Öffnung:Runderneuerte Straße quert altbekannte Rollbahn

Jesenwang: Verkehrsfreigabe / Durchgangsstrasse / Radweg am Flugplatz

Langer Plan, lange Straße, langer Radweg (von links): Adelshofens Zweiter Bürgermeister Johann Siebenhütter, Jesenwangs Bürgermeister Erich Fraunhofer, die Ingenieure Hans und Johannes Lais und Baufirmenchef Klaus Jooss.

(Foto: Johannes Simon)

Die sanierte Ortsverbindung von Jesenwang nach Adelshofen sowie ein Radweg werden für den Verkehr freigegeben

Von Stefan Salger, Jesenwang

Es dürfte die kurioseste Kreuzung weit und breit sein: Lässt man Jesenwang hinter sich und gleich danach noch die lang gezogene Rechtskurve, dann folgt auf dem Weg nach Adelshofen eine leichte Steigung - vor allem aber eine manchmal unüberwindliche Hürde. Dort stehen scheinbar mitten in der Landschaft zwei Ampeln für jede Fahrtrichtung. Zeigen die Rot, dann geht erst mal nichts, dann ist Geduld gefragt. Denn hier kreuzen keine Autos oder Lastwagen, hier kreuzen Sportflugzeuge, darunter einige ganz veritable Doppeldecker-Oldtimer. Dann steht man am Schnittpunkt der Ortsverbindungsstraße mit der Start- und Landebahn des kleinen Jesenwanger Flughafens und muss den Fliegern Vorfahrt lassen. An diesem ziemlich einmaligen "Mischverkehr" der Fahr- und Flugzeuge wird sich so schnell nichts ändern. Immerhin ist nach mehrmonatigen Bauarbeiten nun der Straßenbelag erneuert worden. Und gleich neben dem Asphaltband wird der Fahrradweg bis nach Adelshofen weitergeführt.

Am Dienstag um Punkt elf Uhr ist es so weit: Da wird das weiß-blaue Absperrband in kleine Schnipsel zerteilt. Denn Politiker und Experten, die feierlich die Wiedereröffnung der Straße zelebrieren, sind zahlreich erschienen und stehen Spalier von einer Straßenseite zur anderen. Irgendein vorausschauender Mensch hat Scheren im Dutzendpack mitgebracht. Beflügelt wird die schneidende Prominenz vom schneidend kalten Wind, der übers flache Land weht. In Minutenfrist ist alles erledigt. Im besser temperierten Restaurant Fly In am Rande des Flugfelds erläutert Jesenwangs Bürgermeister Erwin Fraunhofer die Details.

Ein Grund ist gewiss die Einhaltung des Kostenrahmens, ein weiterer die Einhaltung der Bauzeit: Was am 24. Juli begann, wurde inklusive Markierungen und dem Aufstellen von Verkehrszeichen am 30. November abgeschlossen. Das ist bekanntlich nicht bei allen Bauprojekten so. Das wissen die zahlreichen Gemeinderäte ebenso wie Flugplatzchef Max Walch junior, Klaus Jooss von der Baufirma sowie die Ingenieure Hans und Johannes Lais. Und das weiß auch Adelshofens Zweiter Bürgermeister Johann Siebenhütter, der den erkrankten Michael Raith vertritt. Adelshofen zahlt für das auf seinem Gemeindegrund verlaufende 700 Meter lange Teilstück etwa 660 000 Euro, Jesenwang für seine 300 Meter etwa 275 000 Euro.

Fraunhofer ruft noch mal die gelinde gesagt "interessante Vergangenheit dieser Gemeindeverbindungsstraße" in Erinnerung: Um Autos und Flugzeuge auseinanderzudividieren, hatte man zunächst über die westliche Verlegung der Fahrbahn nachgedacht. Das scheiterte am fehlenden Grund und auch an der Sorge, dass damit einer nicht gewollten Flugplatzerweiterung Tür und Tor geöffnet werden könnte. Auch ein Tunnel wurde schnell verworfen.

Besonders ärgerten sich Politiker beider Gemeinden über die hartnäckige Weigerung der Regierung von Oberbayern, die Hälfte der Kosten für die Fahrbahnsanierung zu übernehmen. Diese kuriose Hürde mit Lichtzeichenanlage zwischen den beiden Dörfern war der Bezirksregierung ein Dorn im Auge. Bestätigt wurde sie in dieser Haltung vom Verwaltungsgericht. Deshalb einigten sich die beiden Partner am Ende, auf Zuschüsse zu pfeifen und die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Am Ortseingang von Adelshofen wurde nun in einem Aufwasch gleich eine Querungshilfe eingebaut, die Telekom verlegte eine DSL-Leitung und der Flugplatz erneuerte die Ampelanlage. Fraunhofer dankt den Bewohnern von Pfaffenhofen, die während der Straßensperrung den Umleitungsverkehr abbekamen. Und er dankt der Familie Walch. Denn als im Bereich der Rollbahn gebaut wurde, da herrschte nicht nur am Boden, sondern auch in der Luft zwangsläufig Stillstand, musste der kleine Flughafen dann doch den Betrieb zeitweise einstellen.

© SZ vom 06.12.2017
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