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Olching:Lederhosen für Männer mit Bierbauch

Beim Secondhand-Trachtenmarkt im neuen Schützenheim gibt es Kleider in großen Größen, aber auch Raritäten wie ein weiß-blaues Waschdirndl

Von Karl-Wilhelm Götte, Olching

Empfangen wird der Besucher mit großen Lederhosen auf dem Kleiderständer links. Es sind riesige Exemplare für Männer mit Kleidergröße 60. Eine ist mit 30 Euro ausgezeichnet, die andere mit 75. "Sogar junge Männer kommen und kaufen, das ist cool", findet Gabriele Wörmann, die ein unerwartet großes Interesse der Männer verzeichnet bei diesem Secondhand-Trachtenmarkt im Schützenheim. Wörmann ist die neue Vorsitzende der Olchinger Schützengesellschaft Gemütlichkeit, gegründet 1887. Als Erste Schützenmeisterin hat sie die Nachfolge des langjährigen Vereinschefs Hermann Schoberer angetreten. Die 50-Jährige begann mit 13 Jahre das Sportschießen und ist mit dem Luftgewehr Deutsche Meisterin in der Mannschaftsaltersklasse.

Vereinsheim des Olchinger Schützenvereins - da war doch was. Ja, natürlich - das neue Schützenheim mit dem Zehnmeter-Schießstand wurde an die Mehrzweckhalle der neuen Mittelschule im Schwaigfeld angebaut. Angesichts von Amokläufen an Schulen war der Bau umstritten gewesen. Seit Januar dieses Jahres ist das Schützenheim fertig und vom Schießstand und Luftgewehren der Sportschützen kann der Besucher vor lauter Kleiderständern mit Trachtentextilien nichts erahnen. "Auf der Brüstung fürs Schießen haben wir heute die Trachtenschuhe und -socken aufgebaut", erklärt Wörmann. An die tausend Sachen hätten Privatleute am Vortag zum Verkauf vorbeigebracht. Das Interesse sei von Beginn an groß gewesen. Bereits vor der Eröffnung morgens um 9.30 Uhr warteten viele Besucher vor der Tür , um die größte Auswahl zu haben. Die freilich gibt es auch kurz vor elf Uhr immer noch: Dirndl in allen Farben von 15 bis 120 Euro, aber auch Schürzen, lange Röcke und Strickjacken einzeln. Für die Männer diverse Janker, kurze und lange Lederhosen und -westen, daneben die Haferlschuhe - alles zu erschwinglichen Preisen. Auch für Kinder gibt es ein reichliches Trachtenangebot.

"Ich schaue so durch, was ich noch so gebrauchen kann", sagt ein Olchinger mittleren Alters. Er begrüßt es, "mit kleinem Geld an Trachten zu kommen" und mustert gerade die Trachtenhemden für zehn Euro das Stück. Er weiß noch nicht, ob die Größe XL oder L passen könnte. Anprobe ist hinter einer großen Stellwand. Die Idee für den Trachtenmarkt aus zweiter Hand hatte das Secondhand-Team der Kindergarteneltern der Kirchengemeinde Sankt Peter und Paul. Diese Initiative organisiert jedes Jahr Ende Oktober den großen Secondhandverkauf im katholischen Pfarrheim. "Schützen und Tracht passt gut zusammen", bekräftigt dann auch Wörmann. Zehn Prozent der Verkaufssumme bekommt der Verein.

Doris Kilfitt ist mit ihren Töchtern Lara, 10 und Lina, 13, gekommen. Gleich mehrere Dirndl nimmt sie mit zur Anprobe. Ihr Favorit: ein weiß-blau gemustertes "Waschdirndl", das Frauen früher in der Waschküche oder bei der Feldarbeit getragen haben. "Wir gehen zum Olchinger Volksfest und aufs Oktoberfest", erzählt Kilfitt. Eine Tochter brauche ein Dirndl für den jährlichen Trachtentag an der Schule. Das schicke Hochzeitdirndl ist noch zu haben. "Das ist Handarbeit", preist Martina Drewnick das Dirndl mit blauem Oberteil und lachsfarbener Seidenschürze an. Zusammen mit einer Bolero-Jacke kostet das 95 Euro. Eine Besucherin probiert es an, hängt es dann aber doch wieder an den Kleiderständer.

Evgenia Neudert war dagegen bei der Suche erfolgreich. "Ich habe einen Rock und eine Strickjacke für zusammen 20 Euro erstanden", erzählt die Olchingerin zufrieden. Ihre achtjährige Tochter trägt stolz eine Kette mit leuchtenden Diamanten um den Hals. "Ketten und Tücher wurden viel gekauft", sagt Drewnick, die den Accessoires-Stand betreut. Vier bunte Weißbierkrüge - Sammlerstücke mit Schwarzwaldhütte oder Neuschwanstein als Aufdruck - fanden für jeweils acht Euro keinen Abnehmer. Drewnick, auch Managerin des Olchinger Secondhand-Teams mit eigener Internetseite, ist zufrieden mit der Premiere des Trachtenmarktes. Sie verspricht eine Wiederholung: "Wir hoffen dann auf die Mundpropaganda für das nächste Jahr."

© SZ vom 25.04.2016

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