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Serie: Lebenslanges Lernen:Zwei für die Zukunft

Regina Sasse (links) ist seit Oktober Leiterin der Olchinger VHS, Hélène Sajons seit mehr als 20 Jahren Vorstandsvorsitzende. Ständige Weiterbildung verstehen beide als Lebensinhalt.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Kürzer und kompakter sollen die Kurse der Olchinger Volkshochschule werden. Neue Leiterin Regina Sasse und Vorstandsvorsitzende Hélène Sajons packen die Planung gemeinsam an.

Als gut geölte Maschine bezeichnet Regina Sasse die Olchinger VHS. Ein Grund sich auszuruhen, ist das für die neue Leiterin aber nicht. Gemeinsam mit ihren Kollegen hat sie es sich zum Ziel gesetzt, das "oft noch angestaubte Image der Volkshochschulen" aufzupolieren. Wie das geht? "Jede Fachbereichsleitung ist dazu aufgerufen, aktuelle Bildungstrends zu kennen", sagt Sasse. Ganz wichtig sei es dabei, die eigene Umgebung mit offenen Augen zu beobachten. Denn nur so könne man herausfinden, welche Angebote die Kunden brauchen, um sich optimal weiterbilden zu können.

Als Sasse im Oktober ihre neue Stelle angetreten hat, hatte sie bereits zehn Jahre lang an verschiedenen Orten als VHS-Dozentin gearbeitet und schon bald den Eindruck, dass der Standort in Olching ein besonderer ist. "Man wird hier sehr intensiv und aufmerksam betreut", sagt die 50-Jährige. Der persönliche Austausch stehe in Olching im Vordergrund, meint die studierte Kunsthistorikerin. Das sei eine der besten Qualitäten des Standorts und das wird wohl auch auf lange Sicht so bleiben. E-Learning und Online-Kurse gelten zwar mitunter als modern, stünden der persönlichen Lernerfahrung aber doch in einigem nach. "Unsere Modernität besteht darin, dass wir regional und persönlich sind", sagt Sasse. Das findet auch Vorstandsvorsitzende Hélène Sajons. "Wenn ich jemandem in die Augen schaue, sehe ich ganz genau ob er verstanden hat", erklärt die 71-jährige Sprachdozentin.

Sasse, Sajons und ihre Kollegen besinnen sich also zu einem Teil auf Altbewährtes. Gleichzeitig, das betonen beide, müsse sich die VHS auch an die sich stark verändernde Lebenswirklichkeit der Kursteilnehmer anpassen. In der Olchinger VHS ist deshalb vieles im Wandel, etwa die Formate der Sprachkurse. Der Trend geht hin zu kürzeren Kursen, die etwa die Basics der Landessprache des Urlaubsziels vermitteln. "Für viele sind solche kurzen Formate aber einfach auch besser in den Alltag integrierbar", sagt Sasse. Gerade bei der jüngeren Zielgruppe kämen derlei Angebote häufig besser an als Kurse, die über ein komplettes Halbjahr laufen. Gerade im Bereich Sprachen wolle man in Zukunft auch weg von der starren Semester-Struktur. Bisher gab es zwischen den einzelnen Semestern immer eine mehrwöchige Pause, folglich lagen zwischen zwei aufeinander aufbauenden Sprachkursen stets längere Unterbrechungen. "Für das Erlernen einer Sprache ist das nicht förderlich,", findet Sajons.

"Wir investieren mehr in Werbung, auch Social Media spielt eine große Rolle", sagt Sasse

Auch Kursinhalte oder Vorträge orientieren sich am Zeitgeist. "Im Moment ist das Thema Streitkultur beliebt", sagt Sasse. Kursabende, an denen erörtert wird, wie man sich mit Stammtischparolen auseinandersetzt sind bei Kursteilnehmern sehr gefragt. "Letztendlich gehört zur Programmzusammenstellung auch immer etwas Spekulation", gibt sie zu. Ob neue Ideen und Angebote angenommen werden, wisse man immer erst im Nachhinein. Dennoch sei es wichtig, Neues auszuprobieren, um auch neue Zielgruppen anzusprechen. Natürlich gibt es an der VHS Dauerbrenner, die Sport- und Gesundheitskurse sind immer gut besucht, vor allem von der älteren Zielgruppe. Aber gerade die 35 bis 50-Jährigen seien bisher nicht leicht zu erreichen. "Uns ist dabei auch immer wichtig, etwas anzubieten, was die Demokratie fördert", sagt Sasse. "Wir wollen offen sein für alle. Auch für alle Einkommensstufen."

Mit der Zeit zu gehen, bedeutet in der VHS aber durchaus auch technische Neuerungen zu integrieren. Seit kurzem kommen in den Olchinger Kursräumen etwa auch sogenannte interaktive Boards zum Einsatz. Diese erlauben es, verschiedene Medien wie Videos, Fotos oder Dokumente in Kurse und Vorträge zu integrieren.

Das Image der VHS aufzupolieren und neue Zielgruppen zu erschließen heißt für Sasse und Sajons aber auch, sich noch weiter nach außen zu öffnen. Mit einer Neuausrichtung interner Strukturen allein ist es nicht getan. Sasse arbeitet etwa an der Außenwirkung der Bildungseinrichtung. "Wir investieren mehr in Werbung, auch Social Media spielt eine große Rolle", erklärt sie. Für Sajons hingegen bedeutet die Öffnung nach außen vor allem die regelmäßige Teilnahme an EU-Projekten. Für die gebürtige Belgierin ist das bereits seit Jahrzehnten eine Herzensangelegenheit und so nimmt sie die damit verbundene, und wie Sasse betont, zeitaufwendige Arbeit, gerne in Kauf. Die Olchinger Volkshochschule ist eine der wenigen, die regelmäßig an EU-Projekten teilnehmen, um multikulturelle Begegnungen und den interkulturellen Austausch zu fördern. "Die Teilnahme an den Projekten ist mit einem enormen Aufwand verbunden", erklärt Sasse. Anträge müssen gestellt, Berichte geschrieben und die Koordination der Projekte vor Ort übernommen werden. Sajons, die den Vorstandsvorsitz bereits seit 20 Jahren inne hat, widmet sich dem mit Überzeugung. Denn von den Fortbildungs- und Austauschmöglichkeiten profitieren die Dozenten nicht nur persönlich, neue Erfahrungen können auch an die Kursteilnehmer weitergegeben werden. Mehr noch: "Sich nach außen hin zu öffnen, ist der Weg zum Frieden", findet Sajons.

Die Aufgaben einer modernen VHS sind vielfältig, finden beide Frauen. Man versteht sich als Ort für alle, als ein offener Platz, der es jedem erlaubt, sich weiterzubilden und gleichzeitig auch als Ort der Grundbildung. "Wir wollen etwa mit Alphabetisierungskursen und Inklusionsangeboten auch Grundlagen für Menschen anbieten, die bisher nicht die Möglichkeit hatten, gewisse Dinge zu erlernen", sagt Sasse. Das ist das Idealbild der neuen VHS-Leiterin, die sich selbst als vielseitig interessierten Menschen beschreibt. Sowohl für sie als auch für Sajons sei die VHS einer der wichtigsten Lebensinhalte. "Man muss an etwas glauben im Leben", sagt Sajons. "Ich glaube an die Notwendigkeit sich im Leben weiterzubilden. Man kann nicht stehen bleiben." Gleiches gelte für die Volkshochschule.

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