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Serie zur Archäologie:Frühzeitliches Statussymbol

Kupferbeil Grafrath

Für den Einsatz als Werkzeug war das Kupferbeil eher ungeeignet. Denn Kupfer ist recht weich, die Schneide wäre schnell abgestumpft.

(Foto: Volker Rein/oh)

Ein Kupferbeil aus Grafrath ist der erste Nachweis von Metallverarbeitung im Landkreis

Überall im Brucker Land sind unter der Erde Schätze verborgen, die viel über die Entwicklung des Landkreises und der menschlichen Zivilisation erzählen. Mit seiner weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannten archäologischen Abteilung schafft es der Historische Verein, dass diese Schätze geborgen, erforscht und erhalten werden. In einer großen Ausstellung präsentiert der Verein nun in jeder Kommune mindestens ein für den Ort bedeutendes Fundstück. In einer SZ-Serie werden in den kommenden Wochen und Monaten alle Ausstellungsstücke vorgestellt.

Der bisher älteste Metallfund des Landkreises stammt aus Grafrath. Dort haben die Archäologen ein Kupferbeil gefunden, das aus der sogenannten Schnurkeramischen Kultur aus der Zeit um 2800 bis 2200 vor Christus stammt. Interessant ist, dass Kupferbeile wohl nicht als Werkzeug gedient haben, sondern, davon gehen die Forscher aus, eher als Statussymbol. Der Grund ist einfach: Kupfer ist ein relativ weiches Metal, das schnell abstumpft. Somit war es für den Einsatz als Werkzeug kaum geeignet, viel haltbarer waren die schon lange verwendeten Steinbeile. Weil die Metallverarbeitung damals in der Region noch eine relativ junge Technik war, war die Gewinnung und Herstellung solcher Kupferbeile eine Herausforderung. Hergestellt wurden sie mit einer Gussform aus Stein, die man auseinanderklappen konnte. Doch erst mit Erfindung der wesentlich härteren Bronze wurden Gegenstände aus Metall häufiger im Alltag eingesetzt, etwa als Waffen.

Die ältesten Nachweise von Kupferverarbeitung reichen bis zurück bis ins 6. vorchristliche Jahrtausend, allerdings nicht in Mitteleuropa, sondern im Nahen Osten. Von dort verbreitete sich die neue Technologie langsam über den Balkan und die Donau bis in den Norden. Um etwa 4000 vor Christus gibt es die ersten Spuren von Kupferverarbeitung in Mitteleuropa, etwa bei der Münchshöfener Kultur in Altbayern. Eine Siedlung aus dieser Zeit gab es bei Moorenweis, Metallfunde von dort gibt es allerdings - bisher - nicht.

Ein ähnliches Beil wie das in Grafrath wurde auch bei der als Ötzi bekannten Mumie gefunden. Das Grafrather Beil wird von den Archäologen dem sogenannten Typ "Stollhof" zugeordnet. Es hat eine lang gestreckte, trapezförmige Klinge mit einer leicht gebogenen Schneide.

Ausstellung "Bodenschätze", bis 27. September. Das Kupferbeil ist zu sehen in der Sparkasse Grafrath, Hauptstraße 66. Alle Ausstellungsorte finden sich im Internet unter www.historischer-verein-ffb.de. Erschienen ist zudem ein lesenswerter Katalog