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Maisach:Maisacher wollen Räder leihen

Gemeinde bewirbt sich um Geld für sechs Mobilitätsstationen

Von Erich C. Setzwein, Maisach

Wenn alles klappt, könnten viele Maisacher von 2022 an oft und gerne mal ihr Auto daheim stehen lassen. Denn die Gemeinde möchte an zunächst sechs Bushaltestellen in den Ortsteilen Maisach und Gernlinden sogenannte Mobilitätsstationen einrichten. Allerdings, nur wenn alles klappt, denn ob die Gemeinde diese Leihradstationen nach Münchner Vorbild realieren kann, hängt vom Ausgang eines Wettbewerbs ab, an dem sie sich bewirbt und der - im Falle einer Zusage - den Aufbau jeder Station mit 80 Prozent der Kosten finanziell fördert.

Es ist keine einsame Entscheidung, die der Gemeinderat auf dem Weg zu einer Verkehrswende im Ort getroffen hat, sondern daran waren auch etliche Bürger beteiligt. In einer Umfrage, die die Klimaschutzbeauftragte der Gemeinde, Constanze Neumann, Anfang November initiierte, gaben immerhin 190 Teilnehmer ihre Meinung dazu ab. Dabei kam laut Neumann auch heraus, dass sich die Bürger E-Räder und sogar Elektrolastenfahrräder wünschten. Auch sei geäußert worden, überhaupt mehr Fahrradständer zu bauen. Zumindest mehr Radlständer will die Gemeinde bald anbieten, nachdem es ein Angebot der Bahn gebe, drei Flächen am Bahnhof für Radabstellanlagen zur Verfügung zu stellen.

Ganz unabhängig von öffentlichen Fahrradständern für private Räder sind die Leihradstationen, von denen es in Maisach einmal 16 geben könnte. Vorerst sollen es sechs sein, nämlich an den Bushaltestellen am S-Bahnhof Maisach, am Strasserwinkel und im Gewerbegebiet Frauenstraße sowie in Gernlinden im Gewerbegebiet Ganghoferstraße, an der Merianstraße und ebenfalls am S-Bahnhof. An den Stationen sollen jeweils fünf Räder stehen, die über eine App gebucht werden können. Nimmt man das System der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) als Beispiel für die Abrechnung, so würde eine Minute mit dem Rad acht Cent oder zwölf Euro für den ganzen Tag kosten. Die Räder können an allen Stationen abgeholt und abgestellt werden. Damit am folgenden Tag auch an allen Stationen wieder je fünf Räder stehen, werden sie in der Nacht neu verteilt - und wenn nötig auch gewartet. Das aber wäre Inhalt einer Ausschreibung, die erst stattfinden kann, wenn Maisach den Zuschlag erhält.

Die Gemeindeverwaltung sieht in dem Leihradkonzept einen wichtigen Schritt im Sinne der Vernetzung der Verkehrsmittel und als Ergänzung des bestehenden Angebots des Öffentlichen Personennahverkehrs. Und der Gemeinderat, der in seiner jüngsten Sitzung darüber abzustimmen hatte, hält es mehrheitlich für einen vernünftigen Einstieg, der "leistbar" sei, wie es hieß.

Nach den bisher kommunizierten Zahlen müsste die Gemeinde 120 000 Euro investieren. 96 000 Euro könnte Maisach als Förderung erwarten, allerdings werden 30 000 Euro als jährliche Betriebskosten erwartet.

© SZ vom 02.12.2020
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