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Mitten in Fürstenfeldbruck:Genossen unter sich

Die SPD setzt offensichtlich auf eine "freundliche Übernahme" der politischen Gegner

Kolumne von Stefan Salger

Die SPD hat zurzeit einen schweren Stand. Sie muss herbe Einbußen hinnehmen. Andere Parteien wildern im Gäu der Sozialdemokraten, und manche Wähler halten sie irrtümlich für irgendwie altbacken. In der Kreisstadt ist das nicht anders als in München, Berlin und möglicherweise auch Brüssel. Dort aber findet man sich nicht damit ab, sondern setzt auf die Weiterentwicklung einer Geheimwaffe: die rhetorische Vereinnahmung des politischen Gegners.

Die Ausgangslage ist denkbar ernüchternd: Bei den Kommunalwahlen 2014 erreichen die SPD und ihr damaliger OB-Kandidat Axel Lämmle jeweils nur knapp 15 Prozent. Die Fraktion schmilzt um zwei auf nunmehr sechs der insgesamt 40 Stadtratssitze zusammen. Ähnliches Bild, als die SPD ihren jungen Shootingstar Philipp Heimerl vor zwei Jahren in die außerplanmäßige OB-Wahl schickt. Gegen Erich Raff mit seiner CSU-Hausmacht und den Grünen-Alphatier-Profipolitiker Martin Runge macht Heimerl mit knapp 17 Prozent keinen Stich.

Eine Trendwende tut Not! Bereits bei den Kommunalwahlen 2014 ist deshalb eine raffinierte Strategie ausgetüftelt worden, die Anleihen nimmt an der Transferpolitik von Bayern, Barça und Co: Da verpflichtetet die SPD Gabriele Fröhlich, zuvor Stadträtin der Freien Wähler. In der Wirtschaft würde man das "freundliche Übernahme" nennen, auf kommunaler Ebene "Eingemeindung".

Das lässt sich weiterdenken: Gelänge es, bereits gewählte Mandatsträger zu umgarnen, könnte man sich die ganze Wahlkampfmaloche ersparen. Genosse Walter Schwarz nutzt die jüngste Stadtratssitzung mit unschuldigem Augenaufschlag für eine Generalprobe: Er schließe sich dem Antrag "des Genossen Streifeneder an", sagt er beim Thema Straßenschilder. Und legt wenig später noch einen drauf, indem er sich wohlwollend an den "Genossen Droth" wendet. Mag sein, dass Jens Streifeneder der BBV angehört und Markus Droth der CSU. Aber den Stadtratskollegen könnte noch das Lachen über die Versprecher vergehen: Hat früher ja auch niemand geglaubt, dass Pep Guardiola zum FC Bayern wechselt.

Nur eine freundliche Übernahme dürfte aus Sicht von Walter Schwarz ausgeschlossen sein: Ein "Genosse Raff" kommt ihm gewiss nicht über die Lippen.

© SZ vom 04.05.2019
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