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Olching:Wilde Müllkippe bei Graßlfing

Illegale Müllentsorgung

Weit verstreut liegt der Müll auf dem Gelände bei Graßlfing, das als FFH-Gebiet unter Schutz steht.

(Foto: Ehrenberg)

Vor eineinhalb Jahren ist der Abfall auf dem Gelände, das den Stadtwerken Dachau gehört, gefunden worden. Weil ein Entsorgungskonzept auf sich warten lässt, liegt er immer noch dort

Der Müll, den bislang Unbekannte auf einem Grundstück bei Graßlfing abgeladen haben, ist immer noch da. Bereits im Juni 2018 war bekannt geworden, dass auf dem wegen seiner Tiere und Pflanzen unter Schutz stehenden Areal fein zerkleinerter Abfall liegt, in einer Größenordnung von etwa 2000 bis 3000 Kubikmeter. Die Verursacher konnten bislang nicht aufgespürt werden, den Schaden haben die Stadtwerke Dachau, denen das Areal gehört. Wann das Unternehmen den Müll entsorgt, ist indes offen. Die Sanierung sei aufwendig, man müsse sich mit Behörden abstimmen, derzeit würden noch Bodenproben untersucht und ein Konzept ausgearbeitet, sagte Unternehmenssprecherin Cornelia Scheyerl. Der Müll besteht angeblich aus medizinischem Bedarf und Arzneimitteln, Glas und Metall sowie Plastik und Haushaltsgegenständen. Die Behörden stufen die Mischung als vermutlich nicht gesundheitsgefährdend ein. Es handele sich um festes Material. Dass giftige Stoffe ausgewaschen und ins Grundwasser gelangen könnten, werde nach einer ersten orientierenden Untersuchung als "gering und untergeordnet eingestuft", sagte Ines Roellecke, Pressesprecherin des Landratsamts Fürstenfeldbruck.

Die wilde Müllkippe befindet sich auf einem mindestens 2000 Quadratmeter großen Grundstück an der Amper in der Nähe der Kläranlagen und der Müllverbrennungsanlage, abseits der Bebauung. Es werde von den Dachauer Stadtwerken nicht genutzt, sagte Scheyerl. Das Unternehmen vermutet, dass der Müll von einem gewerblichen Abfallentsorgungsbetrieb stammt, mit einem Traktor oder Lastwagen über einen Feldweg angekarrt und großflächig verteilt wurde. Das Unternehmen setzte eine Belohnung von 1000 Euro aus, dennoch gab es keine Hinweise, die zu den Verursachern führten, obwohl es doch einigen Verkehr mit schweren Fahrzeugen gegeben haben müsste. Stattdessen fand die Polizei heraus, dass der Müll dort schon mehrere Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte liege, sagte Roellecke.

Die Ablagerungen seien nicht früher entdeckt worden, weil das Gebiet zugewachsen war. Selbst Personen, die die Fläche vor ein paar Jahren für Tiere nutzen wollten, hätten sie nicht bemerkt. Erst als jemand die Pflanzen geschnitten und zerkleinert habe, sei der Müll wieder sichtbar geworden. Zugleich sei die oberste Schicht leicht aufgerissen gewesen, so dass die Stadtwerke kurz nach der Entdeckung annahmen, die Ablagerung sei frisch. Wie lange genau der Müll dort schon liegt, weiß bis heute niemand.

Eine weitere Frage ist, wieso das Material nach eineinhalb Jahren immer noch dort liegt. Scheyerl sagte, man müsse sich mit den Behörden abstimmen und könne nicht mit der Entsorgung beginnen, solange die Inhaltsstoffe nicht analysiert sind. Erst dann könne man überlegen, was mit den einzelnen Bestandteilen geschehen soll, ob sich einzelne Stoffe wiederverwerten lassen. Man habe Materialproben sieben lassen und Bodenproben gezogen, aber es lägen noch keine Untersuchungsergebnisse vor. Sowohl der Zeitplan als auch die Kosten seien deshalb offen. Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann hatte im Herbst 2018 gesagt, schlimmstenfalls würde die Entsorgung an die drei Millionen Euro kosten. Ob die Größenordnung stimmt, wird sich erst im Verlauf der Entsorgung herausstellen. Auf jeden Fall müssen die Stadtwerke die Summe tragen, sofern sich nicht noch ein Verursacher ermitteln lässt.

Das Landratsamt Fürstenfeldbruck bestätigte diese Darstellung. Die Entsorgung lasse wegen der großen Menge und der besonderen Lage in einem geschützten Gebiet auf sich warten, erklärte Roellecke. Sie betonte, die Stadtwerke Dachau hätten gleich von sich aus eine Altlastenerkundung in Auftrag gegeben, bevor Untersuchungsergebnisse des Wasserwirtschaftsamtes vorlagen. "Unmittelbare Sofortmaßnahmen waren nach den Ergebnissen dieser ersten orientierenden Erkundung nicht notwendig", sagte sie. Auswirkungen auf das Trinkwasser seien aufgrund der Lage des Geländes nicht zu erwarten.

Im Juli 2019 fand eine Besprechung zwischen Vertretern der Stadtwerke, der Kreisbehörde, dem Wasserwirtschaftsamt und einem Ingenieurbüro statt. Dabei habe man über das Problem gesprochen, dass sich unter den sichtbaren Müllfetzen an der Oberfläche weitere Ablagerungen befinden. Die Stadtwerke Dachau sollen die bis zu 1,5 Meter hohen Auffüllungen ausheben und fachgerecht entsorgen lassen. "Aktuell erfolgt durch die Stadtwerke Dachau die Planung eines Entsorgungskonzeptes", sagte Roellecke.

Inzwischen wurden Bäume und Büsche auf dem Gelände gerodet, bevor die Brut- und Vegetationszeit im März beginnt, und eine Abfahrt sowie ein Zufahrt für schwere Baumaschinen angelegt.

© SZ vom 17.02.2020
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