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Mammendorf:Der Windkraft geht die Puste aus

Vorerst werden auf Gemeindegebiet keine weiteren Anlagen errichtet. Die Verantwortung wird der Staatsregierung zugewiesen

Von Manfred Amann, Mammendorf

Nach vier Jahren intensiver Bemühungen legt Mammendorf die Planungen für eine weitere Windkraftanlage auf Gemeindegebiet zumindest vorübergehend auf Eis. "Es gibt zu viele Hürden, die einer Realisierung entgegenstehen", so die allgemeine Begründung von Energiereferent Werner Zauser (Freie Wähler). Bürgermeister Josef Heckl (Bürgergemeinschaft) beklagt zudem: "Die momentane, von der Politik zu verantwortende Rechtslage steht mit dem oft geäußerten Wunsch nach einer möglichst schnellen Energiewende nicht im Einklang, das ist einfach nur frustrierend". Unter den aktuellen Bedingungen weiterhin Zeit und Energie in die Realisierung des Windrades zu investieren, sei nicht zu rechtfertigen. Absicht der Gemeinde Mammendorf ist es, in der Nordwestecke der Gemeindeflur in Nachbarschaft zu Hattenhofen und Oberschweinbach ein Windrad zu errichten. Die positiven Ergebnisse des südlich des Freizeitgeländes bereits seit Jahren erfolgreich arbeitenden, etwa 185 Meter hohen Windrades, an dem die Gemeinde beteiligt ist, haben laut Zauser ausreichend belegt, dass auch im Landkreis Windkraftanlagen wirtschaftlich betrieben werden können.

Das geplante Windrad, das als Bürgeranlage gedacht sei, sollte jedoch möglichst hoch sein. Aktuell würden in vergleichbaren Windzonen Anlagen mit eine Gesamthöhe von 230 Metern gebaut. Eine große Hürde sei die Regelung, dass Windräder von der Wohnbebauung in zehnfacher Höhe des Windrades, also rund 2,3 Kilometer entfernt sein sollen. Diese so genannte Zehn-H-Regelung könnte man umgehen, denn die möglichen Grundstücke stünden eventuell zur Verfügung. Als weiteres Hemmnis bezeichnete Zauser in der jüngsten Ratssitzung den Windenergie-Erlass der Staatsregierung, der die Forderung nach einer naturschutzrechtlichen Untersuchung in den Vordergrund stelle. Der Erlass sei "schwammig formuliert" und die vom Umweltministerium herausgegebenen Arbeitshilfen seien zudem zu unkonkret. Beides seien Gründe dafür, dass der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern derzeit jeden Bauantrag für ein Windrad zu Fall bringe. 17 genehmigte Windradprojekte seien so in jüngster Zeit in Bayern gescheitert. Einen neuen, bedeutenden Hinderungsgrund sieht der Energiereferent in der geänderten Radarmindestführungshöhe. Nach der Auflösung des Militärflughafens Penzing sei diese für den Flugplatz Lager Lechfeld herabgesetzt worden auf nunmehr etwa 730 Meter. Der für das Windrad geeignete Standort liege aber schon auf 553 Meter über Meereshöhe, so dass die Anlage nicht höher sein dürfte als knapp 180 Meter. Windkraftanlagen in dieser geringen Höhe lassen sich laut Zauser in der Region aber nicht wirtschaftlich betreiben. Auch das südlich von Jesenwang geplante Windrad könnte daran scheitern, glaubt der Freie Wähler. Im Gemeinderat wurde die Information mit Enttäuschung aufgenommen. Bürgermeister Heckl und Florian Gerum (CSU) dankten Zauser für dessen Engagement. "Ganz aussteigen wollen wir natürlich nicht", befand der Gemeindechef. Man stehe weiter in Verbindung mit dem Beauftragten für die Energiewende im Landkreis und werde mitverfolgen, ob und wie sich die Rahmenbedingungen für die Errichtung von Windrädern ändern. Wichtige Schritte wären laut Zauser die Aufhebung der Zehn-H-Regelung und die Konkretisierung des Erlasses, in dem die naturschutzfachliche Untersuchung geregelt ist.

© SZ vom 10.06.2021
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