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Olching:Stadt stoppt Bauvorhaben

Eine Forderung an den Investor war, dass er die Stromleitung auf eigene Kosten unter die Erde verlegt. Weil in Esting nun ein neues Umspannwerk entsteht, hat sich diese Forderung erledigt und die Stadt verhandelt neu.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Auf dem Grundstück neben dem Estinger Bahnhof wollte ein Investor 111 Wohnungen erreichten. Die Stadt war ihm weit entgegengekommen. Neue Entwicklungen führen nun zu einem Umdenken

Von Katharina Knaut, Olching

Für das Bauvorhaben auf dem Grundstück neben dem Estinger Bahnhof hat der Stadtrat nun die Reißleine gezogen. Das bisherige Projekt, das 111 Wohnungen, davon 32 im geförderten Wohnungsbau, auf der brachliegenden Fläche vorsah, wird nicht weitergeführt. Stattdessen arbeitet das Bauamt nun einen gänzlich neuen Plan aus. Der Investor, die Firma "HS Wohn- und Gewerbebau Scheidecker", hatte seine Pläne vorige Woche zurückgezogen.

Das Vorhaben war bereits seit Längerem umstritten. Anwohner kritisierten vor allem den Umfang der geplanten Bebauung, die einen drei- und einen viergeschossigen Komplex zusätzlich eines Daches über das Gelände umfasst hätte. Durch die hohen Wände direkt an den Gleisen befürchteten die Menschen eine Reflexion des Zuglärms auf die umliegenden Wohngebiete. Die geplante zweigeschossige Tiefgarage hätte außerdem den ohnehin hohen Grundwasserstand noch weiter aufgestaut, erklären die Anwohner. Dadurch könnte bei Starkregen Wasser in ihre Keller einlaufen, so die Sorge.

Vor einigen Wochen hatte die CSU im Stadtentwicklungsausschuss schließlich beantragt, das Vorhaben in dieser Form zu beenden. Fraktionsvorsitzender Tomas Bauer begründet den Schritt mit einer neuen Entwicklung. Eines der entscheidenden Ziele sei gewesen, die über dem Gelände verlaufende Hochspannungsleitung zu entfernen, erklärt Bauer. Die Firma Scheidecker hatte zugesagt, die Leitung auf eigene Kosten unter die Erde zu verlegen. Ein wesentlicher Vorteil für die Umwelt und die Anwohner, erklärt der CSU-Fraktionsvorsitzende. Im Gegenzug habe der Stadtrat eine höhere und dichtere Bebauung und die damit verbundenen Beeinträchtigungen für die Nachbarschaft "bewusst in Kauf genommen". Nun soll in Esting jedoch ein neues Umspannwerk gebaut werden, die Hochspannungsleitung wird damit unabhängig von dem Bauvorhaben an den Gleisen entfernt. Damit liege kein Grund mehr vor, den Nachbarn die hohe Bebauung zuzumuten, so Bauer. Ewald Zachmann, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler Olching, stimmt ihm zu: Nach dem Wegfall der Stromleitung dürfe nun nicht gesagt werden: "Da hast du Glück gehabt, du hast die Sache ausgesessen."

SPD und Grüne unterstützten den Antrag zunächst nicht. Widersprochen wurde unter anderem der Argumentation Bauers. Die höhere Bebauung sei angestrebt worden, um mehr Wohnraum zu schaffen, nicht um die Leitung zu entfernen, betonen SPD und Grüne. Die Fraktionsvorsitzenden Ralf Greim (SPD) und Ingrid Jaschke (Grüne) bekräftigten diese Haltung auch in der Stadtratssitzung, stimmten dem Antrag der CSU jedoch unter einigen Änderungsbedingungen zu.

So wird das Vorhaben nicht mehr im beschleunigten Verfahren durchgeführt. Jaschke beantragte dies, um eine Umweltverträglichkeitsprüfung stattfinden zu lassen. Auch Greim setzte seine Ergänzungen durch: Die bisher zulässige Nutzung wird um maximal 50 Prozent erhöht. Die Stadt soll außerdem anstreben, bis zu 40 Prozent der Wohnungen für einkommensschwache Bevölkerungsgruppen zur Verfügung zu stellen. Diese Ziele seien ein Rahmen, innerhalb dem man sich bewege, betont Bürgermeister Andreas Magg (SPD).

Der beschlossene Antrag sieht weiterhin vor, über dem Gelände eine Veränderungssperre zu verhängen. Das bisherige Mischgebiet, das einen bestimmten Anteil an Gewerbe vorsieht, wird in ein allgemeines Wohngebiet umgewandelt. Wie die Planung auf den derzeit vorgesehenen 3700 Quadratmetern Geschossfläche aussehen könnte, arbeitet nun die Stadt aus.

© SZ vom 03.07.2020

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