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Straßenbau in Fürstenfeldbruck:Umstrittene neue Leitplanken

Landwirte und Radfahrer werden in Puch nun zu Umwegen gezwungen. Und es gibt Zweifel an der Verkehrssicherheit

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Ist das nun ein Beitrag zur Verkehrssicherheit, wie Straßenbauamt und Polizei glauben? Oder doch eher ein "Schildbürgerstreich", wie Brucks CSU-Chef Andreas Lohde meint? Es geht um die Leitplanken, die zwischen dem Ortsteil Puch und der Ziegelei auf beiden Seiten der Bundesstraße 2 installiert worden sind. Sie sollen auf der viel befahrenen Verbindung zwischen Kreisstadt und Mammendorf die Gefahr eines Frontalaufpralls gegen einen Baum verhindern.

Vielen Puchern beschert dies freilich Umwege: Landwirte klagen, dass sie Feldwege nur noch umständlich erreichen, Radfahrer und Fußgänger vermissen Querungsmöglichkeiten. Mittlerweile hat sich deutlicher Widerstand formiert. Lohde ärgert, dass das zuständige Straßenbauamt weder die Stadtverwaltung noch die Polizei im Vorfeld der Baumaßnahmen informiert habe. Thomas Jakob, Sprecher der in Freising ansässigen Behörde, erklärt die Maßnahme als Beitrag zum Verkehrssicherheitsprogramm 2030 des Bundesverkehrsministeriums. Grundlage ist die Sicherheitsstrategie "Vision Zero". Ernsthafte Personenschäden im Straßenverkehr sollen auf vermieden werden - mit Hilfe baulicher Maßnahmen wie der Installation zusätzlicher Leitplanken an Bundesstraßen. Nachgerüstet werden so Bereiche, in denen Hindernisse wie Bäume nicht weiter vom Fahrbahnrand entfernt stehen als 4,50 Meter und mindestens 70 Stundenkilometer schnell gefahren werden darf - unabhängig vom bisherigen Unfallgeschehen. Lohde war als Mitglied der Feuerwehr öfters bei schweren Unfällen auf der B 2 im Einsatz. Er glaubt, dass die Schutzplanken zwar die Kollision mit einem Baum verhindern können, es aber häufiger zu Frontalzusammenstößen mit dem Gegenverkehr kommen könnte, weil es nun an Ausweichmöglichkeiten fehlt. Im Falle eines Sturzes drohen Motorradfahrern zudem schwere Verletzungen, wenn sie gegen die Metallträger schlittern. Darauf weist der Brucker Motorradfahrer Andreas Bernhard hin.

Engpass: Begegnen sich Lastwagen, bleibt bei Puch nicht mehr viel Platz.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Adi Stumper vom ADFC bemängelt, dass die Leitplanken auf knapp 600 Metern an mehreren Stellen die Verbindung von Fahrrad- und Feldwegen kappen: "Wenn Fußgänger und Radfahrende nun vom Geh- und Radweg, der nur auf einer Seite existiert, zur Gärtnerei Henninger oder auf einen gegenüberliegenden Feldweg queren wollen, müssen die Radler rechtzeitig auf die B 2 wechseln, einige Meter auf der Bundesstraße fahren, um dann zur Gärtnerei oder in den Feldweg abbiegen zu können." Sauer sind auch ortsansässige Landwirte wie Markus Britzelmair. Wo vorher das zügige Queren der B 2 mit dem Schlepper möglich war, müssten die Bauern nun auf die Bundesstraße auffahren, nach wenigen Metern halten, um dann auf den Feldweg abbiegen zu können, sagt der Biolandwirt und Stadtrat.

Lohde hätte in einem Tempolimit die bessere Alternative gesehen und fordert nun Nachbesserungen. Nachträglich wieder Querungsmöglichkeiten zu schaffen, wäre Jakob zufolge aber der Sicherheit abträglich. Die Feldwege seien für die Landwirte zugänglich, teils über freigegebene Geh- und Radwege. Und für Tempolimits sei die Straßenverkehrsbehörde am Landratsamt zuständig. Jakob zeigte sich am Montag gleichwohl gesprächsbereit: "Im Hinblick auf den Radverkehr werden wir die Situation vor Ort noch einmal prüfen."

In einem verschärften Tempolimit hätten Anlieger die bessere Alternative im Sinne der Verkehrssicherheit gesehen. So aber enden Wege, auf denen Landwirte und Radfahrer die B2 bislang querten, nun manchmal an einer Leitplanke.

(Foto: Theo Sturm/oh)

Rückendeckung erhält die Behörde von der Polizei. Oliver Erhardt, Verkehrsexperte der Brucker Inspektion, hält die Leitplanken unterm Strich für zielführend, auch wenn es mit Blick auf mögliche Frontalzusammenstöße eine Abwägung sei. Letztlich liege eine durchgehende Beplankung im Fall einer Allee nahe.

© SZ vom 08.06.2021
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