Olching Bier und Bretter, Wellness und Wärme

Unter den Ausstellern auf dem Volksfestplatz sind alteingesessene, aber auch neue und junge Firmen. Die Unternehmer suchen dabei ganz bewusst das Gespräch mit den Kunden - ein Rundgang

Von Heike A. Batzerund Erich C. Setzwein, Olching

Es verwundert nicht, dass die Teilnehmer des offiziellen Messerundgangs - Bürgermeister, Gemeinde- und Kreisräte, angeführt von der stellvertretenden Landrätin Martina Drechsler (CSU), und wichtige Verwaltungsmitarbeiter - auf der am Mittwoch eröffneten FFB-Schau gleich am ersten Stand in der Gröbenzell- Halle G hängen blieben. "Umfassende Drucklösung für öffentlichen Verwaltungen" versprach dort eine Werbetafel und "Sonderkonditionen für bayerische Behörden". Das papierlose Büro ist bekanntlich noch nirgendwo Realität, im Gegenteil. Dass noch überall gedruckt wird, ist das Geschäft von Dietmar Gröbl. Er zeigt die neue Generation umweltfreundlicher Workforce-Drucker für den Geschäftsalltag. An seinem Stand aber steht auch eine große Kabine mit 70 hochauflösenden Kameras, die im Zusammenspiel mit bestimmter Software realistische 3-D-Modelle anfertigen. In dieser Kabine wurde auch das 3-D-Bildmaterial, das der Fernsehsender Sky für seine Animationen bei Fußballübertragungen verwendet, hergestellt.

Sie sind die mit Abstand jüngsten Aussteller, und an ihrem kleinen quadratischen Messestand (Halle H der Kreativwirtschaft) gibt es keine Kugelschreiber oder Luftballons. Dafür aber haben Daniel Hehn und Kilian Peschel gute Ideen. Die sind so erfolgreich, dass sich ihre Firma für Webdesign mit dem Namen Pheenetz schon seit zwei Jahren am Markt behauptet. "Wir haben schon fünf Jahre gemeinsame Arbeitserfahrung", sagt Daniel Hehn, der gerade 18 Jahre alt geworden ist, aus Gröbenzell stammt und wie sein Mitschüler und Geschäftspartner Kilian Peschel aus Puchheim die Montessorischule im Münchner Stadtteil Freimann besucht. Die Firma in der Gesellschaftsform einer GbR ist ein Schülerprojekt, das in der Montessorischule entstand. Bei der Jungunternehmermesse in Fürstenfeldbruck stellten die beiden Firmengründer im vergangenen Jahr ihr Konzept vor. Ihr Businessplan scheint aufzugehen, "Verluste machen wir keine, Gewinn aber schon", sagt Hehn sichtlich stolz. Die Kundenakquise sei schwierig, vor allem, weil ja nebenher auch noch der Unterricht laufe und, zumindest bei Hehl, bald das Abitur zu bestehen ist.

Noch jung sind mit Mitte zwanzig auch die Brüder Sari und Sami Sigl, Andreas Mall und Felix Brach, die vor anderthalb Jahren Almighty Boards mit Sitz in Aufkirchen (Gemeinde Egenhofen) gründeten. Ihre Idee: die Funsportarten Boardsport und Slackline vereinen. Sie entwickelten ein Brett, mit dem man sich auf einem Spanngurt bewegen kann, gewannen den ersten Platz bei der Brucker Jungunternehmermesse und waren unter den Finalisten beim Bayerischen Gründerpreis 2016. Auf der FFB-Schau demonstrieren sie an einer kurzen Slackline, wie ihr Slackdeck genanntes Board funktioniert.

