Puchheim Scharfe Kritik an der Staatsregierung

Ohne einen Ausbau der S 4 geht es nicht, betonten die Redner, hier der Grafrather Bürgermeister Markus Kennerknecht, in Puchheim.

(Foto: Günther Reger)

Bei der Kundgebung der Bürgerinitiative "S 4-Ausbau jetzt" kritisieren die Redner die Untätigkeit des Ministeriums

Von Peter Bierl, Puchheim

Zum Abschluss spielte Sepp Raith einen Trauermarsch für die S 4, weil nichts vorangeht. Für den sofortigen Ausbau der Strecke haben mehr als 80 Bürger am Freitag am Puchheim Bahnhof demonstriert. Sprecher von CSU, Grünen und SPD warfen der bayerischen Regierung Untätigkeit vor. "Man plant, man schaut, man wartet", rügte Sebastian Kriesel (CSU), Bezirksausschuss-Vorsitzender von Aubing. Zu der Kundgebung hatte die Initiative "S 4-Ausbau jetzt" aufgerufen.

Um 16 Uhr versammelten sich die Teilnehmer auf der Nordseite der Gleise und wurden vom Puchheimer Bürgermeister begrüßt. Norbert Seidl (SPD) mahnte, die Energiewende sei nur mit der Bahn zu schaffen. Allein in Puchheim wohnten bis zu zehntausend Menschen, die täglich die Bahn benutzen. Sie alle zahlen für die Fahrkarten und hätten Anspruch auf einen Sitzplatz und Zuverlässigkeit und darum müsse die Linie endlich ausgebaut werden. "Entscheidet endlich und macht was", forderte Seidl die Regierung auf.

"Leider sind viel zu wenig Menschen hier. Es müssten viel mehr sein, die sagen: Es reicht", sagte die dritte Bürgermeisterin von Bruck, Karin Geißler (Grüne). Sie forderte, dass der Ausbau der S 4 unabhängig von dem Großprojekt einer zweiten S-Bahn-Röhre in München verfolgt werden muss. Geißler erinnerte daran, dass auch der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs Buchenau nicht vorankommt. "Vor 15 Jahren hat der Stadtrat die ersten Pläne gesehen, passiert ist nichts."

Mehrere Redner verwiesen auf den Zuzug, der für die Region prognostiziert wird. Der Grafrather Bürgermeister Markus Kennerknecht (parteifrei) verwies darauf, dass die Strecke für den Westen wichtig ist. So werde der Grafrather Bahnhof von Pendlern aus den Landkreisen Landsberg und Starnberg benutzt. Kriesel verwies auf Freiham, mit 20 000 Menschen das größte Neubauviertel in Europa. Diese Menschen werden auch die S 4 benutzen wollen. "Wir fragen uns, wie das funktionieren soll", sagte Kriesel. Die S-Bahnen seien jetzt schon voll.

Sowohl der CSU-Kommunalpolitiker aus Aubing als auch Walter Heldmann von der Bürgerinitiative Bahnausbau aus Haidhausen sind skeptisch, was den zweiten Tunnel betrifft. "Der hängt wie ein Damoklesschwert über allen anderen Projekten", warnte Kriesel. Heldmann erinnerte daran, dass die Staatsregierung 2001 erklärt hat, dass die Röhre 0,6 Milliarden Euro kosten und 2011 in Betrieb gehen würde. Heute liege die Kostenschätzung bei 3,1 Milliarden und die Fertigstellung werde nicht vor 2015 anvisiert. "Solange dieses Projekt nicht beerdigt ist, wird nichts passieren im Münchner S-Bahn-System", prognostizierte Heldmann.

Dagegen plädierte der SPD-Landtagsabgeordnete Herbert Kränzlein sowohl für die zweite Röhre, als auch für einen Nord- und Südring. Andernfalls drohe ein Verkehrskollaps. Kränzlein sprach von einem Trauerspiel. 1993 habe Verkehrsminister Otto Wiesheu (CSU) den viergleisigen Ausbau bis 2009 versprochen. "Seitdem ist es bei Ankündigungen geblieben." Vor mehr als 15 Jahren habe man den Bürgermeistern eine teure Studie zum viergleisigen Ausbau gezeigt, die in der Schublade verschwand. Nun behaupte Innenminister Joachim Herrmann (CSU), drei Gleise würden für alle Zukunft reichen. "Damit wird er seiner Verantwortung nicht gerecht", kritisierte Kränzlein. Der SPD-Politiker rügte, dass man bei der Ertüchtigung der Gleise zwischen Bruck und Puchheim im Sommer nicht den eingleisigen Bereich vor Pasing auf zwei Gleise ausgebaut habe. Dafür lagen keine Pläne vor. "Eine Hand weiß nicht, was die andere tut", kritisierte er.