Puchheim:Schule fürs Auge

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Mit einer eindrucksvollen Street-Art-Ausstellung nähert sich das kulturelle Zwischennutzungsprojekt "Buntheim" dem Ende. Bei einer Auktion am Sonntag werden einige Arbeiten versteigert

Von Florian J. Haamann, Puchheim

"Macht die Augen zu." Vor Graffiti-Urgestein Loomit stehen zwei Schülerinnen, die zu ihm ins Buntheim gekommen sind, um etwas über seine Kunst zu erfahren. "Alles, was ihr dann seht, könnt ihr zeichnen und malen." Zuerst aber müssten die jungen Leute wieder lernen zu sehen. Die eigene Vorstellungskraft anstrengen, sagt der Künstler. Bei jungen Menschen sei sie durch den Dauerkonsum am Smartphone oft verkümmert. Seit Jahrzehnten ist Loomit nicht nur Künstler, sondern gibt auch Workshops für junge Menschen. So auch hier, in "Buntheim", dem kulturellen Zwischennutzungsprojekt auf dem Alois-Harbeck-Platz. Nach gut zwei Jahren geht das Projekt langsam zu Ende, die Gebäude sollen bald abgerissen, das Gelände neu bebaut werden. Zum Abschluss ist eine Ausstellung mit größtenteils vor Ort entstandenen Werken zu sehen. Sie endet am Sonntag mit einer Auktion.

Entstanden ist das Projekt auf Anregung des Planie-Quartiersmanagers Mehmet Ismail Birinci. Die Idee für ein Kreativquartier mitten in Puchheim hat Loomit gleich gefallen. "Ich kenne den Platz seit 20 Jahren. Meine Schwiegereltern leben direkt nebenan, meine Frau ist hier aufgewachsen", sagt er. Ergänzt wird das Duo durch den Puchheimer Graffiti-Künstler Lando und den Pasinger Matt Wiegele. Wann immer es möglich war, gab es in den Räumen Kurse, vom "Urban Sketching" bis hin zum "Taggen".

Konnte pandemiebedingt nicht in den Innerenräumen gearbeitet werden, wurde einfach draußen weitergemacht. Und so gibt es in den leer stehenden Gebäuden kaum einen Raum, in dem keine Kunst zu finden ist, und auch die Fassaden sind bunt bemalt und besprayt.

Aktuell ist Loomit dabei, die letzen freien Flecken zu gestalten. Mit den Farben, die noch übrig sind, nichts soll weggeworfen, nichts verschwendet werden. Ob es denn nicht komisch sei, wenn man so lange an etwas malt, das dann einfach verschwindet? "Es kommt immer etwas Neues", sagt Loomit.

Und es gibt Dinge, die bleiben. Zwei junge Puchheimer Künstler etwa, die in Buntheim mit Graffitis angefangen haben: Justus Körtgen und Discop. "Es ist ein großes Potenzial geweckt worden und ich hoffe, dass noch einiges von ihnen kommt. Aber da bin ich mir eigentlich sicher", sagt Loomit, der unter anderem bekannt geworden ist als Teil der Graffiti-Crew, die in der Nacht auf den 24. März 1985 im Geltendorfer S-Bahn-Depot den ersten "Wholetrain" gesprüht hat.

Eine von Körtgens Arbeiten zeigt eine Gruppe junger Menschen in einer Art Lager im Wald, die braune Kleidung zerrissen, es ist eine dystopisch anmutende Szenerie. Endzeitlich muten auch die Arbeiten von Discop an. Seine Arbeit, die in der Auktion ersteigert werden kann, zeigt einen mit einem Maschinengewehr ausgerüsteten VW Bus, handwerklich eindrucksvoll gestaltet, auf einer Collage aus Zeitungsartikeln. Heraus stechen Wörter wie "Klimaschutz", Überleben", "die Uhr tickt". "Desperate Measures" hat er das Bild genannt, "Verzweifelte Maßnahmen".

In der Ausstellung können die Besucher das ganze Spektrum der Street-Art entdecken, von etablierten Künstlern ebenso wie von Nachwuchstalenten. Klassische Graffiti wie grafische Arbeiten, Realismus und Fantasy, Politisches und Unterhaltsames. Die meisten Arbeiten sind direkt in Buntheim entstanden. Eine wahre Schule für das Auge - und eine Entgiftungskur für die Vorstellungskraft.

Ausstellung "Shutdown Showdown", Buntheim, Alois-Harbeck-Platz 1, Puchheim, geöffnet Samstag, 15. Januar, von 13 bis 17 Uhr und Sonntag, 16. Januar, von 16 bis 16 Uhr. Am Sonntag beginnt um 16.30 Uhr die Auktion der Kunstwerke. Vorab zu finden sind die Arbeiten unter www.buntheim.de

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