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Maisacher Baupolitik:Tauschgeschäft im Süden

Weil die Trabrennbahn nicht von München nach Maisach umzieht, könnte auf dem dafür vorgesehene Grundstück der neue Fußballplatz entstehen. Dort wäre auch genügend Platz für das Freibad und neue Schulen

Von Erich C. Setzwein, Maisach

Der SC Maisach soll auf das Gelände des geplanten Trabrennstadions umziehen. Möglich machen soll das ein Tauschgeschäft zwischen der Gemeinde Maisach und dem Grundstücksbesitzer, der Karl-Gruppe. Eingefädelt von der Maisacher CSU und in geheimer Sitzung vom Gemeinderat genehmigt, verhandelt Bürgermeister Hans Seidl (CSU) seit Anfang vergangenen Jahres mit dem Eigentümer der insgesamt 82 000 Quadratmeter großen Immobilie im Nordteil des ehemaligen Militärflugplatzes Fürstenfeldbruck über einen Flächentausch. Erst jetzt sind die bisherigen Ergebnisse öffentlich gemacht worden, und der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung für die Fortsetzung der Grundstücksverhandlungen gestimmt.

Es muss der Traum eines jeden Bürgermeisters im Münchner Umland sein, über große Flächen zu verfügen, auf denen man noch etwas entwickeln kann. Auf den Fluren von Fürstenfeldbruck, Olching, Maisach und Emmering liegt der Fliegerhorst Fürstenfeldbruck, der nach dem Abzug der Bundeswehr nach 2026 für Wohnen und Gewerbe zivil genutzt werden soll. Das nennt man Konversion, und die Kreisstadt ist selbst schon seit einiger Zeit am Überlegen, was sie aus der mehr als 220 000 Quadratmetern großen Fläche machen möchte, auf denen fast hundert Jahre das Militär zu Hause war. Und ebenso von diesem Wandel von einer militärischen zu einer zivilen Nutzung könnte Maisach profitieren, auf deren Gebiet die Start- und Landebahn lag und das riesige Fauna-Flora-Habitat-Gebiet. Im nördlichen Teil des ehemaligen Militärflugplatzes und damit südlich der Bahnlinie hat der niederbayerische Unternehmer Günther Karl vor langem ein 82 000 Quadratmeter großes Grundstück vom Bund erworben und von Militärbauten freigeräumt.

Unbebaut, aber nicht unberührt ist das Grundstück, auf dem die Trabrennbahn entstehen sollte.

(Foto: Günther Reger)

Seine Karl-Gruppe wollte dort eine Trabrennbahn für den Münchner Trabrenn- und Zuchtverein (MTZV) einrichten. Dessen 200 000 Quadratmeter großes Grundstück samt Rennbahn im Münchner Stadtteil Daglfing hatte Karl 2005 erworben und dem MTZV den Umzug nach Maisach angeboten. Ende 2018 lief dieses Angebot an die Traber ergebnislos aus, und schon im Februar 2019 stimmte der Gemeinderat zu, mit der Karl-Gruppe über einen Grundstückstausch zu sprechen.

Dahinter steckt nun kein perfider Plan, sondern die schon vor Längerem angestellte Überlegung, wie sich der Hauptort Maisach nach dem Abzug der Bundeswehr im Süden der Bahn weiter entwickeln könnte. Auch wenn Grundstücksverhandlungen nun mal ohne die Öffentlichkeit stattfinden, so hat Bürgermeister Hans Seidl seine Überlegungen schon mehrmals öffentlich gemacht, unter anderem auf Bürgerversammlungen. Spätestens seit Mitte 2018 ist bekannt, dass die Traber kein Interesse an einem Umzug nach Maisach haben.

Trabrennbahn Daglfing, 2011

Die Trabrennbahn hätte von Daglfing nach Maisach umziehen können.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Wenn die Gemeinde nun südlich der Bahnlinie Entwicklungspotenzial sieht, dann heißt das nicht, dass alles in den nächsten zwei oder drei Jahren passiert, sondern dass es sechs bis zehn Jahre dauern könnte, bis dort etwas entsteht. Darauf hat Seidl im Gemeinderat hingewiesen. Die Vorbereitungen, unter anderem die Grundstücksverhandlungen, laufen aber schon und sollen dazu führen, dass die Karl-Gruppe das Grundstück des SC Maisach von der Gemeinde bekommt. Dafür müsste das Unternehmen sein Traber-Grundstück eintauschen - und der SC Maisach neue Fußballplätze und eine Gaststätte bauen.

