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Mammendorf:Melodische Poesie

Mammendorf: Goethe-Liederabend

Duo wider Willen: Karin Wolferstetter begleitet Sänger Christoph M. Seidel am Klavier. Sopransängerin Kathrin Schiller fehlt krankheitsbedingt.

(Foto: Johannes Simon)

Musiker interpretieren vertonte Goethe-Texte in Mammendorf

Johann Wolfgang von Goethe liebte die Musik und die Komponisten liebten und vertonten Gedichte und Lieder des Poeten. Goethe hatte aber nicht immer ein entspanntes Verhältnis zu den Komponistengrößen seiner Zeit wie etwa zu Ludwig van Beethoven oder Franz Schubert. Denn er hatte klare Vorstellungen davon, wie seine Verse über die Musik am besten ihre Wirkung entfalten sollten.

Die Musik sollte die Dichtung beleben und steigern, Musik war für Goethe eine Anregung seiner Imaginationskraft und damit stets Inspiration für das weitere poetische Schaffen. Für die Offenlegung dieses Spannungsfeldes aus der Vielzahl von Vertonungen in den verschiedensten Tonrichtungen die passenden auszuwählen, ist nicht einfach.

Bei dem als kurzweilig angekündigten Liederabend "Wahre Musik ist allein für's Ohr" am Sonntag im Bürgerhaus in Mammendorf ist dies dem Sänger Christoph M. Seidel (Bass-Bariton), der von Karin Wolferstetter am Klavier begleitet wurde, aber gut gelungen. Auch weil er geschickt Passagen aus Briefen Goethes einstreute, die passend zu den jeweiligen Liedern das nicht ganz einfache Verhältnis des Dichterfürsten zur Musikwelt widerspiegelten, und weil die 40 Jahre alte Organistin und Pianistin zwischendurch mit Klavierstücken das Konzert auflockerte.

Schade nur, dass die Sopransängerin Katharina Schiller, die in Salzburg Musik- und Theaterwissenschaft studierte, an diesem Abend wegen Krankheit nicht auftreten konnte. Ihre Stimme hätte das Konzert mit Sicherheit noch bereichert. Doch der 27 Jahre alte Sänger Seidel, der seine musikalische Ausbildung mit zehn Jahren mit Geigen-und Klavierunterricht begonnen hat, und mittlerweile als selbstständiger Chorleiter, Musiker, Komponist und Sänger wirkt, konnte auch ohne die Sopranistin die etwa 30 Zuhörer mit einem bunten Liederreigen beeindrucken. Wenngleich der Einstieg mit "Gottes ist der Osten, Gottes ist der Westen" (Robert Schuman, Liederkreis Myrthen), "Sei Stille dem Herrn" aus "Elija" von Felix-Mendelsohn-Bartholdy und "Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" von Beethoven, etwas zaghaft begann.

Seidel bezeichnet diesen ersten Abschnitt des Abends als "geistlichen Melodienblock", dem noch ein Liebes- und ein Blumenblock sowie eine "Zuneigung aus Goethes Faust" folgten. Mit "Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen?" von Beethoven (Mignon aus 6 Gesänge), "So hab' ich wirklich dich verloren" (An die Entfernte von Franz Schubert) und "Schäfers Klageleid von Schubert widmete sich Seidel der Liebe, wobei er zum Abschluss des Blockes mit der Eigenkomposition "Nur wer die Sehnsucht kennt" einen sängerischen Höhepunkt erreichte.

Im Blumenblock waren "das Veilchen" von Mozart und das "Heideröslein" von Václav J.K. Tomásek die Vertonungen, die Seidel bestens inszenierte. So richtig aus sich heraus ging der Bass-Bariton-Interpret dann als es mit dem "Lied des Mephistopheles II" von Richard Wagner und "Blocha" von Modest Petrowitsch Mussorgskij "faustisch" wurde. Für den ausdrucksstarken, mit Gestik und Mimik unterstützten Liedvortrag in russischer Sprache bekam Seidel an diesem Abend den meisten Applaus. Das Konzert in Mammendorf war einer der ersten gemeinsamen Bühnenauftritte des Duos. Weitere Auftritte, zu dritt mit Katharina Schiller, sollen folgen, versprach Seidel.