Puchheim:Chefinnen im Rathaus

PUCHHEIM: Mädchen übernehmen Rathaus

Unterschreiben dürfen Sarah (links) und Medina die Glückwunschkarten, die sonst Norbert Seidl unterzeichnet.

(Foto: Leonhard Simon)

Die zehn Jahre alte Medina und die 15-jährige Sarah dürfen beim UN-Mädchentag den Job von Bürgermeister Norbert Seidl übernehmen und Münchens Zweite Bürgermeisterin Katrin Habenschaden kennen lernen

Von Johanna Haas, Puchheim

"50 000 Euro für Süßigkeiten, das müssen wir noch einmal besprechen", schlägt Puchheims Bürgermeister Norbert Seidl vor und begleitet Sarah Müller und Medina Schweizer nach draußen. Die beiden Mädchen dürfen an diesem Tag in die "Woche der Demokratie" den Job des Bürgermeisters übernehmen. Norbert Seidl ermutigt seine Gäste, sich den Alltag im Rathaus anzusehen und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie er arbeitet. Anlass ist der Weltmädchentag, der jährlich am 11. Oktober stattfindet - ein Tag, der von den Vereinten Nationen initiiert wurde, um auf die weltweite Benachteiligung von Mädchen aufmerksam zu machen.

"Manchmal fühle ich mich schon benachteiligt, weil ich ein Mädchen bin", erzählt die 15-Jährige Sarah. Sie besucht eine Montessorischule in Mering bei Augsburg. Aber wie kommt es, dass Sarah beim Aktionstag in Puchheim mitmacht? Seidls Frau ist Direktorin an Sarahs Schule und informierte die Mädchen über die Take-Over-Aktion im Puchheim Rathaus. Weil so viele Schülerinen Lust hatten, Seidls Platz einzunehmen, wurde gelost. Sarahs Name wurde schließlich gezogen.

In Puchheim gibt es an diesem Tag jedoch noch eine weitere Bürgermeisterin: die zehnjährige Medina. Sie besucht die Realschule Puchheim und hat sich mit der Hilfe ihres Vaters für das Projekt beworben. Aber eigentlich will die Zehnjährige gar keine Bürgermeisterin werden, sondern Astrophysikerin. Und auch Sarah weiß schon genau, was sie mal werden will. "Nach meinem Abitur werde ich studieren. Ich möchte nämlich Lehrerin werden. Vielleicht für Mathe und Geschichte, das ist mein Endziel." Trotz der abweichenden Berufswünsche ist Norbert Seidl ganz begeistert von den beiden. "Wenn du schimpfen willst, können wir auch raus gehen", sagt Medina lachend.

Doch schimpfen möchte der Bürgermeister die Mädchen nicht. Ganz im Gegenteil, er sei sehr begeistert von ihrem Interesse. "Außerdem macht es sehr viel Spaß mit den beiden", so Seidl. "Wir haben an der Referatsleiter-Sitzung teilgenommen", sagt Sarah. "Ihr durftet sie sogar leiten", ergänzt Seidl. Außerdem können die beiden Mädchen entscheiden, welches Plakat für den Kindermalwettbewerb ausgewählt wird. Nach der Konferenz geht es für die Mädchen weiter zum nächsten Termin: ein Meeting mit Münchens zweiter Bürgermeisterin, Katrin Habenschaden. "Sie hat uns erzählt, wie ihr Tagesablauf aussieht und wie sie sich als Frau für Mädchen einsetzt", erzählt Sarah. "Oh, dann war auch noch das Fernsehen da", ergänzt Medina. "Die haben uns begleitet und uns gefilmt, wie wir die Amtskette tragen", erklärt die 15-jährige Sarah. "Das war irgendwann total nervig, weil man gar nicht weiß wo man hinschauen soll. Die sagen immer man soll nicht in die Kamera schauen, aber genau dann schaut man in die Kamera", erklärt die 10-Jährige lachend.

Nach einem anstrengenden Vormittag, geht es für eine Mittagspause in das Kaffee-Haus am Puchheimer Bahnhof. "Oh, das war lecker, Medina und ich haben ein gelbes Thai Curry gegessen und Sarah eine Gulasch-Suppe", sagt Seidl.

Nach der Stärkung folgen weitere Termine - eine Videobotschaft für Ungarn und ein Besuch beim Umweltamt stehen auf der To-do-Liste. Etwas ganz Schlimmes oder Langweiliges sei bis jetzt allerdings nicht dabei. Nur das ständige Unterschreiben sei sehr anstrengend. Die Mädchenwürden vor allem Geburtstagsgrüße für die Angestellten mit ihrer Unterschrift versehen. "Tatsächlich ist das eine meiner Hauptaufgaben: Dokumente unterschreiben. Man könnte die Unterschrift auch drucken, aber das mache ich nicht", erklärt Seidl. Nach so einem aufregenden Tag, sind die Mädchen überzeugt: Sie wollen keine Bürgermeisterinen werden, das ist ihnen dann doch zu viel Verantwortung. Also müssen sie ihr Amt wieder an Seidl abgeben. "Ich will keine Bürgermeisterin mehr sein, ich kündige", sagt Medina entschlossen.

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