Mittelstetten:Dicke Mauern und alte Geschichten

Lesezeit: 2 min

Wissenswertes beim Spaziergang durch Mittelstetten

Von Manfred Amann, Mittelstetten

Der Verein "Dorfbelebung Mittelstetten" macht seinem Namen immer wieder Ehre und gewinnt zunehmend an Anerkennung. 59 Bürger aus allen Orteilen haben am Sonntagnachmittag in Tegernbach bei einem informativen und erbaulichen Spaziergang viel Wissenswertes über das Dorf und seine Kirche erfahren.

"Ich bin über die hohe Beteiligung positiv überrascht, zeigt sie doch, dass sich die Menschen für ihre Heimat interessieren", freute sich Magda Schebesta, die Vorsitzende des Vereins, der etwa 40 Mitglieder zählt. Der Rundgang, dem sich auch Pfarrer Anton Brandstetter angeschlossen hatte, begann an der Kirche St. Stefan und St. Magdalena.

"Welf VI., Graf des Lechrains und des Ammertals, stiftete das Gotteshaus Mitte des zwölften Jahrhunderts. Damals schenkte er die heutigen Ortsteile von Mittelstetten, Tegernbach und Vogach, anlässlich dessen Gründung dem Kloster Steingaden", erzählte Thomas Kernle, der sich über 30 Jahre lang als ehrenamtlicher Kirchenpfleger um das Gotteshaus kümmerte. Die Mauern hätten eine Dicke von 110 Zentimeter, weil es eine Wehr-Kirche gewesen sei. In dem Schutzbau hätten die Tegernbacher immer wieder Zuflucht gesucht, um wenigstens ihr Leben zu retten, während kriegerische oder marodierenden Horden ihre Häuser plünderten, was damals des Öfteren passiert sei, erzählte Kernle. Im Turm der einst romanischen Kirche, die später im gotischen und barocken Stil umgebaut wurde, befinden sich zwei Glocken mit einer bewegten Geschichte. "Man hört ihren Klang, kann sie aber nicht sehen und dennoch stiften sie ein Quäntchen dörflicher Identität. Das Geläute ist einem so vertraut, da ist es doch schade, dass man so gar nichts über die Glocken weiß", befand Magda Schebesta, die zusammen mit Katharina Schlamp intensiv über die Glocken der sechs Kirchen in der Gemeinde Mittestetten forschte und die Ergebnisse in einem Büchlein der Allgemeinheit zugänglich machte.

Im Ersten Weltkrieg musste eine Kirchenglocke für Kriegszwecke abgegeben werden. Wie der 82-jährige weiter ausführte, ließ man damals die große Glocke am dem im Jahre 1777 errichteten Glockenstuhl hängen und beschlagnahmte nur die kleinere. Im Jahr 1923 wurde diese durch eine neue ersetzt, die dem Heiligen Sebastian gewidmet ist und noch immer ihre Dienste tut. Gegossen wurde sie von der Regensburger Glockengießerei Hamm-Hofweber, die auch drei der sieben Glocken des Geläuts der bekannten Wieskirche im Pfaffenwinkel schuf. "Die Turmuhr mit drei Ziffernblättern wurde 1870 eingebaut", wusste Kernle, der sich noch gut erinnerte, dass diese bis zur Automatisierung in den Siebzigerjahren vom Mesner mit der Hand in Betrieb gesetzt werden musste.

Eine Augenweide war die anschließende Besichtigung des wunderbar gepflegten und blumenreichen Gartens der Familie Foigtmannsberger, wo sich die Teilnehmer auch mit Kaffee und leckeren Kuchen stärken konnten, die ehrenamtlichen Helfer beigesteuert hatten. Danach ging es zum "Wonga Xari", wie ihn die Mitbürger nennen. Xaver Loder führte, gewürzt mit Geschichten und Anekdoten durch seine Wagner-Werkstatt, in der er mit seinem 89 Jahren noch immer seinen Mann steht. Anschließend erfuhren die Teilnehmer vieles zur und rund um die alte Schmiede, die vor 225 Jahren ihren Betrieb aufnahm und heute als Spenglerei in der Ortsmitte weiter besteht.

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