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Olching:Begehrtes Bewegungsangebot

Wandertag Olching

Eine Gruppe aus Thalmassing macht sich auf den Weg: Aus ganz Südbayern kommen wieder die Teilnehmer der längst traditionellen Wandertage der Olchinger Motorsportfreunde.

(Foto: Günther Reger)

Die Wandertage ziehen wieder gut 1000 Teilnehmer an

Es regnet und die Wanderer tröpfeln gegen Samstagmittag nur spärlich wieder im Ziel am Vereinsgelände der Motorsportfreunde (MSF) Olching ein. Darunter auch Michael Zankl, 51, aus Wolfratshausen. Er hat gegen elf Uhr schon die große Runde mit 20 Kilometern absolviert. Der Regen und das schwüle Wetter hat Zankl nichts ausgemacht. Der erste Tag, der Samstag, bei den beiden MSF-Wandertagen fällt förmlich ins Wasser, trotzdem sind 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Strecken über sechs, zehn und 20 Kilometer gegangen. Am Sonntag herrscht strahlend blauer Himmel und die Organisatoren vermelden 700 weitere Teilnehmer. Zukünftig könnten es weniger werden, hat doch der Internationale Volkssport-Verband (IVV) ab 2020 das Startgeld erhöht.

Michael Zankl hat die 20 Kilometer in dreieinhalb Stunden bewältigt. Er ging schon um 7.30 Uhr los. Zankl musste aber die Kontrollstationen suchen und deshalb kleinere Umwege machen. "Die Kontrollstempel hingen im Baum, die habe ich nicht gleich gesehen", monierte der zügige Wanderer. Im Ziel hatte er alle Stempel zusammen und bekam den begehrten Eintrag in sein Wanderbuch. Zankl begann vor 19 Jahren nach einer längeren Auszeit wieder mit dem organisierten Wandern. Jetzt pirscht er sich an 12 000 Wanderkilometer heran und wird dann das dafür vorgesehene Abzeichen erhalten. Stempellos blieb am verregneten Samstag die 14-köpfige Wandergruppe, die aus Kufstein in ihren roten Shirts angereist war. "Nach genau 660 Metern sind wir umgedreht, weil es plötzlich gegossen hat", erzählt Elfie Schöffauer und lacht. Die Gruppe wollte sechs Kilometer unter die Füße nehmen. Auf den Tischen der Kufsteiner im MSF-Vereinsheim stehen diverse Getränke und einige Schnapsgläschen. Schnaps? "Wir sind doch Tiroler", sagt Schöffauer und die anderen Kufsteiner stimmen gut gelaunt zu, "da muss ein Marillenschnaps als Starthilfe schon mal sein". Ob sie noch einmal rausgehen sei ungewiss. "Der gute Wille zählt", meint Elfie Schöffauer und hat wieder alle Lacher auf ihrer Seite.

Der Kufsteiner Wanderverein hat 200 Mitglieder, der vom Illerwinkel aus Illerbeuren bei Memmingen nur noch 30 und ist stark überaltert. "Für die Jungen ist Wandern kein attraktiver Sport", sagt Stefan Nenning, 60, der seit 25 Jahren die Illerwinkler-Wandergruppe leitet. Immer mehr Wandervereine in Südbayern würden aufgeben. Im Bezirk Schwaben zählt Nenning nur noch 30 Vereine zusammen. Entsprechend würden die Wanderangebote der Vereine stark abnehmen. Früher habe er mindestens 40 Wanderungen pro Jahr gemacht, jetzt 17. Nenning war im Auto mit Henriette Köllner und Walli Zimmer nach Olching angereist. Die beiden 73-jährigen Frauen, die sechs Kilometer gegangen sind, sind seit Jahrzehnten dabei und genießen das Gemeinschaftserlebnis.

Die zweitägigen Wandertage sind für den MSF Olching ein enormer Aufwand. "Wir brauchen 30, 40 Leute für die Organisation", erklärt Herbert Kluge, der Vorsitzende des Vereins. Die zusammen zu bringen sei immer wieder ein Kraftakt. Kluge selbst hat einen behinderten Wanderer am Morgen vom S-Bahnhof abgeholt. Jetzt gibt er die Startkarten aus. Am Tisch neben ihm sitzt Marion Filser aus Dachau. Sie ist oberbayerische Bezirksvorsitzende des IVV und Abzeichenwartin. Filser kritisiert die Startgelderhöhung von zwei auf drei Euro, die der Verband beschlossen hat, sehr heftig: "Das wird sich negativ bemerkbar machen und uns doch Teilnehmer kosten."

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