Nahverkehr:Petition für Außenbahnsteig

Nahverkehr: Auch wenn sich die Demonstranten in Puchheim unbeschwert zeigen, mit einem barrierefreien Ausbau des Bahnhofs meinen sie es durchaus ernst.

Auch wenn sich die Demonstranten in Puchheim unbeschwert zeigen, mit einem barrierefreien Ausbau des Bahnhofs meinen sie es durchaus ernst.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Parteien, Verbände und Seniorenbeirat werben für einen behindertengerechten Zugang am Bahnhof Puchheim

Von Karl-Wilhelm Götte, Puchheim

Auch die Bundestagskandidaten Michael Schrodi (SPD), Beate Walter-Rosenheimer (Die Grünen) und Ulrich Bode (FDP) sind anwesend. Puchheimer Parteigruppierungen und Vertreter der örtlichen Senioren-, Behinderten- und Umweltbeiräte sind ebenfalls gekommen, um sich weiterhin für einen behindertengerechten S-Bahn-Außenbahnsteig im Norden des S-Bahnhofs Puchheim zu engagieren. Vor der Puchheimer Stadtratssitzung, die am kommenden Dienstag über den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs beraten und entscheiden wird, will die Versammlung noch einmal ihren Standpunkt darlegen.

Auch Behinderte im Rollstuhl lauschen zunächst Thomas Brückner vom Verkehrsforum Fürstenfeldbruck, der den aktuellen Stand erläutert und über die Petition an den bayerischen Landtag zum uneingeschränkt barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe von der Münchner Leienfeldstraße bis Eichenau mit S-Bahn-Außenbahnsteigen berichtet. Der Puchheimer Senioren- und Behindertenbeirat hatte bereits eine Petition mit Unterschriften von 3300 Bürgerinnen und Bürger ans bayerische Verkehrsministerium gerichtet. Eine Antwort bekamen die Petenten bisher nicht. "Warum geht kein Außenbahnsteig, und was will die Ministerin?", fragt Ingrid Kroppen vom Puchheimer Behindertenbeirat in die Runde und zeigt sich sehr ungehalten über das Vorgehen des Ministeriums, das ein Gutachten hat ausarbeiten lassen. "Das kennt nur die Ministerin", sagt Kroppen und will wissen: "Was steht da drin?" Die Bahnstrecke werde für die nächsten 50 Jahre geplant. Die behinderten Menschen fühlten sich nicht berücksichtigt, wenn der Außenbahnsteig nicht komme. Kroppen erinnert an das Dilemma in Gröbenzell, wo am S-Bahnhof seit zwei Jahren der Aufzug nicht funktioniere. Ein anwesender Rollstuhlfahrer berichtet von seinem "großen Stress" statt mit der S-Bahn mit dem eigenen Auto fahren zu müssen. "Ich werde zum Autofahren gezwungen", klagt der Mann.

Nachdem Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) eine viergleisige Planung von München-Pasing bis zum Bahnhof Eichenau in Aussicht gestellt hat, habe die Deutschen Bahn einen Wechsel der Gleisbelegung angekündigt, sagt Brückner. "So sollen die S-Bahngleise in die Mitte gelegt werden und die Ferngleise außen verlaufen." Da die Mittelbahnsteige in einer viergleisigen Anlage auch von den Fahrgästen nur über Treppen, Aufzüge oder lange Rampen erreicht werden können, würden gerade für Behinderte neue Barrieren errichtet werden. Deshalb hat das Verkehrsforum nochmals eine weitere Petition an den bayerischen Landtag auf den Weg gebracht, die von einem breiten Bündnis aus Parteien, Verbänden, darunter der Bund Naturschutz, das Diakonische Werk und die Caritas, von München bis Fürstenfeldbruck unterstützt wird. Alle Brucker Kreistagsfraktionen stehen ebenfalls auf der Unterstützerliste, nur die CSU fehlt.

"Alle Parteien sind angefragt worden, die CSU hat sich nicht gerührt", teilt Brückner der Versammlung mit. "Mittelbahnsteige brauchen viel mehr Platz", erläutert er, "ich verstehe nicht, wie man so etwas planen kann." Wo jetzt die Radlständer stünden, käme das leicht zugängliche barrierefreie Außengleis hin, deutet Brückner auf die dort abgestellten Fahrräder. "Es geht um die Menschen, nicht um die Vorteile der Bahn", sagt er noch, "dass diese zwei Weichen einsparen." Brückner verspricht sich einiges von der erneuten Petition.

Der Brucker SPD-Stadtrat Mirko Pötzsch, der zum Sprecherkreis der Bürgerinitiative S 4-Ausbau gehört, mahnt die Versammlung nicht die Deutsche Bahn verantwortlich zu machen, sondern das jeweilige Verkehrsministerium in Bund und Land, das die Vorgaben für die Bahn erarbeitet. "Bei den bisherigen Bundesministern Dobrindt und Scheuer von der CSU weiß man, wo man am Sonntag das Kreuz machen muss", merkt Schrodi an und Walter-Rosenheimer nickt nachdrücklich dazu. Pötzsch kündigt ein Gespräch im bayerischen Verkehrsministerium an, allerdings ohne Ministerin Schreyer.

Verteilt wird anschließend noch ein Antragstext für die kommende Puchheimer Stadtratssitzung. Unterzeichnet von Stadträten der UBP, den Freien Wählern und der FDP wollen diese die Vertreter der Stadtratsmehrheit aus SPD, CSU und den Grünen, die der vom Verkehrsministerium vorgesehenen Variante mit Mittelbahnsteig, neuer Unterführung und Aufzug für die S-Bahn zuneigen, doch noch überzeugen, diese abzulehnen.

© SZ vom 23.09.2021
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