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Ostergaben:Mobile Hühner

Im Landkreis werden 35000 Legehennen gehalten. Die Geflügelhalter verlegen sich dabei immer mehr auf Ställe, die den Ort wechseln können. Dadurch kommen die Tiere ständig in den Genuss einer frischen Wiese

Wer heutzutage Hühnereier kaufen will, braucht nicht mehr in einen Laden gehen. Selbst wenn man erst am Ostersonntag merkt, dass es einem an Eiern mangelt, kann sich an einem Automaten oder in einer der Verkaufsstellen versorgen, die zu einem Hofladen gehören. Zum Beispiel auf dem Färberhof der Familie Mayer in der Mammendorfer Bahnhofstraße. Der kleine Raum ist jeden Tag von 6 bis 20 Uhr geöffnet. Die Eier liegen in Paletten auf einem Tisch, man packt sie selbst in die Schachtel, wirft das Geld in eine große Holzbox an der Wand und kann dann auf der anderen Straßenseite den Hühnern zuschauen, die die Eier gelegt haben.

Die braunen Hennen baden in der Erde, scharren und picken im Gras. Sie glucksen und gackern ununterbrochen. Die Tiere können alles tun, was Hühner gern machen. Wenn sie Lust haben sowie nachts und bei schlechtem Wetter sind sie im Hühnermobil. Dort finden sie Futter und Wasser, Sitzstangen sowie eine Bodenplatte mit Einstreu, auf der sie auch scharren können. Der Clou: Das Hühnermobil kann einfach an eine andere Stelle gefahren werden, so dass die Hühner immer wieder eine frische Wiese haben. Sie brauchen nur wenige Tage, bis sie wieder Badelöcher in den Boden gescharrt haben. Josef Mayer junior war der erste im Landkreis, der ein Hühnermobil hatte, und er ist immer noch der mit den meisten versetzbaren Hühnerställen, obwohl inzwischen viele Landwirte nachgezogen haben. 850 Legehennen leben in und vor den drei mobilen Ställen. 255 000 Eier legen sie im Jahr, und fast alle werden direkt am Färberhof verkauft. Nur die sehr kleinen Eier, die die ganz jungen Hühner legen, kommen in die Nudelproduktion, die Eiernudeln bekommt man ebenfalls in dem kleinen Hofladen. Zehn Eier kosten drei Euro.

Josef Mayer junior war der erste Geflügelhalter im Landkreis, der sich ein Hühnermobil zulegte. 850 Legehennen hat der Mammendorfer Landwirt.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Im Landkreis gab es 2018 etwa 35 300 Legehennen bei 151 Haltern, sagt Martin Bräutigam vom Landwirtschaftsamt. Es gibt eine Meldepflicht für Geflügelhalter. 550 Hennen leben bei 52 Kleinhaltern, die nur ein bis 19 Tiere haben. Der größte Hühnerhalter im Landkreis besitzt 7200 Hennen - keine allzu große Zahl, viele Eierproduzenten haben fünfstellige Tierzahlen.

Rechnerisch kommen auf eine Henne im Landkreis sechs Menschen. Die Tiere legen pro Jahr ungefähr 10 590 000 Eier, wenn man von einem Durchschnittswert von 300 Eiern pro Huhn und Jahr ausgeht. Nicht mal ein Ei pro Woche kommt also auf jeden Landkreisbürger. Und dabei gibt es der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zufolge keine Obergrenze mehr für den Verzehr von Eiern. Gerade an Ostern dürfe man auch ruhig mehr Eier essen, teilt die Barmer Ersatzkasse mit.

Kein Wunder also, dass die Familie Mayer alle ihre Eier leicht ab Hof loswird. Eigentlich, sagt Josef Mayer junior, sei der Hof ein Milchviehbetrieb. "Aber inzwischen sind die Eier zu einem großen Schwerpunkt geworden." Die Hühnermobile hat der junge Bauer bei einer Messe in Hannover entdeckt - und war gleich angetan davon. Zum ersten musste er seine Eltern noch überreden, dann kam jedes Jahr eines dazu. Jedes hat eine kleine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, die den Strom für Licht, Wasser und den elektrischen Zaun liefert. Heizung bräuchten die Ställe keine, erklärt Mayer, durch die Körperwärme der Tiere sei es in ihnen auch bei Minusgraden recht warm. Die Eier können die Hühner in ein Legenest mit Dinkelspelzen legen. Das konventionell erzeugte Futter, Mais, Getreide, Soja, wird überwiegend auf dem eigenen Hof erzeugt.

Die Eier - rund 255 000 Stück im Jahr - verkauft Mayer fast alle direkt von seinem Hof, auf dem er einen kleinen Laden eingerichtet hat.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Einmal pro Woche werden die Hühnermobile versetzt und ausgemistet, es kommt neues Futter in den Spender und der Wassertank wird aufgefüllt. Die Eier werden täglich eingesammelt. Einmal pro Jahr werden die Legehennen geschlachtet und durch neue Tiere ersetzt, weil dann ihre Legeleistung nachlasse, sagt Mayer. Gockel sind keine dabei, obwohl sie Ordnung in der Hühnerschar halten und vor dem Habicht warnen würden. Aber weil die Mobile mitten im Ort stehen, verzichtet Mayer auf Hähne - den Nachbarn zuliebe. Fuchs und Marder werden durch den Elektrozaun von den Hennen ferngehalten. Die Hühnern seien sehr gesund, sagt Mayer, sie brauchen keine Medikamente.

Mayer war selbst überrascht, wie gut sich die Eier verkaufen und wie ehrlich die Menschen sind. Denn gestohlen werde bei ihnen nichts, sagt er. Manchmal kommt jemand, der gerade kein Geld dabei hat, nimmt sich ein, zwei Schachteln Eier und bezahlt später. In dem kleinen Raum auf dem Hof wird auch Marmelade, Raps- und Hanföl, Hanfsamen, Mehl, Honig, Butter, Käse, geräucherter Schinken, Kartoffeln und Zwiebeln. Nicht alles stammt vom Färberhof, aber alles direkt aus Mammendorf oder der näheren Umgebung. Viele Menschen kommen am Sonntagvormittag, hat Mayer beobachtet. "Die stehen auf, wollen ein frisches Frühstücksei, und dann kommen sie zu uns." Das könnte am Ostersonntag auch der Fall sein.