Grundversorgung zu pochen, fordert der Unternehmer nun auch die "umgehende Rückerstattung der berechneten und abgebuchten Beträge für die seit 23. Dezember 2018 nicht erbrachten Leistungen".

"Würden Sie diese Behandlung eines Kunden, der auf Festnetz und Internet geschäftlich angewiesen ist, als zumutbar und brauchbar bezeichnen?", fragt Kolano in seinem Beschwerdeschreiben. Weiter heißt es: "Es mag ja sein, dass in einer GmbH Ihrer Größe Zeit und Geld der Kunden nur eine geringe Bedeutung haben, trotzdem fordere ich Sie auf, meinen gesetzlichen Anspruch auf Grundversorgung unverzüglich zu erfüllen und auch die darüber hinaus vertraglich vereinbarten Leistungen zu erbringen". Wie lange er noch auf den Anschluss warten muss darüber möchte Kolano nicht spekulieren.

© SZ vom 02.03.2019
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