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Nach vielen Jahren:Etappenziel erreicht

Bahnhofstraße

Dauerbrenner im Gemeinderat: ein Bebauungsplan für die Bahnhofstraße in Gröbenzell.

(Foto: Günther Reger)

Gemeinderat Gröbenzell billigt Plan für die Bahnhofstraße

Von Ariane Lindenbach, Gröbenzell

Manche Dinge brauchen etwas Zeit: Etwa der Bebauungsplan Bahnhofstraße, den die Gemeinde Gröbenzell seit Jahrzehnten aufstellen will. Insofern ist der Gemeinderat am Donnerstag durchaus einen großen Schritt weitergekommen. Das Gremium billigte gegen eine Stimme den Planentwurf für den Bebauungsplan "Bahnhofstraße West". Einstimmig votierten die Kommunalpolitiker für ein Umlegungsverfahren zur Realisierung des Bebauungsplans.

Laut Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) ist der Gemeinderat seit 22 Jahren damit beschäftigt, für die Verbindungsstraße Richtung Olchinger See in der nördlichen Ortshälfte einen qualifizierten Bebauungsplan zu erstellen. Peter Falk (SPD) zufolge ist das Thema bereits seit den Sechzigerjahren präsent. Seit 2001 gab es 54 Sitzungen dazu, Bürgerwerkstätten, einen Bürgerentscheid, Fledermausmonitoring und zahlreiche andere Untersuchungen. Vor etwa einem Jahr beauftragte der Gemeinderat einen anderen Planer, das Büro Dragomir Stadtplanung, mit der Aufstellung eines Bebauungsplans "Bahnhofstraße West".

Rund zwölf Monate später stellen Bettina Gerlach und Lea Hickl vom Büro Dragomir die wesentlichen Punkte der neuen Planung vor: Das Gebiet soll zur Bahnhofstraße hin durchgehend als Mischgebiet, in unmittelbarer Bahnhofsnähe als urbanes Gebiet, definiert werden; die rückwärtigen Bereiche werden als allgemeines Wohngebiet festgesetzt. Alle neuen Gebäude werden mit Flachdächern gebaut. Gegen diesen Punkt wehrte sich CSU-Rat Anton Kammerl vehement, insbesondere wegen des Grundstücks Grüner Baum; er stimmte als einziger gegen den Billigungsbeschluss.

Eine Verkehrsfläche für alle, vom Fußgänger bis zum Lkw-Fahrer, wie sie unter anderem in einer Bürgerwerkstatt angedacht worden war, ist Gerlach zufolge kaum realisierbar, da die Bahnhofstraße zu stark frequentiert ist - zumindest ab der Schubertstraße. Alternativ soll entlang der Bahnhofstraße ein mindestens fünf Meter breiter Streifen für den urbanen Raum entstehen: Platz für Tische und Stühle von Lokalen, für die Aussteller der Läden oder Fahrradständer. Im rückwärtigen Bereich ist ein zwölf bis 35 Meter breiter Grünkorridor vorgesehen: als Ausgleich, grüne Lunge, Puffer zu Nachbargrundstücken und vor allen Dingen als Lebensraum, Rückzugsort und Jagdgebiet für Tiere.

Über weitere Eckpunkte stimmte der Gemeinderat am Donnerstagabend mit unterschiedlichen Mehrheiten ab: So darf dort ein Hotel entstehen mit maximal 80 Zimmern und 120 Betten - dafür sind die Grundstücke laut Bürgermeister aber viel zu klein. Deshalb wurde der Vorstoß seines Stellvertreters Martin Runge (Grüne), die Bettenzahl zu begrenzen, von den Gemeinderäten nicht aufgegriffen. Ebenfalls auf Runges Anregung wurde die Höhe für Fotovoltaikanlagen auf Dächern für mehr Effizienz von einem auf 2,50 Meter angehoben; die Anlagen dürfen von der Straße aus nicht zu sehen sein. Die Beschränkung der Verkaufsfläche eines Lebensmittelmarktes auf 400 Quadratmeter - eine der Forderungen aus dem Bürgerentscheid - ist rechtlich gar nicht zulässig. Zudem geht der Trend nun offenbar wieder zu kleineren Geschäften, wie mehrere Gemeinderäte in jüngster Zeit beobachtet haben.

Der Bebauungsplan "Bahnhofstraße West" wird nun bis Mitte Mai öffentlich ausgelegt. Jeder hat in der Zeit Gelegenheit für Anregungen oder Einsprüche. Das Umlegungsverfahren soll das Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Dachau in Absprache mit Schäfer realisieren.

© SZ vom 30.03.2019
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