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Maibaum:Von der Amper an die Loire

SZ-Fotograf Johannes Simon hat sich in Olchings Partnerstadt Feurs umgesehen

Von Erich C. Setzwein, Olching/Feurs

Es ist gerade einmal zwei Jahre her, dass eine Delegation der Olchinger Feuerwehr in die Partnerstadt Feurs fuhr und alles dabei hatte, mit dem man einen bayerischen Maibaum schmücken kann. 810 Kilometer sind es aus dem Landkreis ins Departement Loire und zu den Freunden, die sich bei einem Fest die g'spinnerte Idee hatten und sich einen Maibaum wünschten. Die Feuerwehren der beiden Städte kümmerten sich um alles, die Franzosen kauften sich einen Baum, die Oberbayern lieferten die Schilder. Gefeiert wurde das Maibaumaufstellen natürlich auch - am letzten Tag im Mai.

Nun, zwei Jahre später, und wegen Corona ohne weitere gemeinsame Maifeier, steht der weiß-blau bemalte Baum mit den Tafeln der deutsch-französischen Gemeinsamkeiten noch immer im Zentrum der 8000 Einwohner zählenden Stadt. "Symbole durable du lien d'amitié qui unit Feurs & Olching" steht auf einer Tafel - und darunter die deutsche Übersetzung vom "Symbol der festen Freundschaft". Doch wie steht es um den Baum, blättert die Farbe, verblassen die Ansichtstafeln?

Die Antwort darauf liefert SZ-Fotograf Johannes Simon, der sich kürzlich in Olchings Partnerstadt umgesehen und quasi Beweisfotos von dort geschickt hat. Ja, der Baum als Symbol für die Jumelage, die Partnerschaft, steht noch in seiner ganzen Pracht - immerhin hat das Holz die Foréziens 1900 Euro gekostet. Lediglich ein kleiner Riss ist zu sehen. Die französische Trikolore und die bayerischen Rauten wehen ganz oben, wie am Tag der Aufstellung mit den Bürgermeistern Jean-Pierre Taite und Andreas Magg.

Wann wieder Begegnungen möglich sein mögen mit den Freunden in Feurs, wie das Wiedersehen sein könnte, weiß man weder an der Amper noch an der Loire. Auch in Frankreich gelten nach wie vor staatliche Beschränkungen, die Gastronomie in Feurs ist geschlossen, lediglich Petit Plats, also kleine Gerichte zum Abholen, bietet unter anderem das Café Restaurant de la Mairie an.

In Frankreich glaubt man, den Höhepunkt der dritten Welle erreicht zu haben. Im gesamten Departement Loire, in dem in 323 Kommunen um die 760 000 Menschen leben, sind bislang mehr als 1240 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben, fast 5000 gelten laut einer Gesundheitsstatistik als geheilt. In der kommenden Woche soll das Verbot, sich weiter als zehn Kilometer von zu Hause zu entfernen, aufgehoben werden, die nächtliche Sperrstunde von 19 Uhr an aber soll bestehen bleiben. Zumindest die Gastronomen dürfen sich, anders als ihre Kolleginnen und Kollegen in Olching freuen. Mitte Mai dürfen sie zumindest die Restaurant-Terrassen wieder öffnen.

Johannes Simon, Jahrgang 1960, ist seit vielen Jahren als Fotograf für die "Süddeutsche Zeitung" tätig. Er hat seinen Lebensmittelpunkt inzwischen nach Frankreich verlegt.

© SZ vom 30.04.2021
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