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Puchheim:Frauen wollen an den Altar

"Es wird höchste Zeit, dass sich etwas bewegt": Elfriede Schießleder im Gespräch mit Bernhard Utters.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Theologin Elfriede Schießleder ruft die katholische Kirche zu Reformen auf

Frauen wollen in den Pfarrgemeinden nicht nur folgsame, zurückhaltende und fleißige Erfüllungsgehilfen von Geistlichen sein. Sie wollen ernst genommen werden und verlangen die Zulassung zu kirchlichen Weiheämtern, die bislang nur Männern vorbehalten sind. Als erster bedeutsamer Schritt wird die Zulassung von Diakoninnen angestrebt. Dass dies aus theologischer und kirchenrechtlicher Sicht nicht möglich sein soll, hält Elfriede Schießleder, promovierte Theologin und stellvertretende Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, für "vorgeschoben, um nichts ändern zu müssen". Im Rahmen eines Diskussionsabends zum Thema "Frauen in kirchlichen Ämtern", zu dem der Dekanatsrat der Katholiken im Landkreis in Zusammenarbeit mit dem katholischen Kreisbildungswerk "Brucker Forum" ins Pfarrheim Sankt Josef in Puchheim eingeladen hatte, forderte die einstige Landesvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes von den kirchlichen Führungskräften, Kardinälen und Bischöfen, den Klerikalismus zu überdenken und auch Frauen auf Augenhöhe zu begegnen, sie als gleichberechtigte Gläubige anzunehmen und einen dauerhaften Dialog zum Wohle der Kirche anzustreben. "Wenn sich Frauen für ein kirchliches Weiheamt berufen zu fühlen, dann ist das auch nicht anders als bei Männern", sagte die Referentin.

Ein älterer Geistlicher habe ihm gesagt, "wenn der Kirche weiterhin das Kirchenrecht wichtiger ist als die Seelsorge, wird sie untergehen", sagte dazu Bernhard Utters, der den Abend moderierte. Das Mitglied im Vorstand des Diözesanrates hatte Halbsätze wie zum Beispiel: "Wir wünschen Frauen in Weiheämtern, weil...", oder: "Frauen als Diakonin kann ich mir vorstellen, weil ...", vorbereitet, die von den knapp 40 Besuchern diskutiert und ergänzt wurden. Das Ergebnis war eindeutig: "Die Generation, die die Würzburger Synode in den Siebzigerjahren erlebte, ist mit ihrer Geduld am Ende. Schon damals hätten die Delegierten das Diakonat der Frau gefordert, aber in Rom ist nichts passiert. Der synodale Weg der Kirche ist für Reformen nicht ausreichend, Frauen sollten gleiche Rechte wie Männer haben, lauteten die wichtigsten Aussagen.

Für Elfriede Schießleder ist der synodale Weg ohnehin "nur ein Beteiligungsprozess", der wie einige andere vorher, nur marginale Änderungen bewirken wird. "Würden die Verantwortlichen mit der Zeit gehen und auf die Signale aus der Bevölkerung regieren, könnten wir schon viel weiter sein", befand die Referentin und verwies auf andere Länder, in denen es verheiratete Priester gebe. Das optionale Zölibat und die Weihe von Frauen zu Priestern seien dort längst Tatsachen. Dass in den Pfarrgemeinden, sei es im Pfarrgemeinderat, als Kommunionbegleiterin oder Lektorin überwiegend Frauen ehrenamtlich tätig sind, werde von Geistlichen gerne als Argument dafür benutzt, dass sich die Kirche bereits geöffnet habe, "aber leider nur für so genannte Laien-Tätigkeiten". "Frauen wollen aber auch seelsorgerische Verantwortung tragen, Messen lesen und predigen dürfen, wie es in der evangelischen Kirche üblich ist", sagt die Referentin.

Eine Zulassung von Frauen zu Weiheämtern wäre zudem ein glaubwürdiger Schritt in Richtung Ökumene. "Es wird höchste Zeit, dass sich etwas bewegt", so Schießleder. Nicht umsonst hätten sich 165 000 Frauen der Protestinitiative Maria 2.0 angeschlossen, um gegen die Machtstrukturen in der katholischen Kirche anzugehen und den Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern einzufordern. Zum Abschluss verlas Schießleder einen selbst verfassten satirischen Brief, in dem sie die Männer in die Situation versetzt, in der sich viele Frauen heute sehen. "Liebe Päpstin Franziska" schreibt sie als "untertänigste Bischöfin Ruth Vorderholzer" und teilt der höchsten kirchlichen Instanz mit, wie mies sich die Männer unter dem Matriarchat fühlen.

© SZ vom 17.02.2020

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