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Preisgekrönt:Kühe, Schafe, kleine Kinder

Landrat Thomas Karmasin überreicht Friederike Becker den UN-Biosphären-Preis für den Bauernhof-Kindergarten.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Olchinger Bauernhofkindergarten wird ausgezeichnet. 40 Buben und Mädchen lernen dort den Umgang mit Tieren und der Natur

Von ". Selina Deger, Olching

Hühner füttern, Pferde streicheln, Schafe auf die Weide bringen. Für die Buben und Mädchen, die den Bauernhof-Kindergarten Olching besuchen, ist das der Alltag. Die Einrichtung besteht seit 18 Jahren und liegt in der Nähe des Olchinger Sees. Sozialpädagogin Friederike Becker hat das Konzept für den Kindergarten entwickelt und leitet ihn.

Kürzlich wurde das im Landkreis einmalige Projekt von der UN-Dekade Biodiversität im Bereich "Soziale Natur - Natur für alle" ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet während der Bioerlebnistage des Hofs statt. Landrat Thomas Karmasin, der den Preis übergibt, gefällt der außergewöhnliche Kindergarten. Familien, die sich für das Konzept interessieren, können an diesem Tag die Einrichtung kennenlernen. Für die Kinder gibt es ein Programm, bei dem sie vom Melken einer hölzernen Kuh bis zum Haferquetschen vieles ausprobieren können. 40 Plätze hat der Kindergarten im Moment. Die Buben und Mädchen verbringen bei jedem Wetter die meiste Zeit im Freien. Jeder Tag beginne am Olchinger See, erklärt Leiterin Becker. Die Eltern bringen ihre Töchter und Söhne dorthin. Anschließend macht sich die Gruppe gemeinsam auf Entdeckungstour Richtung Kindergarten. Der Tag auf dem Bauernhof endet mit einem Abschlusskreis, bevor die Kinder um 14 Uhr wieder abgeholt werden.

Vor etwa 20 Jahren zog die Familie Becker nach Olching und übernahm den Hof, der damals noch unbewirtschaftet war, um dort zu leben. Die Beckers begannen mit der Bewirtschaftung, holten Schafe und Kühe auf den Bauernhof. Friederike Becker absolvierte eine landwirtschaftliche Ausbildung. Zwei Jahre später entschloss sich die Mutter von vier Kindern, den Kindergarten einzurichten.

An einem Tag in der Woche, dem "Stalltag" dürfen die Kinder die Tiere füttern. Die Mitarbeiter des Kindergartens helfen bei der Stallarbeit. Sonst erledigen diese Aufgaben überwiegend junge Leute, die ihren Bundesfreiwilligendienst am Bauernhof absolvieren, erklärt Marina Kinzel, Sozialpädagogin und Kindergarten-Mitarbeiterin. Der Hof ist kein Streichelzoo, sondern bringt auch Nutzen. Auch das Fleisch einiger Tiere wird verwendet. Bekannte und Eltern können es kaufen. Dass einige der Tiere geschlachtet werden, gehört zum Kreislauf des Bauernhofs dazu, das wissen die Buben und Mädchen.

Zehn Hektar groß ist der Hof, er bietet viel Platz zum Spielen, Entdecken und Lernen. Etwa eine Hälfte ist Grünland, die andere Birkenwald. Auf dem Hof leben aktuell drei Katzen, ein Hund, zwei Kühe mit ihren Kälbern, zwei Exmoor-Ponys, ein Esel, etwa 20 Hühner und zwei Schafsherden mit jeweils etwa 20 Schafen. Die Tiere gehören zu vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen. Auf dem Hof werden sie gehalten und gezüchtet.

Die Kinder sind in die Gruppen Lämmchen, 1. Klasse, Mittelkinder und Vorschulkinder eingeteilt. Je nach Alter dürfen sie sich um die Tiere kümmern. So füttern die "Kleinen" an ihrem Stalltag die Hühner, die "Großen" die Pferde, sagt Kinzel. Die Kinder bringen die Schafe auf die Weide und rufen sie mit: "Määh, Schafe, määh", sagt Oliver Becker, Friederike Beckers Mann, im Hauptberuf Banker.

Zwei der drei Kinder von Vanessa und Christian Schöpfs besuchen die Einrichtung schon, das jüngste ist noch zu klein. "Hier sind weniger Kinder in den Gruppen", erklären sie die Vorzüge. "Sie sind viel draußen, es wird selbst gekocht, fleischfrei und bio. Und sie lernen viel über die Tiere und die Natur." Tochter Klara erklärt: "Mir gefällt alles, der ganze Bauernhofkindergarten

© SZ vom 19.09.2020

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