Maisach Kirschen für alle

Pflücken nach dem Sport: Klaus und Christine Buchner aus Augsburg holen sich Kirschen. Zuvor haben sie auf dem nahe gelegenen Platz Golf gespielt.

(Foto: Günther Reger)

Auf einer Wiese im Maisacher Ortsteil Rottbach können die Früchte ganz leicht gepflückt werden, weil die Bäume niedrig gewachsen sind. Trotz der frostigen Frühjahrstemperaturen kann jetzt reichhaltig geerntet werden

Von Andreas Ostermeier, Maisach

Pralle und tiefrote Kirschen sind ein Sinnbild des Sommers. So gesehen, ist in Rottbach ganz viel Sommer, jedenfalls auf der Kirschbaumwiese kurz vor dem Ortsteil von Maisach. Dort hat Helmut Schmutz auf einer Kuppe Kirschbäume angepflanzt, so weit der Blick reicht. Die Bäume sind etwas mehr als mannshoch, zum Ernten der Früchte braucht es keine Leitern. Das muss auch so sein, denn die Kirschbäume sollen von Selbstpflückern abgeerntet werden. Und das passiert: Ältere Paare und Mütter mit Kindern pflücken Kirschen ab und füllen mit den Früchten die mitgebrachten Eimer, Schüsseln oder Kunststoffbehälter. Die verschiedenen Gefäße werden vor dem Heimgehen gewogen und bezahlt.

Helmut Schmutz ist zufrieden mit dem Angebot an Kirschen und mit der Nachfrage. Bei Beeren - er besitzt gleich nebenan ein Feld mit Heidelbeersträuchern - sei das so eine Sache, sagt er, die meisten Leute mögen nur bestimmte Sorten. "Kirschen aber lieben alle." Deswegen hat der Landwirt aus Rottbach vor gut 15 Jahren Kirschbäume gepflanzt. Doch wachsen die Bäume nicht zu hoch, um ohne Leiter die Früchte ernten zu können? Schmutz antwortet auf diese Frage erst einmal nicht, sondern zeigt auf den Stamm eines Kirschbaums. Wenige Zentimeter über dem Boden verdickt sich der Stamm. An dieser Stelle ist der Kirschbaum auf eine Unterlage gepfropft worden. Die Unterlage, in diesem Fall ein Abkömmling der Vogelkirsche, bestimmt den Wuchs und die Größe des Baumes, der nicht mehr als gute zwei Meter in die Höhe wachsen soll. Damit eignet er sich für Leute, die ihr Obst selbst pflücken möchten. Schon kleine Kinder kommen leicht an die unteren Zweige heran. Zehn verschiedene Kirschensorten hat Schmutz gepflanzt. Auf diese Weise kann er das Obst über eine Zeit von etwa sechs Wochen im Juni und Juli anbieten. Nacheinander erreichen die verschiedenen Sorten ihre Reife. Momentan finden Pflücker tiefrote süße Kirschen, ebenso aber auch hellrote, säuerliche mit einem festen Fruchtfleisch.

Doch auch wenn die Kirschen versetzt ihre Reife erreichen, die frostigen Temperaturen im Frühjahr haben allen Bäumen zugesetzt. Um die Schäden gering zu halten, hat Schmutz eingeheizt. Auf den Wegen hat er Feuerkörbe aufgestellt, verkohlte Stellen am Boden zeigen noch, wo die Körbe standen. Zusätzlich entzündete er Paraffin in Eimern. Minus vier Grad habe es zwischen den Bäumen dennoch gehabt, sagt der Obstbauer, unter minus 2,5 Grad nehmen die Bäume seinen Ausführungen zufolge Schaden.

Mittlerweile ist es sonnig und recht warm. Die Kirschen gedeihen, mancher Ast biegt sich unter der Last der Früchte. Ihren Anteil an daran haben auch die Bienen. Schmutz besitzt selbst welche, nämlich rote Mauerbienen. Diese Art lebt solitär, bildet also keine Staaten. Zu deren Unterstützung nimmt der Landwirt die Dienste eines Imkers und seiner Bienenvölker in Anspruch.

Die Tiere haben ganze Arbeit geleistet, überall an den belaubten Ästen leuchtet das Rot der Kirschen. Mit deren Menge ist Schmutz zufrieden, allerdings sollen die Früchte noch süßer werden. Deshalb bleibt der Rottbacher Kirschgarten an diesem Samstag geschlossen. Die Kirschen sollen einen Tag zum Reifen bekommen. Von Montag an ist wieder geöffnet, Selbstpflücker können wieder ernten, so viel sie mögen, und den Sommer genießen, von dem es so viel gibt in Rottbach.

Der Kirschgarten befindet sich an der Verbindungsstraße zwischen Rottbach und Überacker. Geöffnet ist üblicherweise montags bis samstags von 8.30 bis 19 Uhr. Ob wirklich geöffnet ist, steht auf der Homepage www.pflueckspass.de; zu erfahren ist das auch unter Telefon 08135/86 67.