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Sparkasse Fürstenfeldbruck:Altlast Sparvertrag

Sparkasse FFB

Das Geldinstitut, das Stadt und Landkreis gehört, gerät nach der geplatzten Fusion mit Dachau und Landsberg erneut in den Blickpunkt.

(Foto: Günther Reger)

Sparkasse kündigt Kontrakte mit mindestens 25-jähriger Laufzeit. Denn in der Niedrigzinsphase zahlt sie wegen der zugesicherten Prämien drauf. Verbraucherschützer raten Kunden, im Zweifelsfall Widerspruch einzulegen

Immer mehr Sparkassen kündigen zurzeit Prämien-Sparverträge - in Bayern neben den Geldinstituten in Nürnberg, Erding und Pfaffenhofen auch jenes in Fürstenfeldbruck. Betroffen sind in der Kreisstadt bislang 143 Kunden, weitere sollen folgen. Begründet wird die Maßnahme mit dem anhaltend niedrigen Zinsniveau. Dadurch zahlen die Sparkassen bei den oft bereits in den Neunzigerjahren abgeschlossenen Sparverträgen drauf. Die Verbraucherzentrale Bayern äußert sich kritisch.

Früher galten Sparbriefe als nicht besonders spannend. Prämiensparen aber galt als innovativ, weil es Kunden dazu motiviert, kontinuierlich Monat für Monat einen verschmerzbaren Betrag auf die hohe Kante zu legen. Das Kernstück: Neben dem variablen Zinssatz, der 1993 noch bei etwa fünf Prozent lag und aktuell auf 0,01 Prozent geschrumpft ist, gab es vom dritten Jahr an steigende Prämien. Der höchstmögliche Satz von 50 Prozent auf den geleisteten Sparbeitrag war vom 15. Jahr an erreicht. Es gab Einzelfälle, in denen deutsche Sparkassen die Verträge auf 99 Jahre abgeschlossen haben, und solche, in denen beispielsweise die Prämienstaffel über das 15. Jahr hinaus festgelegt ist. In Fürstenfeldbruck handelt es sich bei den nun gekündigten Prämiensparverträgen nach Worten von Sparkassendirektor Dirk Hoogen aber ausschließlich um Kontrakte für "S-Prämiensparen flexibel" mit unbefristeter Laufzeit. Gekündigt würden aktuell lediglich Verträge, die vor mindestens 25 Jahren abgeschlossen wurden. Hoogen: "Die Kunden profitieren hierbei schon seit mehreren Jahren von der vertraglich vereinbarten höchsten Prämienstaffel. Insgesamt führe die Sparkasse Fürstenfeldbruck "derzeit knapp 4700 Verträge mit einer Laufzeit von mindestens 15 Jahren". Die durchschnittliche monatliche Sparrate beziffert Hoogen auf 70 Euro, die durchschnittliche Verzinsung bei 25 Jahren Laufzeit liegt jährlich bei um die 1,5 Prozent.

Kunden können die Verträge mit einer Frist von drei Monaten kündigen. Umstritten ist freilich, ob und unter welchen Bedingungen die Sparkassen kündigen können. Bei einer Befristung oder ausdrücklichen Regelungen für die Folgezeit nach dem 15. Jahr könnte dies Experten zufolge unzulässig sein. Ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom Mai 2019, das in schriftlicher Form noch nicht vorliegt, lässt aber darauf schließen, dass Sparkassen nach 15 Jahren durchaus kündigen können, sofern ein "sachgerechter Grund" genannt wird. Den machen die Sparkassen nun auch geltend: Geschäftsbanken müssen zurzeit sogar 0,4 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie kurzfristig Geld bei der Europäischen Zentralbank parken wollen.

Die Fürstenfeldbrucker Sparkasse weiß gleichwohl, dass solche Kündigungen beim Kunden nicht gut ankommen. Deshalb soll versucht werden, in Beratungsgesprächen Alternativen aufzuzeigen, mit denen Bank und Anleger gleichermaßen gut fahren. Die Geldanlage hänge aber "von den individuellen Zielen und Wünschen unserer Kunden ab", sagt Hoogen. Mit längeren Laufzeiten angeboten werden zurzeit beispielsweise Aktivsparen (Null Prozent Zinsen), PS-Sparen (mit zusätzlicher Verlosung) sowie Sparen mit Wertpapieren.

Die Stiftung Warentest listet in einem Beitrag bundesweit mehr als 30 Geldhäuser auf, die Prämiensparverträge gekündigt haben. Bei der Verbraucherzentrale Bayern gibt es deshalb Tag für Tag etwa 30 Anfragen. Finanzjuristin Sibylle Miller-Trach rät Kunden, sich den Vertrag und die Konditionen sowie eine möglicherweise fixierte Laufzeit sehr genau anzusehen. In Zweifelsfällen empfehlen die bayerischen Verbraucherschützer, vorsorglich Widerspruch gegen eine Kündigung einzulegen, Sparraten weiter zu überweisen und den gesamten Sparbetrag nicht anzutasten. Darüber hinaus bieten die Verbraucherzentralen für 30 Euro einen Check der flexiblen Zinszahlungen für die zurückliegenden Jahre an. Einem Bericht der "Abendzeitung" zufolge soll eine Überprüfung in Sachsen ergeben haben, dass in vielen Fällen zu wenig gezahlt worden sei. In einem Fall mit 25 Jahren Laufzeit habe sich ein Fehlbetrag von fast 5000 Euro ergeben.