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Orkantief "Niklas":Böen mit Tempo 144

Das Sturmtief richtet im Landkreis Schaden in noch unbekannter Höhe an. Ein Autofahrer wird durch den Orkan leicht verletzt, der Strom fällt aus, die S-Bahn kann zeitweise nicht fahren, Straßen werden gesperrt.

Sturmtief Niklas hat die Einsatzkräfte im Landkreis den ganzen Dienstag über nicht losgelassen. Alleine die Feuerwehren waren bis zum frühen Abend mehr als 380 Mal im Einsatz, die Zahl wuchs aber auch danach ohne Unterbrechung weiter an. Einige Straßen blieben bis zum Mittwochmorgen gesperrt, darunter die B 2 auf Höhe Hoflacher Berg und die Kreisstraßen FFB 2 zwischen Kottgeisering und Jesenwang, FFB 6 zwischen Grafrath und Moorenweis und FFB 7 zwischen Mauern und Schöngeising. Wegen des Sturms wäre es für die Einsatzkräfte lebensgefährlich gewesen, die Bäume und Äste auf den Fahrbahnen zu beseitigen. Auch einige Ortsverbindungsstraßen wie die Ascherbachstraße zwischen Gröbenzell und Olching waren deswegen nicht befahrbar. Die Windkraftanlage der Stadtwerke maß Windgeschwindigkeiten mit Höchstwerten von rund 144 Kilometern pro Stunde und schaltete sich deswegen gegen Mittag für eine knappe halbe Stunde automatisch ab.

Nicht nur einige Straßen sollten vorerst gemieden werden. Die Behörden warnen dringend vor Waldbesuchen in den nächsten Tagen. Viele Wege seien durch die Schäden ohnehin nicht passierbar. Vor allem aber geht von den Bäumen Gefahr aus, die beschädigt wurden, aber noch nicht umgefallen sind. Diese könnten durch weitere Stürme umstürzen. Auch danach bleibt die Gefahr. Am Osterwochenende sollen Spaziergänge deswegen auf keinen Fall durch die Wälder führen.

Wie gefährlich die umfallenden Bäume sein können, zeigte sich am Dienstag. Gleich zwei Mal stürzten Bäume auf fahrende Autos, beide Unfälle ereigneten sich auf der B 471. Am Vormittag wurde in der Nähe von Grafrath niemand verletzt. Am frühen Abend erlitt der Fahrer leichte Verletzungen, als ein Baum in der Nähe des Coca-Cola-Werks auf die Windschutzscheibe seines Wagens fiel.

Der Südwesten des Kreises gehörte gemeinsam mit Germering, Gröbenzell, Geiselbullach, Olching und Fürstenfeldbruck selbst zu den Regionen, die am stärksten von Sturmschäden betroffen waren. In Grafrath, Hörbach, Kottgeisering, Luttenwang und Moorenweis fiel wegen eines Schadens in einer Mittelspannungsleitung zwischenzeitlich der Strom aus. Etwa 1500 Haushalte waren davon betroffen. Darüber hinaus kam es zu vereinzelten weiteren Ausfällen. Die Stadtwerke waren bis zum Einbruch der Dunkelheit damit beschäftigt, die Versorgung überall wiederherzustellen. In Gernlinden musste der Strom zwischenzeitlich abgeschaltet werden, um einen Baum zu entfernen, der auf eine Leitung gefallen war. Die Eichenauer Feuerwehr verzeichnete laut Andreas Capallo bis zum frühen Abend 63 Einsätze. Hauptsächlich wegen auf Dächer und Autos gestürzter Bäume waren die Einsatzkräfte unterwegs, unterstützt vom THW aus Bruck. Versorgt wurden die unermüdlichen Feuerwehrleute von der örtlichen BRK-Bereitschaft

Zwischen Langwied und Lochhausen hatte am Vormittag ein Baum einen Stromabnehmer einer durchfahrenden S 3 beschädigt. Die Fahrgäste mussten auf freier Strecke aussteigen, ein Ersatzverkehr mit Taxis wurde eingerichtet. Zumindest zwischen dem Ostbahnhof und Buchenau konnten die Züge später im 20-Minuten-Takt verkehren. Am Bahnhof Buchenau, zerlegte der Sturm ein Wartehäuschen an den Gleisen und trug das Dach eines Bushäuschens ab. In Gröbenzell wurde ein Trampolin über die Straßen geweht, an mehreren Orten lösten sich Blechteile von Gebäuden. In Eichenau, Neulindach, Gernlinden und anderen Orten wurden Dächer und Balkone durch umgeworfene Bäume beschädigt.

"Das war für uns in dieser Häufung ungewöhnlich", berichtet Florian Scharf, der als Schichtleiter in der Integrierten Leitstelle die Einsätze koordiniert hatte. Leitstelle und Wehren hatten sich bereits im Voraus abgestimmt, nachdem der Deutsche Wetterdienst hatte vor orkanartigen Böen im Landkreis gewarnt hatte.

© SZ vom 01.04.2015
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