Politik Ran an die Futtertröge

Eine neue Spaßpartei? "Die Partei" stellte sich und ihre Protagonisten im Brucker "Unterhaus" vor.

(Foto: oh)

"Die Partei" stellt sich jetzt auch in Fürstenfeldbruck vor. Sie sagt: "Wir sind so populistisch, dass uns jeder wählen kann"

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Ein politischer Erdrutsch droht dem Brucker Stadtrat bei der Kommunalwahl 2020. Seit August gibt es in der Stadt eine neue Formation, die sich kämpferisch und siegessicher gibt. "Wir werden 35 Sitze plus x bei der nächsten Stadtratswahl holen", kündigte Florian Weber jetzt an. Er ist der Große Vorsitzende des neuen Ortsverbandes der Partei "Die Partei", die bereits im Europaparlament und einigen Kommunalparlamenten vertreten ist.

Die lokale Sektion hat sich im August gegründet und präsentierte sich erstmals auf einer Pressekonferenz im "Unterhaus" der Öffentlichkeit. Der Optimismus von Weber und seinen Mitstreitern basiert auf ihrem radikalen Opportunismus und einem ausgefeilten Programm mit vielen Alleinstellungsmerkmalen. "Wir sind so populistisch, dass uns jeder wählen kann", erklärte Weber. Abgesehen von Pegida, "von denen distanzieren wir uns ganz klar." Dafür sorgen schon die Brucker Facebook- und Webseiten: "Ich bin kein Nazi, ich bin Patriot. Klingt für uns wie: Ich bin nicht scheiße, ich bin kacke", steht da auf einem Plakat zu lesen oder: "Das Brot ist voll - Salamisierung des Abendbrots stoppen".

Gegründet wurde "Die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative" (abgekürzt "Die Partei") 2004 von Redakteuren der Zeitschrift Titanic um Martin Sonneborn. Er errang 2014 ein Mandat im Europaparlament. Als genehmigte Nebentätigkeit gibt er in seinem Profil Geschäftsführer im "Büro für Kicker und Dosenbier" in Berlin an. Zu den Zielen gehört "die endgültige Teilung Deutschlands", wie Chlodwig Poth formulierte.

Auf lokaler Ebene fordert "Die Partei", eine Mauer rund um den Ortsteil Puch zu errichten, einerseits als Touristenattraktion, siehe China und Berlin, andererseits um den Streit um den Bau eines Windrades zu beenden. Ein Wall würde Dorfbewohnern den Anblick von Rotoren und gemeuchelten Fledermäusen ersparen. Eine weitere zentrale Forderung ist die Sprengung der alten Amperbrücke mitten in Bruck. "Damit hätte sich das Thema Durchfahrt erledigt, der Verkehr würde sich automatisch nach Emmering verlagern", prognostiziert Weber.

Dreizehn Mitglieder hat "Die Partei" in Bruck bereits um sich geschart. Unschwer ist zu erkennen, dass darunter einige sind, die der Politikbetrieb etwas anödet. Andreas Ströhle gehört dazu, der für die Piraten im Stadtrat sitzt. "Mir geht es darum, ein bisschen Farbe reinzubringen, bei manchen Themen mal lockerzulassen", erklärte er der SZ. So könnte man die leidige Debatte um Nazi-Straßennamen schnell beenden, wenn man stattdessen amtierende Stadträte als Namenspatrone nähme, die zugleich eine gewisse Prominenz haben. Da böte sich gleich Florian Weber an, weil so auch der Schlagzeuger der Sportfreunde Stiller heißt.

Der neue Steuermann von "Die Partei" an der Amper sitzt bislang für die BBV im Stadtrat. Die ist auch als Spaßpartei gestartet und führte weiland Wahlkampf gegen CSU-OB Sepp Kellerer mit dem Slogan, "einer von Aich wird uns verraten", in Anspielung auf dessen Herkunft.

Als Regierungspartei im Brucker Rathaus verknöchere die BBV zusehends, rügt Weber, der als Jugendreferent amtiert. Schon im Wahlkampf wollte die BBV nichts von der Forderung wissen, zwischen Fliegerhorst und Squash-Palast im Westen der Stadt die längste Wasserrutsche der Welt zu bauen. Dieses Megaprojekt ziert jetzt das Programm von "Die Partei". Auf Facebook gibt es viel Zustimmung für die neue Polittruppe, in Bezug auf die BBV ist Weber eher skeptisch: Der eine oder andere von den älteren Mitgliedern könnte das bunte Treiben vielleicht nicht goutieren.

Ströhle geht Ärger mit seiner Piratenbasis aus dem Weg, in dem er versichert, keine Kandidatur für "Die Partei" anzustreben, auch wenn die Spaßtruppe in Bremen unlängst mehr Stimmen erzielte als die sinkenden Piraten.

In jedem Fall brauchen die etablierten Parteien die neue Konkurrenz nicht wirklich fürchten. Selbst bei einem Wahlerfolg von über 90 Prozent würde "Die Partei" keinen vom Futtertrog der Ämter und Pöstchen verdrängen. "Wir koalieren mit jedem, der uns den Steigbügel hält", versprach Weber.