Neuer Vorschlag:Kiesabbau auf dem Schießstand

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FÜRSTENFELDBRUCK:  Pressegespräch der Fraktion der Freien Wähler im Stadtrat von Fürstenfeldbruck

Zu aktuellen Themen der Stadtpolitik nehmen Markus Droth (links) und Georg Stockinger bei der Sommer-Pressekonferenz Stellung.

(Foto: Leonhard Simon)

Freier Wähler schlagen Bundeswehrgelände als Alternative zu den umstrittenen Abbauplänen im Rothschwaiger Forst vor. Allinger Bauunternehmer soll Grundstückstausch eingehen

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

In der Debatte um den umstrittenen Kiesabbau in Bruck haben die Freien Wähler einen neuen Vorschlag eingebracht. Sie wollen, dass der Rohstoff auf dem Gelände der Bundeswehr nordöstlich des Pucher Meeres ausgebaggert wird statt im Rothschwaiger Forst, wo 15 Hektar Wald vernichtet würden. Die Stadtratsfraktion appellierte auf einer Pressekonferenz an den Allinger Bauunternehmer Thomas Vilgertshofer, auf einen Tausch einzugehen.

Der drohende Kahlschlag im Wald sorgt für einige Aufregung. CSU und Grüne wollen, dass der Kies stattdessen östlich der alten Grube in Richtung der B 2 gewonnen wird. Das wiederum behagt den Freien Wählern nicht. "Das wäre eine Rolle rückwärts und die zweitbeste Lösung. Denn das Areal ist für die nächste und übernächste Generation eine wichtige Erweiterungsfläche", sagte der Fraktionsvorsitzende Markus Droth. Der aktuellen Bundeswehr-Schießplatz bietet aus Sicht der Freien Wähler mehrere Vorteile. Das Gelände liegt abseits der Wohnbebauung, nach dem Abbau könnte das Areal so gestaltet werden, dass das Erholungsgebiet Pucher Meer vergrößert werden kann. Eine Verkehrsanbindung ist vorhanden und die Bundeswehr wird ohnehin abziehen. Das Gelände wird von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) verwaltet.

Georg Stockinger, der Vorsitzende der Brucker Freien Wähler, der die alte Kiesgrube seinerzeit an Vilgertshofer verkauft hat, erinnerte an die Vorgeschichte. Er selber habe 2011 beantragt, auf der östlichen Fläche Kies abbauen zu dürfen. Die Stadt habe ihn aber gebeten, darauf zu verzichten und in den Rothschwaiger Forst auszuweichen. So sei das dann auch im Regionalplan verankert worden. Nun habe Vilgertshofer den Antrag gestellt, dort Kies abzubauen und er habe auch das Recht dazu, betonte Stockinger. "Wir können ihn nur bitten, es nicht zu tun."

Für die Freien Wähler steht auch fest, dass Kiesgruben gebraucht werden. Stockinger verwies auf eine Statistik, wonach jeder Bürger in Bayern acht Tonnen Sand und Kies im Jahr verbraucht. Allerdings wäre es sinnvoll, wenn die Stadt einen direkten Nutzen von einem Abbau vor der Haustüre hätte, statt dass das gesamte Material mit Lastwagen woanders hin transportiert wird, meinte Stockinger.

Das zweite große Thema auf der Pressekonferenz waren die Finanzen. Zur Entlastung der Kommune möchte die FW-Fraktion das Kapital der Bürger mobilisieren. Man werde beantragen, dass die Stadt prüft, ob für gewisse Aufgaben nicht kommunale Unternehmen als GmbHs gegründet werden sollten, kündigte Droth an. Er denkt an eine städtische Immobilien- und Wohnungsbaugesellschaft, aber auch an den Bau von Sportanlagen. Solche Gesellschaften könnten Kredite aufnehmen und Anleihen ausgeben. Die Kommune würde den Bürgern, die sich beteiligen, eine Mindestverzinsung garantieren. Damit die Unternehmen erfolgreich wirtschaften sei allerdings ein Projektmanagement notwendig, "von oben in der Stadt geführt", sagte Droth. Stockinger hält insbesondere für den Wohnungsbau ein solches Unternehmen für notwendig, weil die Landkreis-Gesellschaft "nicht funktioniert".

Ein Aspekt für die FW ist das Geld, der andere eine Entlastung der Rathausverwaltung. "Raus aus der Stadtverwaltung, aber unter Kontrolle des Stadtrates", laute das Prinzip, sagte Stockinger. Er erinnerte an die Bebauung städtischer Grundstücke am Sulzbogen, über die vier Jahre lang diskutiert worden sei, bis sich herausstellte, dass die Verwaltung das Projekt nicht stemmen könne, und der Bau an einen externen Träger vergeben wurde. Stadtrat Franz Neuhierl berichtete, dass die Kommune 20 Millionen Euro an Investitionen eingeplant habe, aber bislang nur zwei Millionen abgerufen worden seien, "weil die Verwaltung nicht dazu in der Lage ist, alles umzusetzen". Das gelte auch für die Konversion des Fliegerhorstes, sagte Droth. Seiner Ansicht nach ist die Stadt auf den Abzug der Bundeswehr derzeit nicht vorbereitet. Notwendig sei eine Gesamtplanung, nicht bloß eine isolierte Betrachtung des Fliegerhorstes, sagte Neuhierl. Stockinger verwies darauf, dass der Flächennutzungsplan von 1985 stamme und inzwischen vielfach abgeändert worden sei.

Außerdem fordern die FW sanitäre Anlagen für den Sportplatz auf der Lände anzulegen, notfalls Container aufzustellen. Der Footballverein Razorbacks hat etwa 250 aktive Spieler, zu den Spielen kommen im Durchschnitt etwa 400 Besucher, der Spitzenwert liege bei 800, berichtete Heike Schmidtke, die Schriftführerin der FW und Vorsitzende des Razorback-Fördervereins. Es gebe weder Umkleiden noch ausreichende Toiletten. Die Spieler würden sich auf dem Sportplatz umziehen und die 80 Chearleader dafür auf einer Toilette drängen. Droth möchte Container aufstellen in Richtung zum alten Schlachthof hin, wo es bei Konzerten von Subkultur auch an sanitären Anlagen mangelt.

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