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Mammendorf:Das Kreiselproblem

Mammendorf muss erneut umplanen

Von Manfred Amann, Mammendorf

Seit in Mammendorf ander Kreuzung Bahnhof-/Michael-Aumüller-Straße ein Minikreisverkehr den Verkehrsfluss regelt, sieht sich die Gemeinde Ärger und ist Frotzeleien über die "wirkungslose Verkehrsführung" ausgesetzt. Mehrmals schon wurde versucht, mit verschiedenen Maßnahmen mehr Verkehrssicherheit zu schaffen, doch die Bürger waren danach nie richtig zufrieden. Vor allem deswegen, weil etliche Autofahrer die Kreiselkurven nicht richtig ausfahren, sondern die Abkürzung über die gepflasterte Verkehrsinsel nehmen, wodurch es häufig zu Gefährdungen von Radfahrern kam. Mit der letzten Änderung, die im April abgeschlossen wurde, sollte es endlich gelingen, Autofahrern das Überfahren der Kreiselscheibe zu vermiesen und so Radfahrer und Fußgänger besser zu schützen.

Laut Bürgermeister Josef Heckl (Bürgergemeinschaft) hat sich die Gemeinde damit jedoch in eine "äußerst unglückliche und unbefriedigende Situation in dieser Never-Ending-Story" gebracht, die niemand gewollt habe. Weil die Inselscheibe des Kreisverkehrs um acht auf 16 Zentimeter erhöht wurde und die Schleppkurven drum herum nicht mehr groß genug sind, können Busse nur noch passieren, wenn sie über Gehwege oder über die erhöhte Insel fahren und damit Schäden am Fahrzeug in Kauf nehmen. Auch Lastwagen und landwirtschaftliche Fahrzeuge mit Anhänger dürften Probleme bekommen.

In den sozialen Medien wird bereits über den "Mammendorfer Schildbürgerstreich" gelästert und Ortsansässige reden von Unfähigkeit der Ortspolitiker, wer immer auch Schuld an der Misere habe. Es gibt aber auch Stimmen mit Belehrungen an die Busfahrer, "einfach nur ganz langsam drüberfahren, dann geht das schon". Auf die Frage, wer für das Chaos verantwortlich sei, zögert Rathauschef Heckl etwas, um dann mit einem "eigentlich wir", zu antworten - womit der Gemeinderat gemeint ist.

Obwohl die zuständigen Behörden empfohlen hatten, an der Kreuzung nichts zu verändern, weil es sich um keinen Unfallschwerpunkt handle, war der Kreisel vor rund 15 Jahren errichtet und nach Klagen immer wieder "optimiert" worden. Zuletzt war der Innenbereich der Insel durch rotweiße Leitelemente weithin sichtbar gemacht worden. Weil dadurch das Hauptproblem, das Überfahren der restlichen Inselfläche, nicht behoben werden konnte, beschloss der Gemeinderat 2019 die Erhöhung der Insel, die nun umgesetzt wurde. "Es war unsere Entscheidung und wir müssen nun auch nach einer praktikablen und kostengünstigen Lösung suchen", so Heckl. Die Gemeinde hätte die Busunternehmen bei der Planung einbinden sollen. In den eineinhalb Jahren, seit die Maßnahme beschlossen und öffentlich bekannt geworden sei, habe aber auch niemand, weder das Landratsamt noch das Bus-Unternehmen, auf die Gefahr hingewiesen. Nun müsse man schlimmstenfalls die 15 000 Euro teure Erhöhung zurückbauen.

Mit dem Landratsamt sei aber auch vereinbart worden zu prüfen, ob die Busse zukünftig anders fahren könnten. "Dann müssten wir allerdings auch die Bushaltestellen verlegen". Der Leiter der ÖPNV-Stabsstelle, Hermann Seifert, warnt jedoch davor, "das seit etwa einem Jahrzehnt gut eingespielte Mammendorfer System" zu verändern. "Machbar wäre, eine der für den Bau genutzten Umfahrungsstrecken zu nehmen, aber der bisherige Service kann dann sicher nicht aufrechterhalten werden", sagt Seifert. Zum Beispiel könnte die Schule nicht mehr angefahren werden. Längere Fahrzeiten könnten Anschlussverbindungen kappen und Änderungen der Linienführung könnten kostenträchtige Verlegungen oder Neubauten von Haltestellen erforderlich machen. Jede Veränderung in Mammendorf würde zudem "einem Dominoeffekt gleich" Umstellungen in Nachbarkommunen aus auslösen.

© SZ vom 23.04.2021
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