Damit nun aus dem Traum nicht ein Albtraum wird, waren in der jüngsten Gemeinderatssitzung viel Pathos und gegenseitige Solidaritätsbekundungen zu hören. Von einem "gemeinsamen Kraftakt" sprach der Bürgermeister, und der Fraktionssprecher der Freien Wähler, Gottfried Obermair, sagte mit Inbrunst die "volle Unterstützung der Fraktion" zu. Auch die SPD steht nach den Worten von Peter Aust hinter den Plänen, dem SC Maisach eine neue Heimat zu gönnen. Nur die Grünen-Fraktion ist noch nicht überzeugt von dem gemeinsamen Werk. Schon allein wegen des Flächenverbrauchs nicht. Mit einem entsprechenden Änderungsantrag wartete Fraktionssprecherin Barbara Helmers auf, doch anstatt darüber gleich zu diskutieren, schlug Seidl vor, den Antrag von der Verwaltung erst einmal prüfen zu lassen. Das übliche Procedere, wenn eine Fraktion etwas beantragt. Die Grünen treibt nämlich die Sorge, dass wegen des Umzugs des SC Maisach und der Verlegung des Freibades dorthin zusammen mit weiteren Einrichtungen zu viel Fläche verbraucht wird.

Freibad Maisach

Auf der Fläche könnte auch das Freibad der Gemeinde Maisach neu entstehen, das große Schäden unter anderem am Becken aufweist.

(Foto: Michael Heck/Gemeinde Maisach)

Dass es der SC Maisach an seinem bisherigen Standort schwer hat mit den Nachbarn und auch das Freibad von dem Anwohnern als Lärmquelle angesehen wird, darüber gibt es im Gemeinderat mehrheitlich keine Zweifel. Entwicklungsmöglichkeiten, machte Geschäftsleiter Peter Eberlein klar, gebe es an beiden Standorten nicht.

Dafür aber eben auf jener Fläche, die bis vor zwei Jahren für eine Trabrennbahn vorsehen war. Dass auf dem Grundstück der Karl-Gruppe gebaut werden könnte, steht seit spätestens 2017 fest, als der Bebauungsplan "Konversion Alter Flugplatz Fürstenfeldbruck - Teil Nord" in Kraft trat. Damit schuf die Gemeinde die Voraussetzung auch dafür, ihre südliche Umgehungsstraße bauen zu können. Auf der rollt seit zwei Jahren der Verkehr, und diese Trasse könnte auch zur wichtigsten Anbindung an das neue Sport- und Freizeitgelände werden. In der langfristigen Perspektive, die der Bürgermeister im Gemeinderat aufzeigte, könnten auf dem Gelände auch noch eine weitere Grundschule und ein Kindergarten entstehen, und es wäre Platz für eine weiterführende Schule. Die Einrichtungen würden auch gebraucht, wenn die Gemeinde weiter wächst.

Das Freibad aus dem Ort an den Rand zu verlegen, entspringt dem Blick auf die Realität. Denn jetzt müsste die Gemeinde fast fünf Millionen Euro für die Sanierung aufwenden. Unter anderem müsste das Edelstahlbecken komplett ausgetauscht werden. Kritik an der Verlegung kam von den Grünen. Barbara Helmers sagte, sie wolle nicht, dass aus dem Familienbad ein "Spaßbad" werde.

Sollten die Grundstücksverhandlungen nun so gut weitergehen wie bis jetzt, dann könnte an deren Ende zunächst die Verpflichtung der Karl-Gruppe stehen, dem SC Maisach ein neues Sportgelände zu bauen. Dafür erhielten die Investoren mindestens 2,4 Hektar Bauland auf dem Sportgelände, das sie frühestens in fünf Jahren bebauen dürften. Bürgermeister und Verwaltung erwarten sich zum Beispiel von der Vereinsgaststätte einen Synergieeffekt, könnte sie doch sowohl für den Sportverein als auch für das Freibad zur Verfügung stehen. Welche Folgen die Entwicklung im Süden haben könnte, welche Auswirkungen neue Wohnungen auf die Infrastruktur der Gemeinde haben könnten, das soll parallel dazu untersucht und diskutiert werden - und von nun an auch in aller Öffentlichkeit.

© SZ vom 14.12.2020
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