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Olching:Olching diskutiert über städtische Wohnungen

Die 230 vermieteten Objekte bringen der Stadt in den vergangenen Jahren keinen Gewinn. Das soll sich nun ändern

Von Karl-Wilhelm Götte, Olching

Die städtischen Wohnungen sind ein Dauerthema im Olchinger Stadtrat. Fehlbelegungen gibt es offenbar nicht wenige und falsche Nebenkostenabrechnungen auch. Doch noch markanter ist es, dass die 230 vermieteten Sozialwohnungen der Stadt kein Geld bringen. Im Gegenteil: Sie verzeichnen immer wieder ein beachtliches Minus. Der Bericht der beauftragten Treuhand GmbH, der jetzt im Hauptausschuss des Stadtrates behandelt wurde, weist für 2018 ein Defizit von 434 000 Euro und für 2019 ein Minus von 68 000 Euro aus. FDP-Stadtrat Andreas Teichmann machte dann auch gleich einen radikalen Vorschlag: "Wir verkaufen die Wohnungen und geben von dem Erlös denen einen Mietzuschuss, die es brauchen." Für diese Position bekam er dann aber verbalen Gegenwind von allen Seiten.

Die CSU-Fraktion hatte per Antrag eine Diskussion des Treuhand-Berichts angeregt. "Warum führt unser Wohnungsbestand nicht zur einer Erhöhung des Vermögens?", fragte Tomas Bauer (CSU) und kritisierte die jährlichen Verluste. Verkaufen brachte er als Option nicht zur Sprache, aber der CSU-Fraktionschef würde gerne einen Gewinn sehen. Er kalkulierte bei einem Immobilienvermögen von 25 Millionen Euro mit einer Verzinsung von drei Prozent. "Das wären 750 000 Euro", rechnete Bauer dem Gremium vor. Kämmerer Robert Schuhbauer taxierte den Wert des Wohnungsbestandes sogar auf 33,1 Millionen Euro. Auch Fritz Botzenhardt (SPD), Finanzreferent des Stadtrates, wünschte sich mehr Erträge aus dem Wohnungsbestand, um auch andere Projekte in der Stadt bezahlen zu können.

Ewald Zachmann (Freie Wähler Olching), der sich ebenfalls gegen einen Verkauf der Wohnungen aussprach, berichtete von einer Wohnungsbau-Genossenschaft in Ravensburg, die etwa tausend Wohnungen verwalte und 2019 einen Gewinn von 1,3 Millionen Euro gemacht hat, obwohl die Durchschnittsmiete lediglich 7,70 Euro pro Quadratmeter betragen habe. Zachmann bezweifelte, ob die Stadt Olching "die Wohnungen aus eigener Kraft bewirtschaften kann". Er empfahl darüber nachzudenken und zu entscheiden, ob man ebenfalls eine Genossenschaft oder eine kommunale Gesellschaft gründet, die den Bestand verwaltet. Ingrid Jaschke (Die Grünen) schloss sich den Ausführungen von Zachmann an.

Bauer warnte davor, das Allheilmittel in einer neuen Organisationsform zu suchen. "Das verspricht keine Besserung", bekräftigte der CSU-Politiker. Er wollte von der Verwaltung noch wissen, warum 2018 die gesamten Mieteinnahmen niedriger waren als in den Jahren zuvor. Das konnte Kämmerer Schuhbauer aus dem Stegreif nicht beantworten. Auch über die Dauer des Leerstandes der Wohnungen wollte sich Bauer informieren lassen. "Das nehmen wir mit und beantworten das später", moderierte Bürgermeister Andreas Magg (SPD) die Debatte. Wie alle anderen Diskutanten konnte auch Magg ad hoc keine Lösung präsentieren, wie die 230 Wohnungen zukünftig Gewinn abwerfen könnten. Mieterhöhungen brachte niemand im Ausschuss ins Spiel. Wichtig war Magg noch die Botschaft an die Mieter, diesen keine Angst einzujagen: "Es wird keinen Verkauf geben."

© SZ vom 20.11.2020
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