Puchheim setzt auf umweltfrendliche Geothermie Wärme aus 2300 Metern Tiefe

In Freiham steht in der Nähe von Puchheim bereits ein Kraftwerk zur Nutzung der Geothermie.

(Foto: Johannes Simon)

Der Ferienausschuss des Stadtrats beschließt mit großer Mehrheit, mit der Geysir Europe GmbH eine gemeinsame Fördergesellschaft zu gründen. Die Firma soll auch die Fernwärme vermarkten

Von Karl-Wilhelm Götte, Puchheim

Jens Tönjes, Geschäftsleitender Beamter im Puchheimer Rathaus, erinnert sich an jahrelange Stadtratsdiskussionen über das Puchheimer Geothermieprojekt. Die Debatten reichen bis ins Jahr 2005 zurück. "Anfangs herrschte richtige Goldgräberstimmung", sagt Tönjes. Dann zogen offenbar auch die finanziellen Risiken, die die Geothermie mit sich bringen könnte, eine Diskussionspause nach sich. Nachdem im vergangenen Jahr ermutigende geologische Untersuchungen stattgefunden haben, hat jetzt der Stadtrat in seiner Ferienausschusssitzung das Bohren und damit die Ausbeutung des heißen Wassers zur Fernwärmenutzung auf den Weg gebracht. Einen Zeitplan mit dem Datum, wann eine erst noch zu gründende gemeinsame Bohrgesellschaft in Aktion treten wird, muss die neue Fördergesellschaft erst noch festlegen.

Beschlossen wurde, zusammen mit der Geysir Europe GmbH eine Kommanditgesellschaft als Fördergesellschaft zu gründen. Diese soll die Geothermieanlage errichten und später die aus dem Betrieb des Geothermie Kraftwerkes gewonnene Heizenergie vermarkten. Mehrheitskommanditistin der "geopex Gmbh & Co. KG", so der Name der gemeinsamen Fördergesellschaft, ist die Geysir Europe GmbH. Die Stadt Puchheim ist als Minderheitskommanditistin dabei. Genau beziffert wurde das alles noch nicht. Die Geysir GmbH ist auf dem Gelände der Bavaria Filmgesellschaft in Grünwald angesiedelt. Das Unternehmen präsentiert sich auf seiner Internetseite als Firma, "die einen Beitrag zum Stopp der globalen Erwärmung durch Erzeugung sauberer geothermischer Energie" leisten will.

Die Geysir GmbH betreibt bereits ähnliche Projekte in Taufkirchen, Starnberg, Neuried und im Allgäu sowie in Italien. Die geologischen Untersuchungen wurden in Puchheim von der Exorka GmbH vorgenommen, einer hundertprozentigen Tochter der Geysir Europe GmbH. Die sogenannte Aufsuchungserlaubnis der Regierung von Oberbayern für geothermische Wärme liegt der Stadt bereits seit 2006 vor.

Bodenuntersuchungen haben ergeben, dass zwei Bohrpunkte auf einem Feld am Laurenzer Weg in Puchheim-Ort vielversprechend sind und etwa 80 Grad heißes Wasser in einer Tiefe von 2300 Metern zu erwarten ist. "Wir sind ziemlich sicher, wo die wasserführende Schicht verläuft", sagt der berufsmäßige Stadtrat Tönjes. 80 Grad wären für die Wärmeerzeugung ausreichend, für eine Stromerzeugung ist das Wasser jedoch nicht heiß genug. Tönjes stellt optimistisch fest: "Der Standort Laurenzer Weg ist günstig." Ganz in der Nähe im Gewerbegebiet Ikaruspark ist das Blockheizkraftwerk angesiedelt, das das Bayernwerk bisher mit Gas betreibt. Angestrebt wird, was zum Teil schon vereinbart ist, dass der Ikaruspark, der Wohnpark Roggenstein, städtische Bauten und besonders das große Wohngebiet der Planie mit Erdwärme versorgt werden. Geliefert wird die Fernwärme vom Bayernwerk, das das Puchheimer Fernwärmenetz betreibt. Das Energieunternehmen wird laut einer Vereinbarung mit der Stadt die gelieferte Fernwärme auch abnehmen. "Auch mit einem großen Grundeigentümer in der Planie ist bereits ein Vertrag über die Abnahme von Fernwärme getroffen worden", klärt Tönjes im Gespräch mit der SZ auf.

Die Bohrungen am Laurenzer Weg finden auf städtischem Grund statt. Die Rechtsform der Kommanditgesellschaft wurde gewählt, "um die kommunale Haftung zu begrenzen", so Tönjes im Ferienausschuss. "Jetzt geht's ums Geld", sagte er noch, ehe die 14 Mitglieder des Ferienausschusses aus allen Fraktionen plus dem Sitzungsleiter Rainer Zöller (CSU) der Gründung der Fördergesellschaft fast einhellig zustimmten. Nur Michael Burkhart (Freie Wähler) stimmte dagegen, ohne sich näher zu erklären.