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SZ-Serie "Polit-Paare", Folge 3:Wie der Vater, so der Sohn

Der Name Fraunhofer ist in Jesenwang seit Jahrzehnten mit der Kommunalpolitik verbunden. Erst ist Erwin senior als Gemeinderat aktiv, 2014 wird sein Sohn Erwin junior Bürgermeister. Seit Mai hat nun auch dessen Sohn Markus ein Mandat inne

Von Manfred Amann, Jesenwang

Als Erwin Fraunhofer zum Hereinkommen winkt, strahlt er Gelassenheit aus. Höflich bittet der Bürgermeister von Jesenwang in die Wohnstube seines Hauses, kümmert sich um Getränke und als auch sein Sohn Markus Platz nimmt - im Corona-Abstand, versteht sich - spürt man bei einem kurzem Small Talk bei beiden eine gewisse Erwartungshaltung. Die Frage, ob kommunalpolitische Angelegenheiten auch zu Hause thematisiert werden, ganz besonders seit sich Markus auch für ein kommunales Ehrenamt interessiert und dieses als Neu-Gemeinderat dann im Mai auch bekommen hat, löst schließlich die anfängliche Spannung. "Ich habe stets versucht, die Gemeindepolitik möglichst von der Familie fernzuhalten", sagt Fraunhofer. Und Sohn Markus pflichtet ihm mit der Bemerkung bei, dass er mit seinem Vater und auch mit seinem Opa zwar hin und wieder über "politische Themen" diskutiere, aber meist nicht im Familienkreis. "Schon eher auf Bergtouren mit Vater und Großvater." Auch über die Arbeit werde kaum gesprochen", sagt er, denn seine 18 Jahre alten Zwillingsschwestern Jana und Elisa, die gerade ihr Abitur absolviert haben, gingen ganz anderen Interessen nach als die Männer.

Dies ist familienintern schon deswegen bedeutsam, weil Vater und Sohn nicht nur politisch für die CSU im Ort aktiv sind, sondern auch beruflich in etwa den gleichen Weg gehen. "Meine Frau Ulrike hat es aber immer gut verstanden, den männlichen und weiblichen Teil der Familie zusammenhalten", erzählt Erwin Fraunhofer, der im März als einziger Kandidat mit 92,87 Prozent der abgegeben Stimmen zum zweiten Mal zum ehrenamtlichen Bürgermeister von Jesenwang gewählt wurde. Zuvor hatte sich Erwin Fraunhofer als Gründer der Jungen Union einen Namen gemacht und war 2008 in den Gemeinderat und in den Kreistag gewählt worden, dem er seither angehört.

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In den Bergen sind sie gerne als Trio unterwegs, wenn auch des Bürgermeisters Vater, der ebenfalls Erwin heißt (links), mit dabei ist.

(Foto: privat)

"Ich bin für alles offen und rede viel mit den Bürgern, das mögen die Leute", weiß der 53-Jährige. Wichtig sei ihm, möglichst jede Veranstaltung von Vereinen zu besuchen, um mit den Jesenwangern ins Gespräch zu kommen und um zu sehen, wo der Schuh drückt. Seinem Sohn, der 1998 geboren wurde, gefällt die bürgernahe Amtsführung seines Vaters, denn beide sind sich einig: "Wir wollen Bewährtes bewahren und Jesenwang für die Zukunft fit machen", sagt Markus, der in seiner Freizeit in der örtlichen Feuerwehr und in Vereinen aktiv ist. Er ist im neuen Gemeinderat der Youngster und will vor allem zur Jugend und zu den Vereinen Verbindung halten. Zu seiner Motivation führt er an: "Auch in jungen Jahren kann man schon mitgestalten." Jesenwang habe viel zu bieten, und mitzuhelfen, dass dies auch so bleibt, sei für ihn nicht nur eine Selbstverständlichkeit, sondern auch eine Herausforderung.