Alteingesessen ist dagegen die Eichenauer Firma Seeliger. Dennoch ist auch für den etablierten Ofenbaumeister Till Seeliger wichtig, dass er in Olching vertreten ist. "Nicht hierher zu kommen, kann ich mir nicht leisten", sagt der 48-Jährige angesichts einer wachsenden Konkurrenz der Ofenbauer. Denn Holz als nachwachsender Rohstoff ist als Heizmaterial sehr beliebt, und die Zahl der Häuser, in denen statt eines Brennwertkessels oder einer Wärmepumpe ein mit Holz beheizter Ofen für Warmwasser und Heizung steht, nimmt zu. Wie individuell solche Öfen sein können, welche Formen möglich sind, das zeigt Seeliger in der Halle der Gemeinde Eichenau (Halle K) mit den Modellen, die er von bereits gebauten Kachelöfen gemacht hat. Und um dem Vorurteil, es handle sich um eine alte, unflexible Heiztechnik, entgegenzuwirken, präsentiert Seeliger auch noch eine digitale Regelung, mit der, wie bei der Öl- oder Gasheizung auch, die wichtigsten Parameter auf einen Blick zu sehen sind.

Der Sommelier - Andreas Jais ist auf der Suche nach dem perfekten Fleisch

Wie schmeckt eigentlich Fleisch? Andreas Jais möchte das herausfinden. Dabei möchte man meinen, dass er das als Metzgermeister und Spross des Luttenwanger Innungsobermeisters Engelbert Jais schon weiß. Doch der 26-Jährige will sich auf die Suche nach dem perfekten Fleisch machen und neue Wege gehen. Kürzlich absolvierte er den ersten Kurs des Fleischerverbands Bayern als Fleischsommelier. Man kenne Rind, Pute, Schwein, sagt Andreas Jais, aber als Sommelier lerne man, wie sich Geschmacksunterschiede entwickeln, welchen Unterschied im Fleisch beispielsweise die Art von Fütterung macht - oder eben auch die Art der Reifung. Mit seinem Dry-Aged-Fleisch ist Jais jetzt mit eigenem Stand vor dem Zelt der Metzgerinnung vertreten.

Drei Grills hat er dort aufgebaut: einen normalen Großgrill, einen Oberhitzegrill, der sich auf 800 Grad aufheizt, und einen Smoker, in dem das Fleisch vom Heißrauch gegart wird. Mit "Pulled Pork" genanntem, gezupften Schweinefleisch aus dem Smoker belegt Jais die Semmeln, die auch am Stand verkauft werden. Für seine Vorführungen legt er Dry-Aged-Rindfleisch auf den Grill. Im Gegensatz zur üblichen Nassreifung werden bei der Trockenreifung die Stücke nicht sofort ausgelöst, sondern bleiben am Knochen - 21 Tage lang bei kontrollierter Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Bis vor 40 Jahren war das die übliche Methode. Sie ist aufwendig, weshalb derart hergestelltes Fleisch teurer ist. Aber es schmecke "unvergleichlich", schwärmt der Sommelier. baz

Eine Alternative zur Heimsauna bietet die Firma Axotherm (Halle D) mit ihren Infrarotkabinen. Sie sind etwa so groß wie eine Saunakabine und bestehen aus dem Holz der kanadischen Rot-Zeder. In ihrem Inneren kommt der menschliche Körper durch Infrarotstrahlung quasi ohne große Hitze ins Schwitzen. "Das ist Wellness für zu Hause und tut dem Körper gut", sagt Helmut Backert. Wärmeanwendungen eignen sich für Muskelentspannung, Schmerzlinderung, Stimulation des Immunsystems oder zum Herz-Kreislauf-Ausdauertraining. Der Preis für eine Infrarotkabine beginnt bei etwa 3500 Euro, die Unterhaltskosten, sagt Backert, seien "nicht höher als bei einem Bügeleisen".

In der Halle B/C der Gastgeber aus Olching zeigt sich erstmals die neue Olchinger Braumanufaktur mit ihrem Bier. Deren Gründer und Geschäftsführer, Guido Amendt, verdient sich zur Abwechslung einen Obst-Gemüse-Smoothie, den man am Stand der Olchinger Stadtwerke erradeln kann. Der Tritt in die Pedale liefert die Energie für das Zerkleinern der Früchte. "Man muss hier eigentlich gar nicht raus", lacht Stadtwerke-Geschäftsführer Falk-Wilhelm Schulz. Neben Bier und Obstsaft gebe es auch sehr guten Kaffee - nebenan.