Mitten in Eichenau Wo ist Eddi, der Esel?

Der Fotograf ist zur rechten Zeit am rechten Ort und sieht Eddi, die Kinder und Michaela Zach (rechts).

(Foto: Günther Reger)

Manchmal erweisen sich Fehler im Nachhinein als geradezu himmlische Fügung

Von Stefan Salger

Um 11.20 Uhr dämmert einem, dass etwas nicht stimmt. Da endet der sonntägliche Gottesdienst in der evangelischen Friedenskirche Eichenau. Man fühlt sich wie Samuel Becketts Landstreicher Estragon. Nur, dass man nicht auf Godot wartet, sondern auf Esel-Handpuppe Eddi. Verabschiedet werden von Pfarrer Christoph Böhlau dann aber vor allem Schäfchen. Und, ja doch: auch ein Esel. Der hat Block und Stift in der Hand, wäre mit knapp 1,80 Meter aber als Handpuppe eine Fehlbesetzung.

Ein paar Minuten zuvor hatte Böhlau der Kirchengemeinde noch einen guten Start in die Arbeitswoche gewünscht. Für den Reporter ist bereits dieser Sonntag der Start in seine Arbeitswoche. Aus der Redaktion hatte ihn während des einwöchigen Urlaubs die knappe Nachricht erreicht, in der Friedenskirche lade Handpuppe Esel Eddi zum Kindergottesdienst. Das möge man sich doch mal ansehen. Vielleicht war auch von "Gemeindehaus" die Rede. Aber im Urlaub hört man halt manchmal nicht so genau hin. In den ersten Reihen sitzen ja auch einige Kinder. Die warten bestimmt auch auf Eddi.

Auf die vorsichtige Frage beim Verlassen der Kirche an Pfarrer Böhlau , warum diese ominöse Handpuppe sich nicht blicken lasse, klärt er einen auf: "Das war nebenan im Gemeindehaus." In solchen Fällen bleibt Reportern das Nachrecherchieren. Während eine Kinderschar aus dem Gemeindesaal drängt, lässt man sich also von Andrea Lasar in den Block diktieren, was Sache ist - oder besser war. Sie gehört dem ökumenischen Kindergottesdienst-Team an und weiß zu berichten, dass um die 20 Kinder der Premiere beigewohnt haben und dass der kleine graue Esel Jesusgeschichten erzählt habe.

Am späteren Sonntagvormittag geht einem dann ein Licht auf. War doch eine himmlische Fügung! Um 10 Uhr im Gemeindesaal hätte man zwar Eddi in die großen Knopfaugen blicken können - aber manche Botschaft aus der Predigt wäre verhallt. Man hätte nichts gelernt übers paulinische Dreieck. Und nichts darüber, dass es gar nicht so wichtig ist, dass 69 Prozent der Konflikte in Partnerschaften unlösbar sind - weil es ohnehin viel wichtiger ist, wie man damit umgeht. Und man hätte nicht unter Holzbalken im bunten Licht der Glasfenster dem Gospelchor lauschen können, der die Spider-Murphy-Gang coverte mit "S' Leben is wiar a Traum - schbumm". Traumhaft: Gottesdienst besuchen während der Arbeitszeit. Und Eddi kann man ja noch vier Mal sehen, das nächste Mal am 14. April, dem Palmsonntag, dann in der katholischen Kirche Eichenau. Schbumm!