In diesem Sinne gibt es in der Familie Fraunhofer offensichtlich eine gewisse Kontinuität, denn auch Erwin Fraunhofer senior war schon kommunalpolitisch aktiv. Der 1944 geborene Opa von Markus Fraunhofer war etwa drei Jahrzehnte lang Mitglied des Gemeinderates und davon zwei Wahlperioden (2002 bis 2014) Stellvertreter des damaligen Freie-Wähler-Bürgermeisters Hans Wieser. "Sicher färbt das irgendwie ab", sagt der amtierende Bürgermeister. Einen wesentlichen Einfluss darauf, sich politisch einzubringen, habe jedoch der Beruf als Mitarbeiter in kommunalen Verwaltungen gehabt. Verwaltungsfachwirt erst im Landratsamt Fürstenfeldbruck und später Bauamtsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Grafrath - wo er immer noch tätig ist - "da bekommt man auch Einblick in die kommunalen Abläufe und ist somit quasi prädestiniert für ein politisches Amt", sagt Erwin Fraunhofer junior. Seine berufliche Tätigkeit und das Ehrenamt als Bürgermeister sind seiner Meinung nach in einer kleinen Kommune "gerade noch zu schaffen, wenn man auf engagierte Gemeinderäte wie in Jesenwang zählen kann".

Jesenwangs Bürgermeister Erwin Fraunhofer (links) im Gespräch mit seinem Sohn und Neu-Gemeinderat Markus.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Eine große Unterstützung und damit auch Entlastung seien die Fachkräfte in der Verwaltungsgemeinschaft Mammendorf, zu der Jesenwang gehört. Dass er vom Verbandsrat neulich erstmals zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde, ist für den Bürgermeister "eine große Anerkennung". Allerdings bleibt für sportliche Aktivitäten und Freizeitfreuden kaum noch Zeit. Für Markus Fraunhofer steht außer Frage, dass er vom Opa und vom Vater "die Motivation für das Kommunalpolitische" mitbekommen hat. "In gewisser Weise sind sie sogar Vorbild", sagt er. Das gilt, zumindest auf den Vater bezogen, offenbar auch in beruflicher Hinsicht. Denn wie der Vater schlug er nach dem Abitur am Fürstenfeldbrucker Viscardi-Gymnasium die Verwaltungslaufbahn ein und ist nun, nach der erst vor einigen Wochen abgeschlossenen Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt, im Brucker Landratsamt angestellt. Dass er bei der Wahl im März mit 371 Stimmen vom achten Platz auf den sechsten vorrücken konnte und damit für die CSU-BG einen Sitz im Gemeinderat erreichte, macht Markus Fraunhofer stolz. "Ich sehe darin aber auch eine Verpflichtung", macht er deutlich. Wichtig sei ihm, die Lebensqualität im Dorf zu erhöhen, zum Beispiel, indem die Busverbindungen zu den Nachbarkommunen und in die Kreisstadt stetig verbessert und Fahrradwege zügig ausgebaut werden. Auch die Einrichtung eines Mobilitätszentrums hält er für erstrebenswert. Gelassen wie sein Vater sieht er die Planungen für die Errichtung eines Windrads auf Jesenwanger Flur. Wenn es von Behörden wie zum Beispiel vom Luftamt oder hinsichtlich Natur- und Artenschutz keine Bedenken gebe, "dann können wir wegen der Privilegierung der Windkraft den Bau ohnehin nicht verhindern", sagt der Rathauschef.

Ob der Sohn als Gemeinderat nun bei seinen Hobbys Abstriche machen muss, "wird sich zeigen". Neben Vereinstätigkeiten spielt er Gitarre in der Band Bavarian Desperados und wirkt beim "Willibald Hoagart" mit. Bedauerlich finden Vater und Sohn, dass wegen der Corona-Pandemie heuer der Sankt-Willibaldritt samt Wallfahrten und Hoagart ausfallen musste. Das einmalige Brauchtumsereignis sei das Aushängeschild von Jesenwang, man wolle es daher weiter pflegen.

Bisher erschienen: Peter und Hannelore Münster, Eichenau (8./9. August), Familie Off-Nesselhauf, Germering (14./15./16. August)

© SZ vom 18.08.2020

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