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Maisach:Natas neues Leben

Der kleine Nata bleibt nach seiner OP mit seiner Mutter Lengue Kolani noch eine Woche im Landrkeis.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

In seiner Heimat gibt es kaum medizinische Versorgung. Doch ohne eine Operation hätte der kleine Nata sterben müssen. Mit Hilfe der Maisacher Togo-Hilfe in München kann der acht Monate alte Junge operiert werden.

Von Ariane Lindenbach, Maisach

Der kleine Nata sitzt auf dem Schoß seiner Mutter Lengue Kolani. Er strahlt mit seinen Pausbäckchen. Und immer wieder versucht der acht Monate alte Säugling seinen Kopf zu heben. Doch immer wieder muss er ihn nach wenigen Sekunden an den Körper seiner Mama schmiegen. Es fällt auf, dass er sich für jede Bewegung seines Kopfes anstrengen muss. Dennoch ist der Kleine aus Togo unermüdlich.

Wer seine Geschichte kennt, den wundert dieses Bemühen nicht. Schließlich ist das selbständige Heben des eigenen Kopfes einer der ersten Entwicklungsschritte für Babys, normalerweise beginnen sie damit bereits nach wenigen Wochen. Doch Nata konnte seinen Kopf nicht heben. Er kam mit einer lebensbedrohlichen Verwachsung an seinem Hinterkopf zur Welt. Am Ende, vor der Operation, war sie fast so groß und schwer wie sein Kopf. Dank der Hilfe des Mediziners Serge Michel N. Kodom aus Togo und der Maisacherin Magret Kopp mit ihrem Verein Aktion Pit Togohilfe wurde dem Buben geholfen. Die Aktion soll der Auftakt einer engeren Kooperation zwischen Kopp und Kodom sein, der auch einen Verein gegründet hat.

Kodom ist außerdem Gründer und Chef eines Krankenhauses in Togos Hauptstadt Lomé. Er hat vor zehn Jahren den Verein "Aimes-Afrique", zu deutsch etwa "afrikanische Ziele" ins Leben gerufen. Dessen Ziel ist die Verbesserung der medizinischen Versorgung in ganz Afrika. Da also sowohl Doktor Kodom als auch Margret Kopp im Einsatz für Togo sind, kannten sich die beiden schon flüchtig, als das Leid des kleinen Nata bekannt wurde.

Der Bub stammt aus dem Norden der einstigen deutschen Kolonie, der ärmsten Region des Landes. Die medizinische Versorgung ist dort kaum vorhanden, eine Arztpraxis oder eine Klinik weit entfernt. Also wandten sich Natas Eltern an Kodom. Eine Ultraschalluntersuchung brachte Gewissheit. Der Bub muss bald operiert werden, sonst droht ihm der Tod. Nur: In ganz Togo fehlt es an entsprechend ausgestatteten Operationssälen, ebenso an Neurochirurgen, die einen solch komplizierten Eingriff vornehmen könnten. Darüber hinaus haben die Kolanis auch nicht genug Geld, um eine so teure Operation bezahlen zu können.

Kodom erinnerte sich an Magret Kopp und ihren Verein. Die Maisacherin bot sofort ihre Unterstützung an. Kurz vor Weihnachten machte sie das traurige Schicksal von Nata in Deutschland publik, die in Gröbenzell lebende Schauspielerin Monika Baumgartner wurde Schirmherrin der Spendenaktion "OP Nata". Mehr als 50 000 Euro kamen zusammen. Genug, um die Operation mit allem Drumherum wie Krankenhausaufenthalt, Medikamente, Einsatz medizinischer Geräte und der Flüge für Nata und seine Mutter bezahlen zu können. Wobei die teilnehmenden Ärzte der Haunerschen Kinderklinik - zwei Anästhesisten und vier Chirurgen - bei dem Eingriff auf eine Bezahlung verzichteten. Was freilich auch Kopps Einsatz zu verdanken war: "Ich habe einfach rumgefragt, jeden Arzt, den ich kannte." Die Krankengymnastin Dorothea Licht vom Ärztecamp in Germering stellte schließlich den Kontakt her.

Anfang des Jahres ging dann alles ganz schnell. An einem Samstag trafen Kodom, Kopp und ihre Schützlinge in Deutschland ein. Am Montag wurden Mutter und Kind in die Haunersche Kinderklinik aufgenommen, und am Dienstagmorgen fand bereits die vierstündige Operation statt, an der auch Kodom teilnahm. Sowohl die OP als auch Natas anschließende Genesung verlaufen bestens. Ursprünglich sollte der Kleine eine Woche auf der Intensivstation bleiben. Doch er erholte sich so gut, dass Mutter und Kind schon nach einem Tag verlegt und nach einer guten Woche entlassen werden konnten. Nun wohnen die beiden bis zu ihrem Abflug bei einer Afrikanerin des selben Stammes im Landkreis. Das Quartier vermittelte - Margret Kopp.

Am Samstag, 28. März, verabschiedet Margret Kopp den kleinen Nata und seine Mutter bei einer öffentlichen Veranstaltung im Togohaus, Hauptstraße 1a in Maisach. Beginn ist um 15 Uhr.

© SZ vom 21.03.2015
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