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Olching:Angelegenheit des Herzens

Maria Hartl

"Im Frühjahr wird gebaut": Maria Hartl ist optimistisch, was Olchings Südwestumfahrung betrifft.

(Foto: Maria Hartl/oh)

Maria Hartl kämpft seit 28 Jahren für Olchings Südwestumfahrung

Von Karl-Wilhelm Götte, Olching

Es gibt für Menschen wichtige Anliegen, die zur dauerhaften Lebensaufgabe werden. Maria Hartl und die Olchinger Südwestumgehung sind ein Synonym. Die langjährige CSU-Stadträtin gilt als "Frau Südwestumfahrung". Andere hätten sicherlich schon aufgegeben, Maria Hartl bleibt hartnäckig dran. "Ich habe schon 1991 als stinknormale Bürgerin angefangen", sagt sie rückblickend. Schon damals war ihr klar, dass die Anwohner an der Fürstenfeldbrucker und Roggensteiner Straße eine Entlastung vom Verkehr brauchen. Das war vor 28 Jahren; seitdem hat sich das Verkehrsaufkommen noch einmal drastisch erhöht. Natürlich ist das auch innerörtlicher Verkehr, aber auch viel zu viele Autos und Lastkraftwagen, die zwischen Maisach/Gernlinden und Eichenau vor- und rückwärts Tag und Nacht unterwegs sind.

Natürlich geht Maria Hartl alles viel zu langsam mit der praktischen Umsetzung der Umfahrung Olchings. Trotzdem ist sie weiterhin sehr optimistisch, dass die Bagger bald anrollen werden. "Wir haben nach wie vor Baurecht", kommentiert Hartl den momentanen Stillstand. "Es geht nur ums Hochwasser auf der Trasse." Diese Daten seien neu ermittelt worden. Hartl sicher: "Die Zahlen sind nicht schlechter als vorher." So gehe der anstehende Erörterungstermin im Planänderungsverfahren nur um diesen einen Punkt und nicht darum, das ganze Paket wieder aufzuschnüren, wie es die Gegner der Südwestumfahrung verbreiten würden.

Die Gegner sind politische Schwergewichte, wohnen aber nicht in Olching. Da ist vor allem der Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Runge aus Gröbenzell. Zuletzt hat sich auch der stellvertretende Ministerpräsident Hubert Aiwanger, der in einem kleinen Dorf in Niederbayern wohnt, im Maisacher Volksfestzelt lautstark und ablehnend in die Debatte um die Südwestumfahrung eingemischt. "Jetzt wollen sie im Landtag die Umfahrung blockieren", meint Hartl und teilt aus: "Da kann ich nur lachen." Sie musste in den vergangenen Wochen ein Leserbrief-Stakkato der Umfahrungsgegner aushalten. "Da wird gelogen", sagt sie nachdrücklich und wertet diese Aktion als Kampagne, um Stimmung zu machen. Sie benennt ihn nicht ausdrücklich, aber es wird deutlich, dass sie vor allem Runge hinter allen Aktivitäten kontra Umfahrung vermutet.

Als Maria Hartl die Südwestumfahrung zu ihrer Herzensangelegenheit gemacht hat, war sie 32 Jahre alt. Heute ist sie 60 und seit zwei Jahren zweite Bürgermeisterin der Amperstadt. Ihre kommunalpolitische Laufbahn begann 1996.

Damals kandidierte Maria Hartl erstmals für den Gemeinderat. Da war sie noch längst nicht Mitglied der CSU. Erst 2001 ist sie in die Partei eingetreten. Natürlich hat ihr das Bürgermeisteramt neues Selbstbewusstsein verliehen. Sie versteckt sich nicht, das ist überhaupt nicht ihre Art, hinter diplomatischen Floskeln. Im Gegenteil: "Es wird gelogen", sagt sie und man spürt ihre Empörung. Umfahrungsgegner haben als Szenario einen Damm in die Debatte gebracht, auf dem die Umfahrung asphaltiert werden soll. "Es wird nichts aufgeständert", hält Hartl entschieden dagegen. Sie würde sich wünschen, dass die Befürworter der Umfahrung sich ähnlich lautstark zu Wort melden.

Beschlossen hat sie im Stadtrat eine große Koalition aus CSU und SPD. Zusätzlich zum anstehenden Plan-Änderungsverfahren müssen auch noch Grundstücke für die Umfahrung erworben werden. "Sieben, acht Eigentümer müssen noch überzeugt werden", meint Hartl. Die letzte Erörterung fand 2012 statt. "Die Plakate von damals habe ich noch", sagt sie und wird sie, wenn nötig, zum neuen Termin wieder in der ersten Reihe der Demonstration Pro-Umfahrung hoch halten. So oder so bleibt Hartl optimistisch: "Im Frühjahr 2020 wird gebaut."

© SZ vom 03.09.2019
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