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Olching:60 Jahre im Dienst Gottes

Pfarrer Aicher

Pfarrer Josef Aicher hält noch immer einen engen Kontakt zu Olching, obgleich er längst im kongolesischen Yaloya wirkt.

(Foto: privat)

Der Olchinger Ehrenbürger Josef Aicher feiert diamantenes Priesterjubiläum. Die Pfarrei schickt ihrem ehemaligen Kaplan Glückwünsche in den Kongo, wo der Geistliche seit Jahrzehnten Entwicklungshilfe leistet

Von Katharina Knaut, Olching

Eigentlich hatte der damalige Erzbischof Joseph Kardinal Ratzinger, inzwischen emeritierter Papst Benedikt XVI., den Olchinger Kaplan Josef Aicher nicht gehen lassen wollen. Bereits in den Siebzigern herrschte Priestermangel, jeder wurde gebraucht, erzählt Josef Steindlmüller, Pfarradministrator im Pfarrverband Esting-Olching. Doch schon damals wusste Aicher, der 1933 in Petting am Waginger See geboren wurde, wo er sein Priesterleben verbringen wollte. "Er sagte: Herr Kardinal, das ist meine Berufung", erzählt Steindlmüller. So habe ihm Aicher die Geschichte berichtet. Ratzinger soll schließlich eingewilligt haben. Und der damalige Olchinger Kaplan ging nach Yaloya, einer abgeschiedenen Pfarrei im Dschungel der Demokratischen Republik Kongo. Dort setzte er sich fortan für die Menschen seiner Gemeinde ein. Aufgrund seines Wirkens erhielt er das Bundesverdienstkreuz, die Stadt ernannte ihn zum Ehrenbürger Olchings. Nun beging Aicher sein diamantenes Priesterjubiläum: Vor 60 Jahren wurde er am Hochfest der Apostel Petrus und Paulus im Dom zu Freising zum Priester geweiht. Dieses Ereignis habe eine besondere Bedeutung, erklärt Josef Steindlmüller. "Es ist eine Lebensentscheidung, ähnlich einer Ehe."

Die zweite Lebensentscheidung für Aicher fiel, als er 18 Jahre später Olching verließ, um seine Arbeit vollständig der Pfarrei Yaloya zu widmen. Bis heute fördert er den Bau von Schulen, unterstützt die unentgeltlich arbeitenden Lehrer, veranlasst die Sanierung von Straßen und Brücken, die das Gebiet mit der Außenwelt verbinden und kämpft für den Erhalt des Regenwaldes.

"Josef Aicher hat sich den Menschen verschrieben und seine eigenen Bedürfnisse zurückgestellt. Er ist ein großes Vorbild", sagt Maximilian Gigl, Vorsitzender der Kolpingsfamilie Olching. Der Verein gründete nach dem Weggang des inzwischen 87-Jährigen den "Förderkreis Kaplan Josef Aicher", der bis heute die Projekte des Pfarrers unterstützt.

Trotz der Entfernung von mehreren Tausend Kilometern blieben sich die Olchinger und ihr ehemaliger Kaplan eng verbunden. Bei seinen Heimatbesuchen kommt er regelmäßig in die Amperstadt und trifft alte Bekannte. Das sei etwas Besonderes, sagt Steindlmüller: "Es ist selten, dass ein Priester nach so langer Zeit noch immer im Gedächtnis der Leute verankert ist." Er und die Kolpingsfamilie schickten Aicher anlässlich des diamantenen Jubiläums Glückwünsche nach Yaloya. Ihr Ziel konnten sie nur mit einigen Umwegen erreichen: Da es in Yaloya kein Internet gibt, mussten die Nachrichten via Mail übermittelt und anschließend per Funk weitergeleitet werden, erzählt Gigl.

Eigentlich wollten er und Steindlmüller Aicher persönlich gratulieren. Anlässlich seines Jubiläums hatte der 87-Jährige einen Besuch in Deutschland geplant. Die Mitglieder des Kolpingheims wollten eine Veranstaltung organisieren. Der Pfarrer sollte außerdem an der Heiligen Messe in Olching teilnehmen. Die Corona-Pandemie brachte sämtliche Pläne zum Scheitern. Aicher beging daher sein 60. Priesterjubiläum im Kongo. Einen Tag vor dem 60. Jubiläum der Unabhängigkeit der Demokratischen Republik Kongo.

© SZ vom 04.07.2020

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