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Puchheim:Höher, größer, dichter

Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt genehmigt die Pläne für einen Umbau am Harbeck-Platz im Zentrum von Puchheim. Der Bund Naturschutz rügt, dass 60 Bäume gefällt werden sollen

Von Peter Bierl, Puchheim

Am Alois-Harbeck-Platz im Zentrum Puchheims sollen sechs neue Gebäude entstehen mit einem Hotel, einem Lebensmittelmarkt, Läden, Gastronomie und Wohnungen. Die Pläne hat der Ausschuss für Stadtentwicklung nun einstimmig genehmigt. Zuvor hatten die Eigentümerin Laura Stieber von der Dr. Harbeck & Stieber GmbH & Co. KG und ihre Planer das Projekt vorgestellt. Sprecher aller Fraktionen sowie Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) bekundeten ihren Beifall. Der Bund Naturschutz hingegen kritisiert, dass etwa 60 Bäume gefällt werden sollen.

Vorgesehen ist, die alten Gebäude abzureißen bis auf das sechsstöckige große Haus mit 44 Wohnungen auf der rückwärtigen Seite, das energetisch saniert werden soll. Vorne an der Allinger Straße entstünde ein Supermarkt auf 1200 Quadratmeter. Darüber würden vier Stockwerke mit je vier Wohnungen gebaut, teils mit Dachterrassen. In zwei Neubauten mit drei und fünf Stockwerken wird ein Aparthotel eingerichtet, in dem Menschen für einige Zeit wohnen und arbeiten können. Die Zimmer sollen mehr als 28 Quadratmeter groß werden und Platz für Home-Office sowie eine Kochnische bieten. An der Ecke zu Bahnlinie und Straße ist ein siebenstöckiges Gebäude vorgesehen. Im Erdgeschoss sollen Läden untergebracht werden, ausnahmsweise auch Dienstleister und "störende gewerbliche Nutzungen" falls Leerstand drohe, heißt es in den Unterlagen der Verwaltung.

Das Gebäude mit der bemalten Hauswand am Alois-Harbeck-Platz in Puchheim wird bald einem Neubau weichen, ebenso wie etliche der Bäume, die im Weg stehen. An dieser Stelle sollen ein Supermarkt mit einem vierstöckigen Wohnhaus errichtet werden.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Im ersten Stock stehen dem Aparthotel noch Räume zur Verfügung. In den oberen fünf Stockwerken entstünden je drei Wohnungen jeweils mit Loggia, davon zehn mit bis zu 150 Quadratmeter. Stieber erklärte, solche großen Wohnungen seien gefragt, aber kaum zu finden. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Jean Marie Leone möchte lieber mehr kleinere Wohnungen, die großen könne doch keiner bezahlen. Insgesamt bleiben nach Angaben des Bürgermeisters nur drei bis fünf neue Wohnungen, deren Mieten aufgrund einer Vereinbarung mit der Stadt etwas günstiger bleiben sollen. "Ich habe mehr erwartet", sagte Seidl der SZ, der keine Gentrifizierung im Zentrum möchte.

Einstimmig votierte der Ausschluss für Stiebers Vorschlag, die Kinderkrippe vom Harbeck-Platz auf ein Gelände an der Josefstraße zu verlegen. Das ist wegen der Nähe zum Gewerbegebiet problematisch, allerdings soll das Areal irgendwann anders genutzt werden. Dafür könnten am Standort die Grünflächen erweitern werden und es sollen eine neuer Geh- und Radweg an der Josefstraße sowie ein separater Zugang zur Krippe gebaut werden.

Den Unterlagen ist zu entnehmen, dass die Geschossfläche am Harbeck-Platz nach den Neu- und Umbauten 18 400 Quadratmeter umfasst, 600 mehr als eine Vereinbarung mit der Stadt vorsieht. Der Zuwachs ergebe sich, weil die Fläche des Altbaus, der bleibt, etwa 344 Quadratmeter größer ist als angenommen. Zudem werde das Aparthotel größer, zulasten von Wohnraum. Außerdem ist zu lesen, dass "gesetzliche Abstandsflächen zum Teil nicht eingehalten" und "verkürzt" würden. Nach Angaben des Bürgermeisters handelt es sich um Abstände zwischen Gebäuden des Komplexes, nicht zu Nachbarn.

Die Ästhetik der frühen Siebzigerjahre ist unverkennbar, der Entwurf für das Ensemble stammt von dem Architekten Ernst Maria Lang.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der zusätzliche Verkehr wird auf 1300 Autos pro Tag geschätzt, die angeblich kein Problem darstellen. Seidl erklärte der SZ jedoch, die Stadt werde noch ein Verkehrsgutachten anfordern. Vorgesehen sind insgesamt 271 Parkplätze, die größtenteils in einer zweigeschossigen Tiefgarage untergebracht werden, außerdem oberirdisch 50 Stellplätze für den Supermarkt, sowie 220 Fahrradabstellplätze.

Von den Bäumen, die auf dem Gelände stehen, etwa zur Bahnlinie hin, sollen etwa 60 gefällt werden, weil sie Gebäuden oder Parkplätzen im Weg stehen. Teilweise soll es sich um alte Pappeln handeln, die sonst irgendwann auf die Gleise stürzen, wie ein Planer erklärte. Beim Bund Naturschutz (BN) sieht man das anders. Reinhard Gatz weist darauf hin, dass Ahornbäume darunter seien mit bis zu 50 Jahren. Neupflanzungen seien kein Ersatz. "Das dauert Jahrzehnte", sagte er. Gatz ist von den Stadträten enttäuscht. Für die Grünen sei es eine Abwägung, sagte Zweiter Bürgermeister Manfred Sengl der SZ. Die Verdichtung im Zentrum sei der Ökopartei jedoch lieber als eine Bebauung grüner Wiesen. "Auf die Bäume muss man verzichten." Weil das Areal schon intensiv bebaut ist, brauche man auch keine Umweltverträglichkeitsprüfung, sagte der Grünen-Politiker.

Trotz eines beschleunigten Verfahrens wird Stieber nicht wie geplant schon im Sommer die Abrissbirne auffahren lassen können. Es werde deutlich länger dauern, bis eine Baugenehmigung vorliegt, erklärte Bauamtsleiterin Beatrix Schmeiser der SZ. Der BN werde wohl Einwände vorbringen, sagte Gatz. Ein weiteres Manko neben dem Kahlschlag sei, dass die Energieversorgung offen ist. In den Unterlagen heißt es, ein Blockheizkraftwerk werde "angestrebt". Gatz kritisierte auch, dass die Pläne keinen viergleisigen Ausbau der S 4 berücksichtigen.

© SZ vom 08.07.2020

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