bedeckt München

Puchheim:Schwungvolle Imagination

Der junge Bildhauer Pygmalion (Markus Schmid) ist der Schöpfer der Nymphe Galathée. Er hat sie mit so viel Liebe gestaltet, dass sie zum Leben erwacht.

(Foto: Günther Reger)

Die Puchheimer Taschenoper bringt Franz von Suppés "Die schöne Galathée" auf die Bühne des Puchheimer Kulturzentrums. Das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit

Von Klaus Mohr, Puchheim

Es mag sich banal anhören, aber am vergangenen Wochenende war es wieder so weit: Die Puchheimer Taschenoper brachte eine neue Inszenierung auf die Bühne des Kulturzentrums Puc. Das ist in Corona-Zeiten alles andere als eine Selbstverständlichkeit. An größere Abstände im Publikum haben sich die Zuschauer mittlerweile gewöhnt. Die Lösung des Problems auf der Bühne ist ein ungleich schwierigeres Unterfangen, weil Theater als darstellende Kunst von Bewegungen, Aktion und der immer neuen Definition von Nähe und Distanz lebt. Genau diese Elemente passen nicht zur Pandemie und müssen so ersetzt werden, dass die Zuschauer trotzdem den Eindruck haben, das Geschehen nachvollziehbar erlebt zu haben.

Die Verantwortlichen der Puchheimer Taschenoper, Michael Kaller und Silke Wenzel, verfolgten eine nicht ganz nahe liegende Vision: Sie setzten einerseits mit der Gattung "Hörspiel" auf ein Genre, das ohne visuelle Bilder auskommt und sich nur am Höreindruck ausrichtet. Andererseits platzierten sie das Publikum quasi in das von der Bühne in den Saal hinein verlängerte Studio, so dass die Zuschauer auch optische Eindrücke von den Protagonisten mitnehmen konnten. Nebenbei wurde das Publikum auch Zeuge von Aktionen, die einem Radiohörer sonst aus gutem Grund vorenthalten bleiben, wie etwa stumm ausgetragene emotionale Ausbrüche.

Auf dem Programm stand die komisch-mythologische Operette "Die schöne Galathée" von Franz von Suppé. Dieses einaktige Werk, uraufgeführt 1865 in Berlin, ist zwar dem Titel nach vielen Musikfreunden bekannt. Es sind jedoch nur wenige Ausschnitte, die sich bis in unsere Zeit retten konnten. Gleichwohl enthält die Operette einen Strauß wunderbarer Melodien. Das Arrangement, das Silke Wenzel für die Taschenoper angefertigt hat, reduzierte nicht nur die große Orchesterbesetzung auf die Instrumente Violine, Flöte, Saxofon, Akkordeon, Klavier und Kontrabass. Dadurch entstand auch eine kammermusikalische Flexibilisierung sowie eine Nuancierung klanglicher Schwerpunkte.

Das präzise Zusammenspiel, für das die musikalische Leiterin Sonja Lachenmayr wesentlich verantwortlich war, ergab hohe musikalische Qualität. Die Akteure auf der Bühne, mit Corona-Mindestabstand nebeneinander platziert, waren wahre Multi-Talente. Zu hören waren Silke Wenzel (Sopran) in der Rolle der Statue Galathée, Markus Schmid (Tenor) als Bildhauer Pygmalion und Schöpfer der Galathée, Sophia Kidwell (Mezzosopran) als Diener Ganymed. Den Kunstsammler Mydas gab Florian Dengler (Bariton) und als Jungfrau agierte Johanna Sandhäger (Sopran).

Aufgrund der Reduktion von Bühnenaktion entschieden sich die Protagonisten für eine Zuspitzung des Ausdrucks. Die Melange aus Live-Performance und Imagination, die Kombination aus Höreindruck und Bühnenbild faszinierte. Gleichzeitig entstand eine musikalische Collage, weil in die schwungvollen Suppé-Phrasen zu bestimmten Stichwörtern geschickt Anleihen aus anderen Werken eingewoben waren: Ging es um Liebe, war Franz Liszts "Liebestraum" zu hören, war von "Königin" (für Galathée) die Rede, dann hörte man den Marsch der Königin von Saba aus Georg Friedrich Händels Feder. So hatten die Personen auch individuellen Charakter.

Der Operette ging ein halbstündiges Vorprogramm voraus, in dem der Sender "Radio Galathée 186,5 fm" ein Wunschkonzert für seine Hörer präsentierte. Florian Dengler bewies dabei seine Fähigkeiten als Radiomoderator, und die ganze Mannschaft setzte gemeinsam, stilistisch einfühlsam und live, die Wünsche der Hörer um. Warum sich die Idee eines "Live-Hörspiels" der Operette auch in der Weise niederschlagen musste, dass die Vorstellung an mehreren Stellen durch Verkehrsdurchsagen unterbrochen wurde, blieb rätselhaft. Dem Spannungsbogen der Musik war dies jedenfalls nicht zuträglich.

Zum Schluss gab es großen Beifall für alle Beteiligten für das sehr gelungene Resultat einer immensen Vorbereitungsarbeit.

Weitere Aufführungen der "Schönen Galathée" finden am Freitag/Samstag, 16./17. Oktober, jeweils um 19.30 Uhr im Puc statt.

© SZ vom 12.10.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite