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Puchheim:Leere Hallen, großer Unmut

Viel Luft über dem Netz: Ein Ansteckungsrisiko können Vereinsvorsitzende in Hallen wie der des TC Eichenau nicht erkennen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Im Teil-Lockdown darf nicht Tennis gespielt werden. Bei den Vereinen und Sportlern stößt das auf Unverständnis

Von Karl-Wilhelm Götte, Puchheim

Volker Heydkamp ist von einer Sache fest überzeugt: "Eine Infektion ist in unserer Tennishalle nahezu ausgeschlossen." Der Vorsitzende des Tennisclubs Puchheim (TCP) musste die Tennishalle des Vereins am 13. November umgehend schließen, nachdem das bayerische Gesundheitsministerium die Schließung des kompletten Hallensports im Teil-Lockdown zusätzlich verfügt hat. Individualsport, auch Tennisspielen, war bis dahin noch möglich gewesen. Hintergrund war ein Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes vom Vortag, das einer Klage von Fitnessstudios gegen ihre Schließung seit 2. November stattgeben hatte. "Tennishallen mussten sofort schließen, damit auch Fitnessstudios geschlossen bleiben", kritisierte der Bayerische Tennisverband (BTV) heftig.

Profis dürfen weiter in den Hallen trainieren, aber Hobbysportler, die 99 Prozent der Vereinsmitglieder stellen, müssen draußen bleiben. Sofort traten die Sportverbände auf den Plan. "Wir haben für diese überhastete Maßnahme kein Verständnis. Die Volksseele unserer Sportlerinnen und Sportler, Sportvereine und Sportfachverbände brodelt", erklärte BLSV-Präsident Jörg Ammon. Der bayerische Tennisverband empörte sich ebenfalls im Namen seiner 2000 Vereine und 300 000 Mitgliedern gegen die Schließung der Tennishallen. "Der Gleichbehandlungsgrundsatz als Begründung, mit der pauschalen Schließung aller Sporthallen des Individualsports die gerichtliche Öffnung der Fitnessstudios zu verhindern, ist für uns nicht akzeptabel", schrieb BTV-Präsident Helmut Schmidbauer in einer Pressemitteilung. Der Verband sieht sich als Opfer "eines ungewünschten Gerichtsurteils". Die Entscheidung, sämtliche Indoor-Sportstätten zu schließen, trifft auch die Tennisvereine im Landkreis besonders hart und bringt sie zusätzlich in finanzielle Schieflage.

Der TC Puchheim verfügt über drei Plätze in seiner Halle mit einer Grundfläche von etwa 1800 Quadratmetern, die zudem noch neun Meter hoch ist. "Die Halle hat damit ein riesiges Luftvolumen", erklärt TCP-Chef Heydkamp. Maximal zwölf Personen befinden sich, wenn auf allen Plätzen gleichzeitig ein Doppel gespielt wird, in der Halle. In der Regel würden aber nur Einzel gespielt, weil sich nur Personen aus zwei Haushalten zurzeit treffen dürfen. "Die Schließung ist sehr traurig", ergänzt Heydkamp, "zumal wir auch ein total ausgefeiltes Hygienekonzept haben." Wichtige Einnahmen im Winter brechen dem Puchheimer Tennisclub mit seinen 450 Mitgliedern weg. "Die Hallenplätze waren vollkommen ausgelastet", berichtet der TCP-Vorsitzende. Das lag wohl auch daran, dass der Verein im Corona-Jahr 2020 einen erstaunlichen Mitgliederzuwachs von zehn Prozent zu verzeichnen hatte. Die Hallenplatz-Abonnenten erhielten ihr vorgestrecktes Geld zurück, sagt Heydkamp.

Auch Jacqueline Engelmann, Vorsitzende des TC Eichenau, hat fest mit den Einnahmen aus der Hallenvermietung kalkuliert. "Da bricht uns eine wichtige finanzielle Säule weg", klagt Engelmann, "weil die Halle im Winter immer voll ist." Sie ist täglich von acht Uhr morgens bis 22 Uhr geöffnet. Mit 22 bis 24 Euro, je nach Tageszeit und Wochentag, spielt man in Eichenau etwas günstiger als in Puchheim, wo die Platzstunde 17 bis 30 Euro kostet. Auch Engelmann bekräftigt, "dass Tennis das Harmloseste ist, was man unter Corona machen kann." Die Eichenauer Halle hat mit drei Plätzen die gleichen Dimensionen wie die der Puchheimer Tenniskollegen. "Da ist immer Durchzug", sagt Engelmann, "da ist in jedem Supermarkt mehr Stress." Die Rechtsanwältin bezeichnet die Verfügung des Gesundheitsministeriums als "unverhältnismäßig" und hofft auf eine rechtliche Intervention ihres Verbandes.

BTV-Präsident Schmidbauer spricht von "Belastungs- und Motivationsgrenzen" der Ehrenamtlichen in den Tennisvereinen angesichts der wiederholten Lockdown-Maßnahmen. Das sei undifferenziert. Ein Einzel-Tennisspiel in einer belüfteten Halle stelle kein Risiko dar und sei mit einem Fitnessstudio nicht vergleichbar. Schmidbauer spricht wie der BLSV davon, dass sich "der Wind an der Basis in nachvollziehbarer Weise in Richtung Zorn und Unverständnis dreht." Wie BTV-Pressesprecher Achim Fessler mitteilt, hat der Verband der Staatsregierung geschrieben und um eine einvernehmliche Lösung nachgesucht, um den Klageweg zu vermeiden. "Eine Antwort ist mir noch nicht bekannt", sagt Fessler. Der BTV selbst verfügt an seinem Bundesleistungszentrum in Oberhaching über sieben Hallenplätze, auf denen die Profis und der Nachwuchskader trainieren dürfen, jedoch nicht die Hobbyspieler an den Abenden und Wochenenden. Fessler sicher: "Da geht uns ein Batzen Geld verloren." Weder in Puchheim noch in Eichenau glaubt man, dass der Lockdown schon Anfang Dezember zu Ende geht. Heydkamp und Engelmann rechnen damit, dass er bis Weihnachten weitergehen wird.

© SZ vom 25.11.2020
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