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Stadtentwicklung:Auf den Huberwirt folgt der Mayerwirt

Renate und Dieter Müller haben die historischen Fotos gesammelt und aktuelle Aufnahmen gemacht.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Dieter Müller zeigt historische Bilder aus Germering. Sein Vortrag ist so begehrt, dass ein zweiter Termin anberaumt wird

Der Andrang war riesengroß, und Günter Zeidler musste quasi als Türsteher am Eingang des Germeringer Stadtmuseums fungieren. Hatte sich doch der große Raum des Museums schon eine Viertelstunde vor Beginn des Fotovortrages "Germering im Wandel der Zeit - vom Dorf zur Großen Kreisstadt" gefüllt. Als auch noch die letzten Stehplätze vergeben waren und sich 120 Besucher einen Blick auf die Leinwand erkämpft hatten, musste der Vorsitzende des Fördervereins die Museumstür schließen. "Ich habe 20 Besucher abweisen müssen", erklärte Zeidler achselzuckend. Er zeigte sich sehr überrascht über das enorme Interesse der Germeringer, zumal die Fotoausstellung bereits im Frühjahr dieses Jahres im Foyer des Rathauses zwei Monate lang gezeigt worden war. Für die, die den Vortrag nicht erleben konnten, gibt es am Dienstag, 13. September, um 19 Uhr einen zweiten Termin.

Müller ist zusammen mit seiner Frau Renate Müller, die zum Fototreff Germering gehören, auch schon Initiator der Ausstellung im Rathaus gewesen. Die Müllers haben in akribischer Arbeit historische Fotos von markanten Stellen aus den damaligen Dörfern Germering und Unterpfaffenhofen zusammengetragen und diese neueren und aktuellen Aufnahmen gegenübergestellt. Renate Müller steuerte zudem künstlerische Collagen von Germering bei.

Zurückgreifen konnte Dieter Müller vor allem auf Fotos von Georg Walch, offenbar einem Zeitungsreporter aus den Dreißiger- und Vierzigerjahren, ebenso wie auf Aufnahmen von Werner Eißfeldt und der Germeringer Chronistin Irmgard Köhler-Langewiesche.

Die 34 mit Fotos gespickten Thementafeln weckten in der Kommentierung von Dieter Müller noch einmal das große Interesse der Besucher. Besonders die älteren unter ihnen hatten durchaus Erinnerungen an den "Huberwirt" an der Augsburger Straße, fotografiert 1926 und dann am selben Ort folgenden "Mayerwirt" von 1938. Der heutige Stadtteil Harthaus existierte auf einem Foto von 1942 noch gar nicht. "Zu sehen sind Gehwege von damals, die heute Fahrstraßen sind", erläuterte Müller, der 1972 nach Germering kam.

Der Kontrast von Alt und Neu war immer wieder frappierend. Wo fing Germering an der Landsberger Straße damals an? Ein Vergleich von Fotos der Einmündung der Streiflacher Straße in die Landsberger Straße macht das besonders deutlich. Von Besiedlung war auf dem historischen Foto nichts zu sehen, wo sich heute ein Supermarkt, eine Gastronomiezeile, ein großes Wohngebiet und dahinter der Stadthallenkomplex befinden.

Die erneut große Resonanz bei den Germeringern ist eine Anerkennung der unermüdlichen Arbeit des Ehepaars Müller, das zwei Jahre lang an der Verwirklichung der Ausstellung gearbeitet hat. Stadtmuseumschef Zeidler war froh, die verschiedenen Gruppierungen wie den Fototreff, den Verein für Heimatpflege und den MFVC-Videoclub zu einer Veranstaltung an diesem Abend erstmals zusammengebracht zu haben.

© SZ vom 08.09.2016

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