Puchheim Luxuriöse Turnhallen

Ein Fall für die Abrissbirne: die Dreifachhalle am Schulzentrum in Puchheim. Sie soll einem Neubau weichen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Am Schulzentrum sollen eine neue Dreifach- und eine Zweifachsporthalle entstehen. Die Kosten dafür steigen von zwölf auf fast zwanzig Millionen Euro. Das sorgt jetzt für Ärger

Von Heike A. Batzer, Puchheim

Brauchen Schüler Radlständer, deren einzelner umgerechnet tausend Euro kostet? Und muss ein Pausenhof gleich für anderthalb Millionen Euro erweitert werden? Fragen wie diese hat eine Diskussion im Kreiskulturausschuss hervor- und die Kreisräte ins Grübeln gebracht. Denn die Kosten beim geplanten Neubau der beiden Sporthallen am Schulzentrum Puchheim erhöhen sich exorbitant: von zwölf auf fast zwanzig Millionen Euro. Grund sind die allgemeine Steigerung der Baupreise, aber auch zahlreiche Zusatzmaßnahmen in der Detailplanung.

Damit steht das Vorhaben in Puchheim nicht allein. Auch die neue Dreifachhalle, die der Landkreis an der Realschule Maisach errichtet, wurde gegenüber der Kostenprognose aus dem Jahr 2015 um mehr als ein Viertel teurer. Die Kosten für Maisach liegen jetzt bei elf Millionen Euro. Gleiches gilt für den geplanten Anbau am Brucker Landratsamt, der zunächst drei, dann sechs und schließlich neun Millionen Euro kosten sollte. Das Prozedere ist in allen Fällen ähnlich: Erst erfolgt in den Kreisgremien der Grundsatzbeschluss darüber, dass man eine Baumaßnahme durchführen möchte. Die Kosten werden zunächst grob geschätzt. Wenn es dann an die Feinjustierung geht, kommen ganze Kostenblöcke hinzu, die mit allerlei wünschenswerten Ausstattungsdetails sowie der allgemeinen Preissteigerung zu tun haben.

Die Kreisräte, die die von der Kreisverwaltung vorgelegten Zahlen für die Puchheimer Schulturnhallen genehmigen sollten, staunten jetzt nicht schlecht. "Solche Kostenmehrungen bereiten mir Bauchweh", gestand Margret Kopp (CSU). Sie sei sehr für die Unterstützung der Schulen, "aber wir müssen auch auf unsere Schulden achten". Sie verlangte mehr Informationen darüber, wie die Kostensteigerungen zustande gekommen seien, und hätte sich gewünscht, dass die Fraktionen zuvor informiert worden wären.

Dabei hatte der Landkreis in seinem Haushalt für 2018 bereits die Rekordsumme von 34 Millionen Euro für Sanierungs- und Baumaßnahmen an seinen Liegenschaften eingestellt. Auch ist ein Neubau der Puchheimer Sportstätten unstrittig, die bestehende Dreifach- und die Einfachturnhalle stammen aus den Siebzigerjahren und sind veraltet und baufällig. Der Brandschutz bereitet Probleme, bei Regen staut sich Wasser auf dem Flachdach. Vor zwei Jahren, als der Grundsatzbeschluss fiel, wurden die Gesamtkosten für den Bau einer neuen Drei- und einer Zweifachhalle auf zwölf Millionen Euro geschätzt. Nun ist man bei 19,8 Millionen angelangt - das sind zwei Drittel mehr.

Wegen der allgemeinen Baupreissteigerung müssen laut Landratsamt jährlich vier Prozent mehr eingeplant werden, das macht im vorliegenden Fall 2,3 Millionen Euro aus. Der Abriss wird wegen notwendiger Schadstoffentsorgung um fast eine Million Euro teurer als bisher geschätzt. Der nunmehr bezifferte Mehrbedarf an Räumen benötigt weitere 820 000 Euro: Technikflächen für die Lüftungsanlage, Lagerflächen für Bühnenequipment, ein Bewegungsraum für die Ganztagsschüler der Realschule, ein Raum für den Bouldersport. Weil die Realschule auch einen Versammlungsraum erhalten soll, werden weitere 838 000 Euro fällig. Zudem soll eine veränderte Situierung der neuen Hallen eine Vergrößerung des Schulhofs mit mehr Aufenthalts- und Bewegungsmöglichkeiten für die Schüler generieren. Mehrkosten: 1,6 Millionen Euro. Die Kreisverwaltung schlägt außerdem eine Photovoltaikanlage auf dem Hallendach vor (243 000 Euro), 500 Fahrradabstellplätze (525 000 Euro), Bolzplatz (148 000 Euro), Müllhaus (49 000 Euro), elektrische Schließanlage (35 000 Euro) sowie Ausstattungen im Wert von 148 000 Euro. Weil der neue Entwurf eine Umsetzung in zwei Bauabschnitten nicht zulässt, müsste als Interimslösung eine Traglufthalle aufgestellt werden, deren Kosten sich laut Verwaltung jedoch amortisieren, weil die neuen Hallen so anderthalb Jahre früher fertig würden.

Georg Baptist und Herbert Glauz, Schulleiter von Gymnasium und Realschule, begründeten in der Ausschusssitzung die Notwendigkeit verschiedener Details. Baptist verwies auf das derzeit vorhandene Chaos mit abgestellten Fahrrädern. Glauz nannte den Bolzplatz "wichtig für Pausen und Freiräume". Auch eine eigene Versammlungsstätte sei notwendig, weil die Aula der Realschule nur für 200 Kinder ausgelegt sei, aber bei Abschlussfeiern 450 Besucher kämen. Und eine Verabschiedung von Realschülern in der Gymnasialaula sei trotz der guten Zusammenarbeit der beiden Schulen "nicht ganz schön", sagte Glauz noch.

Dennoch stießen sich Kreisräte wie Johann Thurner (FW) etwa an der Versammlungsstätte. Auch bei Kosten von tausend Euro pro Fahrradstellplatz "muss es eine kostengünstigere Lösung geben", forderte Thurner. Andreas Lohde (CSU) riet dazu, "neue Wege aufzutun", etwa zu eruieren, "wer so was für welchen Preis anbietet". Es sei schließlich nicht die erste Zwei- oder Dreifachhalle, die gebaut würde: "Wir dürfen uns nicht zu schade sein, eine Turnhalle zu bauen, die in Aschaffenburg schon steht." Damit der Zeitplan, wie Axel Schuhn, Leiter der Abteilung Hochbau im Landratsamt, warnte, nicht in Gefahr gerät, soll die Verwaltung nun auf Wunsch der Kreisräte schon bis zur nächsten Kreistagssitzung am 26. Juli nach Einsparpotenzialen suchen. Man sei schon bereit, noch zu sparen, kündigte Schuhn an, "aber irgendwann geht das an die Qualität". Landrat Thomas Karmasin (CSU) indes will "ein Zeichen setzen, dass man gute Qualität und Architektur auch für ein bisschen günstigere Kosten kriegt".