Puchheim Kritik an Geothermie

In einem offenen Brief wird Unmut über Info-Veranstaltung laut

Von Peter Bierl, Puchheim

Wenn Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) gehofft hat, mit einem Informationsabend zur Geothermie die Gemüter zu beruhigen, hat er sich getäuscht. In einem offenen Brief übt Michael Pausch, Planungsingenieur aus Puchheim, eine umfassende Kritik. Die entscheidenden Punkte seien nicht angesprochen und zentrale geologisch-physikalische Sachverhalte "schlicht falsch dargestellt" worden", schreibt Pausch. Es habe sich nicht um eine Informations-, sondern um eine "Werbeveranstaltung" gehandelt. Von Seidl war noch keine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu erhalten, er ist im Urlaub.

Pausch hat seine Einwände und Fragen auf neun Seiten formuliert. Im Kern lautet seine Kritik, das Risiko, die Gefahr von Beben und die Frage der Haftung seien auf der Veranstaltung am vergangenen Donnerstag irreführend dargestellt worden. Pausch verweist auf die Aussage des PR-Managers Norbert Baumgärtner, es werde genauso viel Wasser in den Boden zurückgepumpt, wie vorher zu Tage gefördert worden ist. Das sei richtig, aber die Schlussfolgerung, die Gefahr von Erdbeben wäre deshalb ausgeschlossen, sei "physikalisch vollkommen unsinnig und abwegig". Am Entnahmepunkt entstünde Unterdruck, wo das Wasser wieder in den Untergrund gepresst wird, herrscht Überdruck, beides könne zu Spannungen und Mikrobeben führen, argumentiert Pausch. Dass solche Sachverhalte ignoriert und schöngeredet wurden, sei auf einer städtischen Informationsveranstaltung "nicht akzeptabel".

Pausch weist außerdem darauf hin, dass der Begriff Risiko bei technischen Projekten als Produkt aus Eintrittswahrscheinlichkeit mal Schadenshöhe verstanden wird. Die Bildung von Rissen durch Mikrobeben liege "im Bereich des Möglichen", wie das Beispiel Poing zeige. Weil in Puchheim als früherem Moorgebiet der Grundwasserstand höher sei als an allen anderen bayerischen Geothermie-Standorten, und die Gebäudewannen im Ort nicht für Erdbeben ausgelegt seien, bestehe dort "objektiv nachweisbar ein höheres Risiko" als anderswo.

In seinem Brief, der sich auf das Angebot des Bürgermeisters bezieht, weitere Fragen zu beantworten, bittet Pausch um Auskunft, wie viele Häuser in Puchheim und den umliegenden Gemeinden im Einwirkungsbereich der Geothermie liegen. Die Schadenssumme der Haftpflichtversicherung in Höhe von zehn Millionen Euro kritisierte Pausch als "lächerlich gering". Sie würde maximal für 40 betroffene Objekte reichen, wenn bei einem Wassereinbruch ein Gesamtschaden von jeweils 250 000 Euro entstünde. Obendrein verweist Pausch darauf, dass die Betreiberfirma in Poing, wo es im Sommer zu Mikrobeben gekommen war, einen Zusammenhang zwischen ihrer Anlage und den Schäden abstreitet. Ohne eine solche Anerkennung und eine Rechtsgrundlage könne die Stadt gar keine öffentlichen Gelder an geschädigte Hausbesitzer verteilen, wie der Bürgermeister mehrfach versprochen hat. "Das funktioniert juristisch nicht", rügt Pausch. Insofern seien die Aussagen geeignet, "den Kern des Problems zu verschleiern bzw. die Teilnehmer in die Irre zu führen". Schließlich möchte Pausch wissen, wie viele Solaranlagen und Grundwasserwärmepumpen die Stadt fördern könnte, würde sie auf das Geothermie-Projekt verzichten. Die Kommune will sich mit 2,5 Millionen Euro an dem Geschäft beteiligen.

Die Bürgerinitiative in Puchheim, die das Projekt Geothermie stoppen will, bereitet eine eigene Informationsveranstaltung für Montag, 26. Februar, vor. Ihre Vertreter haben außerdem ein Bürgerbegehren angekündigt.