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Olching:Personalmangel 

Olching: VHS-Podiumsgespraech der Buergermeister-Kandidaten

Bürgermeister Andreas Magg will Anreize für Stellen im Rathaus Olching schaffen.

(Foto: Johannes Simon)

Während die Stadt in den vergangenen Jahren um zehn Prozent gewachsen ist, ist die Verwaltung nicht aufgestockt worden worden. Eine monatliche Zulage von etwa 100 Euro soll Bewerber auf offene Stellen locken

Seit über einem Jahr ist die Stelle im EDV-Bereich der Stadtverwaltung unbesetzt, seit Monaten sucht die Stadt auch nach einem neuen Mitarbeiter im Sozialamt. Einzelfälle seien das nicht, sagt Bürgermeister Andreas Magg (SPD) und stellt fest: "Der Markt ist leer. Das treffe auf den gesamten Verwaltungsbereich zu, insbesondere auf sehr spezialisierte Stellen. Schwierig sei es aber auch, Erzieherinnen zu bekommen. In Olching hat man deshalb vor Kurzem die sogenannte Arbeitsmarktzulage für alle städtischen Angestellten eingeführt. Jeder Mitarbeiter verdient seit Kurzem rund 100 Euro mehr pro Monat. Damit soll den hohen Miet- und Lebenshaltungskosten im Münchner Umfeld Rechnung getragen werden. Nur gebracht habe das noch nicht so viel wie erhofft, meint Magg.

Momentan habe man zwar gerade drei Mitarbeiter in der Verwaltung einstellen können, sagt Rathaussprecherin Julia Henderichs, aber aufatmen wolle man deshalb noch nicht. "Es kann sich jederzeit wieder etwas ändern", sagt sie. Momentan sind elf von insgesamt 246 Stellen offen. Das klinge zwar nicht viel, ändere aber nichts daran, dass die Schwierigkeiten mit der Nachbesetzungen akut seien, sagt Henderichs.

Deutlicher wird das Problem, wenn man sich die Entwicklung der Personalkosten der vergangenen Jahre genauer ansieht. Der Betrag, den die Stadt für die Mitarbeiter in der Kernverwaltung ausgegeben hat, hat sich im Zeitraum von 2004 bis 2014 nicht verändert. Berücksichtigt man, dass Mitarbeiter mit steigendem Alter höhere Löhne beziehen, heißt das, dass in Olching in den vergangenen Jahren sogar Stellen abgebaut wurden. "Und das, obwohl die Stadt in dieser Zeit um rund zehn Prozent gewachsen und die Aufgaben gestiegen sind", sagt Magg.

Und auch wenn offene Stellen besetzt werden könnten, sei das Thema der Mitarbeiterakquise oft nur kurzfristig vom Tisch. "Die Fluktuation ist hoch", sagt Magg. Die Gründe dafür sind vielfältig. Das Arbeitsklima spielt dabei eine wichtige Rolle. "Das Klima hat etwas mit Wertschätzung zu tun, wenn die Wertschätzung zum Beispiel vom Stadtrat nicht kommt, wird man sich schwer tun", sagt er. So wird etwa im Stadtrat immer wieder argumentiert, man könne gewisse Anträge oder Änderungen nicht umsetzen, aufgrund der ohnehin schon überlasteten Verwaltung. Argumentationen wie diese seien für die Motivation der Mitarbeiter jedoch alles andere als förderlich, meint Magg.

Ganz generell erlebe er, wie die Frustrationstoleranz bei neuen Mitarbeiten immer mehr sinke. Würden sich die ersten Schwierigkeiten auftun, seien die Mitarbeiter auch schon weg. Möglich mache das der scharfe Wettbewerb zwischen den Kommunen. Die Situation in der Stadtverwaltung sei nicht nur in Olching prekär. Magg berichtet von zusätzlichen Anreizen, die Bewerbern in andern Kommunen angeboten würden. Um welche Anreize oder welche kommunen es sich dabei genau handelt, will Magg nicht genauer ausführen. Er bestätigt aber, dass man auch in Olching schon geprüft habe, ob man Bewerbern etwa eine zusätzliche private Krankenversicherung anbieten könne. Aus rechtlichen Gründen sei das aber nicht möglich gewesen.

So blieb lediglich der Schritt zur Arbeitsmarktzulage. Von dieser zeigt sich Magg aber nicht begeistert: "Eigentlich gibt es für den öffentlichen Dienst einen Tarifvertrag. Die Landeshauptstadt hat damit die Büchse der Pandora geöffnet", sagt er. Die Befürchtung: Irgendwann wird auch die Arbeitsmarkzulage als Anreiz nicht mehr reichen. "Das führt so weit, dass Bewerber für den öffentlichen Dienst um ihr Gehalt feilschen wollen", meint er.

Dass das Gehalt, das gemäß des Tarifvertrags im öffentlichen Dienst gezahlt werde, kein Spitzengehalt sei, sieht auch Magg. Aber die Stärke des öffentlichen Dienstes liege auf geregelten wie auch flexiblen Arbeitszeiten. "Die Work-Life-Balance steht gerade bei den Jüngeren wieder mehr im Fokus." Ein Argument, das seiner Meinung nach für einen Verwaltungsjob spreche. Zudem stelle Olching auch vergünstigte Dienstwohnungen für städtische Mitarbeiter zur Verfügung, und es gebe seit etwa einem Jahr eine offene Mitarbeitersprechstunde, die bereits zur Verbesserung des Arbeitsklimas beigetragen habe. Auch eine neue leistungsbezogene Prämie will die Stadt ihren besonders engagierten Angestellten in Zukunft zahlen. Man hofft nun, mit Anreizen wie diesen geeignete Interessenten locken zu können.

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