Puchheim Demonstration für eine bessere S-Bahn

Der Puchheimer Bahnhof wird an diesem Freitag Schauplatz einer Demo für den unverzüglichen Ausbau auf der S4-Linie.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Bürgerinitiative "S 4-Ausbau jetzt" ruft an diesem Freitag zu einer Kundgebung auf, während die DB Netz erste Pläne für ein drittes Gleis entwickelt. Die Kritiker fordern vier Gleise und einen sofortigen Ausbau

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Für einen sofortigen Ausbau der Bahnstrecke demonstriert die Bürgerinitiative "S4-Ausbau-Jetzt" an diesem Freitag. Ihr zweite Aktionstag ist als Kundgebung mit Musik am Puchheimer Bahnhof geplant. Unterdessen arbeitet die DB Netz an Plänen für ein drittes Gleis, was die Bürgerinitiative für unzureichend hält. Aber selbst die Verwirklichung dieses abgespeckten Projekts steht in den Sternen. BI-Sprecher Markus Pötzsch verlangte, den Ausbau der S 4 von dem Projekt eines zweiten Tunnels in München abzukoppeln.

Der Freistaat hat die Bahn offiziell beauftragt, einen dreigleisigen Ausbau zwischen Pasing und Eichenau zu planen. Dazu gehört, das Nadelöhr bei Pasing zu beseitigen, wo auf 600 Metern nur ein Gleis liegt, und den Puchheimer Bahnhof barrierefrei umzubauen. Die DB Netz soll bis Mitte 2016 eine sogenannte betriebliche Aufgabenstellung erarbeiten. Darin wird verzeichnet, wo zusätzliche Weichen, Gleise, Signale und Bahnsteige benötigt oder Stellwerke und Bahnübergange angepasst werden müssen. Es ist die erste Stufe der Planung. "Das Projekt ist auf den Weg gebracht, eine Zeit- oder Kostenprognose kann aber noch nicht gegeben werden", sagte ein Sprecher der Bahn. Auch das bayerische Innenministerium kann dazu nichts sagen. Was den Zeithorizont betrifft, so erscheint "eine Inbetriebnahme der S4 vor der zweiten Stammstrecke eher unrealistisch", teilte eine Sprecherin mit.

Die Bürgerinitiative hält den dreigleisige Ausbau für einen Fehler. Ursprünglich waren vier Gleise bis Buchenau geplant, bis Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im Mai 2014 die kleinere Lösung ankündigte. "Das würde vielleicht für den jetzigen Bedarf reichen, ist aber nicht zukunftsfähig", rügte Martin Eberl (SPD), einer der Sprecher der Initiative. Für den Zuwachs in der Region wäre es völlig unzureichend. Außerdem würde ein drittes Gleis nur einen "Stolpertakt" ermöglichen, also unregelmäßige Abfahrtzeiten. Pötzsch (SPD) kritisiert, dass die Planung so aussieht, dass ein viertes Gleis später nicht einfach ergänzt werde kann. "Dann müssten alle Bahnsteige, die außen an den Gleisen liegen sollen, wieder abgerissen werden."

Vor etlichen Jahren hatten die Bürgermeister entlang der Strecke als Übergangslösung einen dreigleisigen Ausbau vorgeschlagen. Das lehnten Experten der Bahn und der Regierung damals als Stückwerk ab. Denn Sinneswandel erklärt eine Sprecherin des Innenministeriums damit, dass der Ausbau der S 4 Teil des Bahnknotenkonzepts der Staatsregierung sei, dessen Maßnahmen sich inhaltlich ergänzen.

Die Debatte um den Ausbau zeigt nach Ansicht von Pötzsch einmal mehr, wie unsinnig die Privatisierung der Bahn war. Denn die Immobilienabteilung des Unternehmens hat bei Aubing Grundstücke verkauft, die für ein viertes Gleis gebraucht würden. "Man müsste einen Streifen wieder zurückkaufen", sagt Pötzsch. Für die unendliche Verzögerung des S-4-Ausbaus, hat man bei der Bürgerinitiative kein Verständnis, zumal die Strecke von Lindau bis Geltendorf bis 2020 elektrifiziert sein könnte. Dann würden mehr Fern- und Regionalzüge auf der Strecke verkehren. Ein Sprecher der Bahn erklärte der SZ, dass das Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt Geltendorf-Buchloe in fünf Wochen beginnt. Der größte Teil der Bauarbeiten werden in den Jahren 2018 und 2019 stattfinden.

Pötzsch verlangt, den Ausbau der S 4 von dem zweiten Tunnel in München abzukoppeln. Zwar betonte er, dass die SPD weiter zu der umstrittenen Röhre steht. "Aber der Tunnel allein löst die Probleme nicht. Es kracht an allen Ecken und Ende." Der Freistaat sollte Geld investieren und andere Maßnahmen sofort angehen, etwa ein zweites Gleis vor Pasing verlegen. "Das wäre schon jetzt für den Betrieb von Vorteil", sagte er. So könnte das Sprinterkonzept umgesetzt werden, das der Landkreis fordert. Auch die Idee einer Nordtangente von Olching über Freimann nach Trudering sowie der Ausbau des Südrings in München sollten verfolgt werden.

Die Kundgebung am Freitag, zu der die Initiative alle Bürger aufruft, beginnt um 16 Uhr auf dem Platz auf der Nordseite des Puchheimer Bahnhofs. Es gibt Getränke und der Liedermacher Sepp Raith tritt auf. Dazu gibt es einige kurze Reden, etwa von den Bürgermeistern von Puchheim und Grafrath, Norbert Seidl (SPD) und Markus Kennerknecht (parteifrei), sowie Ingrid Kroppen (SPD) vom Behindertenbeirat Puchheim.