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Kultur und Geschichte in Fürstenfeldbruck:Von Schutzformeln und Kartentricks

Das Museum Fürstenfeldbruck widmet Magie und Zauberei eine spannende Ausstellung. Der Besucher lernt nicht nur große Illusionisten kennen, sondern auch volkstümlichen Aberglauben und die wissenschaftliche Auseinandersetzung damit

Menschen wollen unterhalten werden. Seit jeher. Sie wollen staunen und überrascht werden - und sie wollen glauben, dass es, um es in den Worten von Shakespeares Hamlet zu sagen, mehr gibt zwischen Himmel und Erde, als die Wissenschaft erklären kann. Deshalb ist es kein Wunder, dass Magie und Zauberei die Gesellschaft seit Jahrhunderten begleiten. Das Museum Fürstenfeldbruck widmet diesen beiden Themen nun eine Sonderausstellung mit dem Titel "Bezaubernd. Magie und Zauberkunst".

Entstanden ist dabei ein umfassender, spannender und oft überraschender Überblick über all die Facetten, die dieses Thema zu bieten hat. Vom klassischen Kartentrick bis hin zu mittelalterlichen Schutzzaubern und Scharlatanen. Die Ausstellung zeigt dabei die Entwicklungen und Zusammenhänge, vom ersten Hütchenspiel, das schon den Römern bekannt war, bis hin zu Meistern wie dem Entfesselungskünstler Houdini. Aufgeteilt ist sie in drei Bereiche: Magische Geschichten, Okkultismus und Zauberkunst.

Die Figuren vom Schichtl.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Schon in der Antike haben Gaukler und Taschenspieler die Menschen auf Märkten und Straßen mit ihren Tricks unterhalten, seit dem Mittelalter werden sie dann zum Topos der Kunst. Ein Gemälde von Hieronymus Bosch, das gleich am Eingang hängt ist, zeigt einen Gaukler, der eine italienische Gesellschaft unterhält. Auch drei Werke von Carl Spitzweg sind zu sehen, die Alchemisten und eine Hexe am Kessel zegen. Alte Zauberbücher geben einen Eindruck davon, wie sich die Wissenschaft über die Jahrhunderte mit dem Thema beschäftigt hat, wie Gelehrte, Alchemisten, Mystiker und Astrologen herausfinden wollten, was die Welt im Inneren zusammenhält. Der englische Philosoph Francis Bacon etwa bezeichnete die Magie als "Metawissenschaft". Ziel war es oft, die Ursachen von bis dahin unerklärlichen Naturphänomenen zu erforschen, etwa Magnetismus und statische Elektrizität.

Die Ausstellung versammelt unzählige interessante Objekte aus der Geschichte von Magie und Zauberei.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Parallel zur gelehrten Magie entwickelt sich schnell eine volkstümliche Variante. Mit dem "Hexenhammer" beginnen die Menschen, an Zauberei zu glauben. Unerklärbare negative Ereignisse können auf einmal mit dem dämonischen Wirken erklärt werden: Unfruchtbarkeit, Krankheit, Missernten, Naturkatastrophen. Schon die "althochdeutschen Merseburger Zaubersprüche" aus dem neunten Jahrhundert geben einen Überblick über die Maßnahmen, mit denen Menschen sich gegen das in ihren Augen Übernatürliche schützen wollten: der richtige Gebrauch des Drudenfußes, die Verwendung schützender Symbole. Aber auch, wie man den "Arztmann" einsetzt, eine Art Voodoopuppe, mit der man Feinden schaden kann. Eine andere Vitrine gibt einen Überblick über Schutzobjekte wie Amulette, Spiegel und Steine. Highlight ist die Komposit-Wunderkammer, vollgestopft mit Schutzobjekten, quasi ein Rundum-sorglos-Paket zum Mitnehmen.

Auch die Zauberkunst kommt nicht zu kurz. Der Besucher lernt wichtige Magier wie Robert-Houdin, die Schichtl-Dynastie, Kalang und Alois Kassner kennen. Robert-Houdin beispielsweise war ein Pionier magischer Apparate, mit denen er seine Besucher zum Staunen bringen konnte. Ausgestellt ist ein Orangenbaum aus Metall, der durch eine ausgeklügelte Technik echte Orangen "wachsen" lassen konnte. Kassner ist berühmt geworden dafür, dass er 1930 einen Elefanten verschwinden ließ. Dessen Geschirr ist im Original als Exponat in der Ausstellung zu sehen. Auch dem Thema Frauen in der Zauberei widmet sich die Ausstellung. Meist waren sie nur als Assistentinnen geduldet, durften sich zersägen lassen, schweben und gut aussehen. Aber immer wieder schaffen es einzelne Frauen, sich als Zauberin zu etablieren. Bedeutung bekommen sie dann auch als "Medien" bei Séancen. Auf einem Fernseher können die Besucher dem Zauberer Markus Laymann zuschauen, es gibt Tricks zum Ausprobieren, eine Selfiewand mit großen Film-Magiern wie Harry Potter und Gandalf. Ergänzend zur Ausstellung soll es außerdem regelmäßig kleine Zaubershows geben.

Ausstellung "Bezaubernd. Magie und Zauberkunst", Museum Fürstenfeldbruck. 15. Mai bis 11. Oktober. Der Katalog erscheint kommende Woche, auch ein virtueller Rundgang - ergänzt mit professionellen Zauberkunststücken - wird angeboten. Termine unter www.museumffb.de

© SZ vom 13.05.2020

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